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22.07.2007
oder Essen mal saarländisch

…und wie entzückt seufzen wir alle, wenn wir an die gute saarländische Küche denken.Abgesehen vom allseits bekannten „Schwenker“ bietet sie nämlich durchaus noch andere Spezialitäten, die nicht zu missachten sind. Gleich zu Anfang ist zu sagen, dass das landestypische Essen nicht gerade diätgeeignet ist. Wer also Kalorien zählen will, der sollte das Ganze lieber gleich lassen, schließlich stammen die Gerichte aus einer Zeit, in der man in erster Linie für wenig Geld satt werden und sich für anstrengende Arbeit kräftigen wollte.An Fett wird daher nicht gespart und auch sonst sind die Speisen durchaus gehaltvoll. Auch was das Optische betrifft…ganz ehrlich: der Saarländer scheint nicht viel Wert zu legen auf die Ansehnlichkeit des Essens. Die Gerichte werden häufig eher auf den Teller geklatscht und sind in einem Gourmetrestaurant kaum vorstellbar.Mit einem Grinsen erinnere ich mich an den Satz „Du bist, was du isst“ und sehe schnell die Verwandtschaft zwischen dem doch eher einfach gestrickten Saarländer und der bäuerlichen, plumpen Nahrung. Sehr speziell sind auch die seltsam anmutenden Kombinationen salziger Suppen mit süßen Beilagen, die ein ganz „normales“ Mittagessen abgeben und gleichzeitig verspeist werden.  Wer jetzt jedoch glaubt, ich verschmähe das landestypische Essen, hat sich getäuscht.Zugegeben, täglich wäre es einfach zu reichhaltig, doch wenn bei uns zu Hause der Schales in der Pfanne brutschelt, bin ich sicher als Erste am Tisch. Damit auch Ihr in diesen Genuss kommen könnt, übergebe ich nun feierlich überlieferte Familienrezepte: Schales für 4 Personen 10 dicke Kartoffeln4 große Zwiebeln3-4 Eier Die Kartoffeln und die Zwiebeln relativ grob reiben. Wenn viel Wasser herausläuft, die Masse in ein Geschirrtuch wickeln und dieses dann auswringen.Zusammen mit den Eiern in eine Rührschüssel geben und mit Salz, Pfeffer und Pfeffer, nach Belieben etwas Muskatnuss würzen.Gut verrühren und dann in einer großen Pfanne mit viel Öl braten.Wichtig ist, dass das Öl sehr heiß sein muss und hin und wieder nachgeschüttet werden muss. Mit Fett sparen ist nichts bei Schales, sonst brennt er euch an bzw. wird weder krustig noch gar.Alle paar Minuten wendet man den Schales, dabei muss man unbedingt die Krusten am Boden abkratzen! Nach etwa 15-20 Minuten ist der Schales gar. Löffelches-Bohnesupp mit Apfelpfannkuchen   für 4 Personen Für die Pfannkuchen:3 Eier1,5 Tassen Milch18 gehäufte EