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30.10.2006
Ein Interview mit &quot

Beim diesjährigen Halberg Open- Air trafen wir zwei der fünf Bandmitglieder von Revolverheld: Kris und Jakob, die zwischen Auftritt und Abreise trotzdem noch Zeit fanden, ein „etwas anderes“ Interview mit uns zu führen. Statt Fragen gaben wir ihnen Antworten vor, die sie der Einfachheit halber nur noch vervollständigen mussten.  Revolverheld (engl. gunslinger oder gunfighter) war ursprünglich die Bezeichnung für eine Person im Wilden Westen, die den Ruf hatte, gut mit dem Revolver umgehen zu können. Zwei Jahrhunderte später sitzen Flo, Kris, Jakob, Johannes und Niels in Hamburg zusammen und entscheiden sich für den Bandnamen „Revolverheld“ – der endgültige Durchbruch für die bis dahin nahezu unbekannte Band. Es folgen zahlreiche Fernsehauftritte, ausverkaufte Konzerte und ein Top- Ten Album mit dem gleich bleibenden Namen „Revolverheld“.       Chilly: Den Auftritt heute fanden wir…Kris: …Sehr cool auf jeden Fall. Unsere Mission war ja heute, den Rock hierher zubringen und ich glaube, das haben wir geschafft. Die Leute waren auf jeden Fall ganz begeistert und haben „ROCK, ROCK, ROCK“ mit geschrieen und der ein oder andere hatte auch ein Lächeln auf den Lippen, als wir gesagt haben „US 5 sind Rocker.“ Es war sehr nett auf jeden Fall, die Leute sind gut mitgegangen. Chilly: Was ich diesen Sommer noch unbedingt machen möchte…Kris: ..in Urlaub fahren! Egal wohin, Hauptsache Strand! Chilly: Als ich heute Morgen aufgewacht bin, habe ich als erstes gedacht…Jakob:… Oh scheiße ist das früh! Wir sind nämlich heute Morgen um sechs Uhr aufgestanden, waren dann heute Morgen beim Frühstücksfernsehen, sind dann gleich hierher gefahren und fahren dann gleich noch weiter. Wir haben also einen langen Tag vor uns.Kris:… oder schon hinter uns! Chilly: Mein peinlichstes Lieblingslied ist…Kris: … oh Gott,vielleicht “ Cry me a River“ von Justin Timberlake.Jakob: Das geht doch noch. Kris: Und deins? „Maria“ von US5?(Alle lachen)Jakob: Nein, “Toxic” von Britney Spears.Kris: Oh ja, das ist gut! Chilly: Das erste Mal so richtig betrunken war ich…Kris (lacht): …weiß ich gar nicht mehr, da hab ich wohl einen Filmriss…Jakob: … keine Ahnung wann das war  bei mir ziemlich spät, glaube ich. So mit 16, 17 oder so, ich war nie so der richtige Trinker. Ich hab Jahre lang keinen Tropfen Alkohol getrunken. (lacht) Chilly: Deutschland wird 2010 Weltmeister, weil…Kris: … sie es dieses Jahr definitiv schon verdient hätten und es 2010 einfach unumgänglich ist. Chilly: Wenn ich Modern Talking im Radio höre…Jakob: … ja dann schalten wir natürlich weg, aber das ist zum Glück lange nicht mehr passiert, das ist ja schon ein bisschen zurückgegangen und Deutschland wird wieder Rockland! Chilly: Meine erste Platte, die ich mir gekauft habe, war…Kris: … Madonna „Like A Prayer“.Jakob: … Roxette „Joyride“ Chilly: Unser bisher schönstes Erlebnis mit Revolverheld war…Kris: … war für mich „Große Freiheit“ in Hamburg, mein absolutes Highlight. Das ist ein Club, wo ich schon selbst viele Konzerte gesehen habe, weil wir aus Hamburg kommen. Dort waren unsere Konzerte zweimal hintereinander ausverkauft und das war schon sehr schön.Jakob: Ja das kann man nicht wirklich sagen, weil wir so viel in so kurzer Zeit erlebt haben. Aber ich kann mich immer noch gut erinnern, als wir das allererste Mal das Video zu „Generation Rock“ auf MTV gesehen haben und dieses MTV-Zeichen da oben rechts in der Ecke war, das war schon ein sehr gutes Gefühl. Chilly: Paris Hilton finde ich… Kris: …sexy.Jakob: … geil!!! Chilly: Ich würde nie Urlaub machen in…Kris: (lacht) … im Nahen Osten, momentan.Jakob: Keine Ahnung.Flo (aus dem Hintergrund): Moskau.Jakob: Nee, Moskau da würde ich Urlaub machen.Flo: … oder in Lettland, oder so.Jakob: Nee, so ganz krass so Ballermann oder so, das ist nicht mein Ding.Kris: Urlaub in Polen, Trendurlaub.Jakob: Urlaub in Polen, das war doch eine Band, oder?Kris: Ja, die gibt’s! Chilly: Der schönste Ort der Welt ist für mich…Kris: … mein Bett zu Hause, jetzt gerade. Chilly: Wann kommt ihr denn wieder nach Hause?Jakob: Am Montag, also in drei Tagen zum Glück. Also jetzt ist es gerade nicht so schlimm, nur heute halt. Chilly: Wenn ich einen Tag mit jemandem tauschen könnte, dann wäre das…Kris: Na Paris Hilton!!! Jakob: Ja das ist ganz gut eigentlich, stimmt schon.Kris: Dann würde ich ein oder zwei Überweisungen vornehmen an dem Tag auf mein Konto. Und dann noch ein bisschen Party machen und gucken wie das so ist, als Paris. Chilly: Mein erstes Geld habe ich früher damit verdient…Jakob: … Medikamente für eine Apotheke auszufahren. Mit dem Fahrrad so mit 13, 14 oder so.Kris: Ich glaub, ich habe tatsächlich mein erstes Geld mit Tennistraining verdient. Chilly: Mein schlimmstes Kindheitstrauma…Kris: … Modern Talking! Ja eigentlich schon.Jakob: Weiß ich jetzt nicht, kann ich nicht beantworten. Hatte ich eigentlich nicht.Kris: Eine schöne erfüllte Kindheit. Oooh ist das romantisch! Chilly: In 10 Jahren wollen wir…Jakob: … immer noch auf der Bühne stehen, immer noch Musik machen dürfen und ja ich glaube das ist schon eine ganz große Aufgabe.Kris: …reich sein, eine Villa haben oder vielleicht mehrere, einen Harem … und 27 000 uneheliche Kinder!

 Amelie Herberg, Kristina Backes

30.10.2006
1001 Nacht

14. August, 10:55 Uhr: endlich landen wir nach einem vierstündigen Flug unter der gleißenden Sonne Ägyptens. Traumhaftes Wetter, wie nicht anders erwartet. Denn in Ägypten regnet es nur alle 7 Jahre. Meine Familie und ich verbringen dieses Jahr unseren Familienurlaub im Orient. Das Örtchen, wo wir hingebracht werden sollen, heißt Safaga und befindet sich unweit vom Flughafen Hurghada, wo wir soeben gelandet sind. Wie man uns bereits Monate vor unserer Reise versicherte, sollten wir die erste Woche auf einem Kreuzfahrtschiff verbringen, um dort an einem Ausflugsprogramm teilzunehmen –

Komplikationen kann es immer mal geben, hieß es. Tja, und wie sollte es auch anders sein!? Wir wurden gegen ein Entgelt von über 200 Euro – was natürlich nicht eingeplant war – zuerst zu unserem Hotel nach Safaga gebracht, wo wir für eine Woche unsere Zimmer beziehen sollten. Der klapprige Transporter rollte also 60 Kilometer über den unvollendeten Asphalt. Endlich angekommen waren wir erst einmal erleichtert, dass wir Visa, Pässe und andere formale Dinge erledigt hatten. So weit, so gut. Von den Strapazen erschöpft, wurden wir dann zum Speisesaal begleitet, wo wir unser Mittagessen zu uns nehmen sollten. Obwohl von „lecker“ nicht die Rede sein kann, aßen wir alle recht viel, denn der Hunger ist bekanntlich der beste Koch. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten (und es war auch gut so, sonst wäre die erste Woche zur Katastrophe geworden) war, dass es jeden Tag, ob morgens, mittags oder abends ,das gleiche zu essen gab. Mit vollgeschlagenem Magen entschlossen wir uns trotz Müdigkeit die Umgebung zu erkunden. Unsere erste Anlaufstelle war der traumhafte Sandstrand.

In der Mittagssonne war es so unglaublich heiß, dass man ohne Schuhe kaum über den Sand gehen konnte (Blasen will ja keiner an den Füßen haben). Aber das Schöne ist, dass ständig eine sanfte Brise weht und man so gut wie nicht schwitzt, wegen der geringen  Luftfeuchtigkeit. Zahlreiche Händler gehen am hoteleigenen Strand auf und ab um ihre Souvenirs – eindeutig zu teuer –  an den Mann zu bringen. Auch Kamel- oder Pferderitte werden angeboten und bei 5 Euro pro Stunde gibt es da nichts zu meckern. Unbedingt zu empfehlen, denn ein Ritt auf so einem „Höckertier“ ist schon eine witzige Erfahrung.

Wer Spaß am Tauchen oder anderem Sport hat, ist in Ägypten genau richtig, denn dort wird eine vielfältige Auswahl geboten. Wer es von euch nicht weiß, noch einmal zur Info: Ägypten bietet die schönsten Korallenriffe der Welt und lädt auf jeden Fall zum Schnorcheln ein. Ich selbst habe es versucht und es ist wirklich eine echte Farbenpracht (Salzwasser in der Nase hingegen ist weniger angenehm).

Eine Woche Pool-Relaxing und mehrere positive wie auch negative Überraschungen später (langweiliges Abendprogramm, einseitige Ernährung, schöne Handtuchfiguren auf dem Bett, traumhafter Balkon etc.) wurden wir wieder von dieser tollen „Karre“ abgeholt und ENDLICH zum Schiff gebracht, das den wunderhübschen Namen MS Florence trägt.

Sofort erkundeten wir unsere 5-Sterne Unterkunft und stellten gleich fest, dass das Essen wesentlich besser war als im Hotel. Nach einem kleinen Begrüßungstee – Karkadehtee ist das ägyptische Nationalgetränk und wird aus getrockneten Hibiscusblüten gewonnen – erklärte uns unser persönlicher Reiseführer Machmut, welche kulturellen Highlights uns auf der einwöchigen Nilkreuzfahrt erwarten sollten. Unter anderem standen Horustempel, der Tempel auf der Insel Philae, Abu Simbel und der „unvollendete Obelisk“ auf seiner Liste.

Gleich am ersten Abend besichtigten wir den beeindruckenden Luxortempel. Selbst gegen 19 Uhr war es noch sehr heiß und da ich den halben Tag noch nichts getrunken hatte, bekam ich schnell Probleme mit dem Kreislauf. Als ich dann befürchtete, mich übergeben zu müssen, verließ ich, ohne Abmeldung die Gruppe und setzte mich auf eine Treppe, die außerhalb des abgesperrten Bereichs lag. Prompt wurde ich von wütenden Einheimischen belagert. Also mein Tipp an euch: solltet ihr mal nach Ägypten kommen, niemals hinter irgendwelche Absperrungen steigen, sollte euch auch noch so schlecht sein.

Glücklicherweise ging alles gut und die folgenden Tage wurden für meine Familie und mich ein echtes Erlebnis.

Am letzten Tag besichtigten wir zum Abschluss noch ein nubisches Dorf. Die Nubier lebten früher dort, wo sich jetzt der Assuanstaudamm befindet. Leider wurde alles überflutet und jetzt befindet sich dort der Nassasee, es gibt nur noch vereinzelte kleine Dörfer am Nil, eines davon nicht unweit von dem Hotel, in dem Agatha Christies ihren berühmten Kriminalroman „Mord auf dem Nil“ schrieb. Wir ritten auf Kamelen dort hin und wurden mit einem Tee begrüßt. Uns wurde die Dorfschule gezeigt und wir lernten ein paar arabische Buchstaben und Zahlen. Zum krönenden Abschluss durften wir einen Babyaligator auf den Arm nehmen.

Anschließend besichtigten wir noch das „Tal der Könige“, in dem die meisten Pharaonen bestattet wurden! Dann ging’s zurück zum Flughafen Hurghada, wo wir feststellten, dass unsere Flugtickets spurlos verschwunden waren. Nach einer kleinen Debatte wurden wir dann doch durchgeschleust. Puh! Geschafft. In Deutschland regnet es…na das sind tolle Aussichten.

NIEMALS ohne Kopfbedeckung oder Schuhe das Hotelzimmer verlassen. Am besten das Sonnenbaden in der Zeit von 11 bis 15 Uhr vermeiden. Nach 15 Uhr auch auf keinen Fall ohne Sonnenschutz  aus dem Haus gehen (ich spreche aus Erfahrung).

–         Keinen Salat essen, ansonsten könnt ihr den restlichen Urlaub auf der Toilette verbringen, da er mit Wasser gewaschen wird, das für uns ungewohnte Bakterien enthält. Also besser nicht ausprobieren.

–         Keine Galabea (traditionelles Gewand) im Hotel kaufen. Diese bekommt man auf jedem Basar schon ab 2 € nachgeworfen.

–         Genug trinken

–         Wenn ihr auf dem Basar von Händlern belästigt werdet, einfach mal „la schukrem“ sagen. Das heißt „nein, danke“ und wimmelt die Händler schnell ab.

–         Auf alle Fälle in ein Teehaus gehen und den leckeren Tee probieren, dazu eine Shisha und der Abend ist perfekt.

–         Wenn ihr tauchen oder schnorcheln wollt: „no problem“. In den zahlreichen „Diving Centers“ könnt ihr euch für ein paar Euros zeitweise eure Ausrüstung ausleihen (habe ich selbst probiert).

– Bloß keine Korallen oder Muscheln ausführen… Das könnte im Gefängnis enden.

Melanie Lehr

30.10.2006
Eine Weltmachtmacht mit großen Aussichten

Es ist die wohl größte und bekannteste Suchmaschine im gesamten World Wide Web. Für Millionen Internetnutzer ist es die erste Anlaufstelle, egal ob man nun nach „Fußball“ oder „Zahnarzt“ sucht.                      Google findet immer etwas, sei es ein Forenbeitrag oder eine informative Website. Und genau dafür arbeiten täglich circa 5000 Google – Mitarbeiter in Mountan View am Rande des kalifornischen Valley, wo Google sich ein wirkliches Imperium aufgebaut hat.                                 Doch mit Google kann nicht nur suchen: Es gibt viele weitere Funktionen, die wohl noch vielen Nutzern unbekannt sind.

Die Wichtigsten bzw. Interessantesten sollen hier einmal erläutert werden:

–         Google Maps: Dieser Zusatzdienst zeigt dem Nutzer detaillierte Luftbilder, die zur Navigation bzw. zum Finden von Straßen oder Gebäuden dienen. Dazu gibt’s es nützliche Zusatzinfos, z.B. Restaurants oder Tankstellen (maps.google.com), die sich in der Nähe befinden.

–         Google Video: Google Video ist eine Plattform, auf der User ihre eigenen Videos hochladen und damit auch verbreiten können. Zu finden sind Videos aus allen Kategorien, z.B. Musikvideos oder Kinotrailer(video.google.de).

–         Froogle: Froogle ist eine Preissuchmaschine, die es den Nutzern erlaubt, zu ihrer Produktsuche die günstigsten Preise sowie Produktvergleiche einzuholen.
Verkäufer können ihre Produkte dort auch kostenlos einstellen (google.de/froogle).

–         Google Trends: Mit dem Tool  kann man beobachten, wie oft nach Begriffen gesucht wird. So kann man zum Beispiel beobachten, dass nach dem Wort „Deutschland“ vor und während der WM sehr viel gesucht wurde.                                                                                

           

Doch Google ist längst nicht mehr nur eine Suchmaschine. Die Firma bietet eben so Software für den Privatgebrauch an.

Ein Beispiel dafür ist das Programm Google Earth. Damit hat jeder die Möglichkeit, virtuell z.B. die Pyramiden von Gizeh oder die Freiheitsstatue zu besichtigen. Als „Reisender“ ist es möglich, sich Orte als Favoriten zu markieren sowie Informationen zu diesen Favoriten bereitzustellen, die von allen Nutzern eingesehen werden können.

Mit all diesen Funktionen hat sich Google klar auf Platz eins der Suchmaschinenrangliste etabliert. Und Google ist noch nicht am Ende seines Wachstums. Der Konzern plant, schon bald Programme für Handys zu entwickeln, allein deshalb, weil mehr Handys existieren als Computer. Aber auch in den Medien- und Werbemarkt will Google einsteigen, um dort Innovationen zu planen und auf den Markt zu bringen.

Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass den Google Mitarbeitern noch viele weitere nützlicher Tools und Programme einfallen, die unser Leben „erleichtern“.

Andreas Maldener

30.11.-0001
Hmmm, ist die Pizza lecker! So viel Käse… Und die Salami erst. Du verpasst was, weißt du?

So ähnlich geht es mir in letzter Zeit ständig. Fast immer, wenn ich in Gesellschaft esse und nicht bloß schlechte Laune und die Frage: „Wieso tust du dir das an?“ meine Tischbegleiter sind. Ich, der bekennende Fleisch-, Eier-, Milch- und Käseliebhaber beschloss aus einer Laune heraus, streng vegan zu leben. Mindestens eineinhalb Wochen lang. Meine Freunde indes scheinen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, dieses Experiment für mich so schwer wie möglich zu machen.

Der Grund für den Versuch ist schnell erklärt: Ich möchte ausprobieren, ob man sich durch eine rein pflanzliche Ernährung besser fühlt. Körperlich und vom Gewissen her.

Zumindest für den Verzicht auf Fleisch gibt es mehr als genug Gründe. Einer davon ist der Umweltschutz: Die vereinten Nationen sprechen in ihrem Klimareport davon, dass die Viehwirtschaft schädlicher für das Klima ist, als der komplette Verkehrssektor mit Flugzeugen, Autos und Motorrädern. Ein Kilogramm Rindfleisch setzt in der Produktion bis zu 13 kg CO2 frei. Dazu wird, um Anbauflächen für Futtermittel und Weideland zu schaffen, massiv der südamerikanische Regenwald gerodet. Die betroffenen Flächen sind bereits heute um ein vielfaches größer als Deutschland.

Ein weiterer Grund zum Fleischverzicht ist ein sozialer: Durch Futtermittelimporte aus Entwicklungsländern fehlen dort wertvolle Grundnahrungsmittel. Laut Jean Mayer, einem Ernährungswissenschaftler der Universität Harvard, könnten durch eine Reduzierung der Fleischproduktion um zehn Prozent etwa 60 Millionen Menschen mit Getreide versorgt werden. Eine Hochrechnung des Vegetarierbundes Deutschlands ergibt, dass täglich etwa 25.000 Personen vor dem Hungertod bewahrt werden könnten – wenn jeder Mensch auf der Welt vegetarisch leben würde.

Die Fleischindustrie ist klimaschädlich und mitverantwortlich für den Hunger in armen Weltregionen. Der letzte große Grund, wieso man auf zu viel Fleisch verzichten sollte, ist der gesundheitliche: Fleisch ist oftmals mit Antibiotika und Hormonen versehen, die der Mensch beim Verzehr mit aufnimmt. Die Folgen davon und besonders die von gentechnisch verändertem Futtermittel lassen sich bisher nicht abschätzen. Selbst wenn das Fleisch unbelastet ist, begünstigt eine allzu fleischlastige Ernährung Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus.

Anreize zum Verzicht auf Fleisch gibt es also wirklich genug. Veganer gehen noch einen Schritt weiter und essen gar keine tierischen Nahrungsmittel, denn viele der Probleme von Fleischwirtschaft bleiben auch bei Produkten, für die Tiere nicht geschlachtet werden müssen. Die nicht artgerechte Massentierhaltung in Legebatterien sei hier nur ein Beispiel. Veganer essen dementsprechend auch keinen Fisch, keine Milchprodukte und keine Eier. Konsequenterweise werden ebenfalls keine Lederprodukte oder mit Tierversuchen erprobte Kosmetika gekauft.

Mein erster Schritt als Veganer führt mich daher nicht zum Kühlschrank, sondern an den Badschrank. Zum Glück bin ich ein Junge, muss also nur Rasiercreme, Shampoo, Tagescreme, Zahnpasta und Deo überprüfen. Nagellack, Schminke. Lippenstift, Shampoo zwei, drei, vier sowie diverse Spülungen und gefühlte 28 verschiedene Cremes/ Abdeckstifte/ Puder fallen Gott sei Dank weg. Aber zurück zum Thema.

Auf der Internetseite kosmetik-ohne-tierversuche.de von Peta lässt sich ganz einfach überprüfen, welche Produkte ohne Tierversuche entwickelt wurden. Nicht ein einziger meiner Körperpflegeartikel steht in der Liste. Für die allermeisten Kosmetikprodukte müssen Tiere sprichwörtlich als Versuchskaninchen herhalten, vor der Recherche war mir das völlig unklar. Als konsequenter Kurzzeit-Veganer brauche ich dringend neue Badartikel und der Kühlschrank muss auch bestückt werden. Also Stift und Zettel zücken, die Einkaufsliste wird etwas komplizierter und noch ist fast nichts veganes im Haus.

Was die nicht-tierischen Lebensmittel zu Anfang des Experiments betrifft: Etwas Marmelade und Bier. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich sonst nichts Veganes im Kühlschrank. Damit überstehe ich definitiv nicht die nächsten eineinhalb Wochen.

Im Supermarkt angekommen ist schnell klar, dass man als Veganer nicht Hunger leiden muss. Neben ohnehin pflanzlichen Produkten wie Reis, Kartoffeln, Hartweizennudeln, Gemüse, Obst und vielen weiteren Lebensmitteln gibt es auch veganen Ersatz für tierische Erzeugnisse. Diverse Käse- und Wurstalternativen lassen sich im Kühlregal finden, auf Soja- oder Tofubasis simuliert hier viel Chemie das Gefühl und den Geschmack von Käse und Wurst. Davon bin ich überhaupt nicht überzeugt. Zwar sind eineinhalb Wochen nicht genug, um auch nur ansatzweise alle Produkte zu probieren, doch die von mir getesteten Alternativen schmecken überhaupt nicht, sind recht teuer und ihre Zutatenliste ist viel zu lang.

Der Eindruck, dass vegane Ersatzprodukte weder gesund noch nachhaltig sind, wird durch den Marktcheck der Verbraucherzentrale Hamburg bestätigt. Von 20 getesteten Produkten gab es nur an zweien nichts zu bemängeln. Der Rest fiel durch übermäßigen Fettgehalt, erhöhte Mengen an ungesunden gesättigten Fettsäuren oder deutlich zu viel Salz auf. „Die Nachahmung von tierischen Produkten geht teilweise mit einem größeren Einsatz von Zusatzstoffen einher, sonst wären die Herstellung oder ein annehmbarer Geschmack in den meisten Fällen gar nicht möglich“, so ein Sprecher der Verbraucherzentrale.

Also beschließe ich, auf Ersatzprodukte zu verzichten, und nur noch Lebensmittel zu essen, die von Natur aus vegan sind. Zum Frühstück schmeckt zum Beispiel Brot mit veganem Aufstrich oder Getreidebrei mit Obst. Bei den Getränken muss man sich fast nicht einschränken, lediglich Milch fehlt. Also kippe ich in den morgendlichen Tee ab sofort Sojamilch. Die schmeckt wirklich gut, wenn auch ein wenig ungewohnt. Oftmals ist eine calciumhaltige Meeresalge zugesetzt, weswegen die Sojamilch einen leicht fischigen Beigeschmack hat. Eine sehr leckere Alternative dazu ist Soja-Reis-Drink, der schmeckt neutraler. Auf Milch zu verzichten ist im Gegensatz zu Käse wirklich einfach.

Mittags bietet sich für Studenten das Mensacafé der Universität an, dort gibt es jeden Tag ein veganes Gericht. Natürlich ist es schwierig, an Geschnetzeltem und Pudding zum Dessert vorbei zu gehen, besonders wenn das Ziel Reis mit Knoblauch-Pilz-Ragout ist. Aber man wird dort satt und meistens schmecken die veganen Gerichte sogar, Nudeln mit Gemüsesoße sind zum Beispiel super.

Abends koche ich oft, die Rezeptideen beziehe ich dabei aus dem Buch Campus Food – Vegane Studentenküche. Dort gibt es erstaunlich viele kreative und alltagstaugliche Gerichte, die vollkommen ohne tierische Produkte auskommen und dabei ziemlich gut schmecken.

Bisher funktioniert das Experiment viel besser als erwartet, sich vegan zu ernähren ist gar nicht so schlimm. Fleisch vermisse ich nur selten, einzig Käse fehlt wirklich. Was allerdings auffällt: Ich denke anfangs den ganzen Tag nur ans Essen. Für den Körper scheint die Umstellung erst einmal Stress zu bedeuten. Nach dem Motto: „Wieso kommt da kein anständiger Nachschub mehr?“ Doch bereits nach drei Tagen legt sich dieses unangenehme Gefühl. An der Befürchtung, dass mir etwas fehlt, scheint nichts dran zu sein. Gegner von rein pflanzlicher Ernährung behaupten oft, dass der Körper ohne Fleisch und Milchprodukte zu wenig Eiweiß aufnimmt. Tofu, Soja und Hülsenfrüchte reichen als Proteinquellen allerdings aus. Ich treibe sehr viel Sport und stelle in der Zeit des Experiments keinerlei Leistungseinbußen fest. Die Behauptung: „Von Salat schrumpft der Bizeps“ lässt sich wissenschaftlich sowieso nicht belegen. Ein erfahrener Veganer bestätigt mir, dass dem Körper auf lange Sicht lediglich das in Fleisch enthaltene Vitamin B12 und zu gewissen Teilen Calcium fehlt. Dafür gibt es Vitamintabletten. Eineinhalb Wochen übersteht man aber locker ohne Zusatzprodukte.

Um ein Fazit nach dem Versuch zu ziehen: Vegane Ernährung ist gar nicht so schlimm wie befürchtet, aber trotzdem nichts für mich. Käse, Milch, Eier und auch Fleisch wird es bei mir auch weiterhin auf dem Teller geben, mit gewissen Einschränkungen. Durch das Experiment wurde mein Essverhalten viel bewusster, mittlerweile steht insgesamt deutlich weniger, dafür besseres Fleisch aus ökologischer Landwirtschaft auf dem Speiseplan. Soweit wie möglich esse ich auch Eier, Milch und Käse mit Biosiegel. Dabei brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben. Meinem Verständnis nach ist es umweltbewusster und nachhaltiger, Fleisch, Eier und Milch vom Bio-Bauernhof aus der Region zu beziehen, als Tofu aus Asien hertransportieren zu lassen.

 

Bitte Infokasten mit Campus Food – Vegane Studentenküche.

Autoren: Anne Bühring und Kurt-Michael Westermann Systemed-Verlag ISBN 978-3-942772-21-1 16,99 Euro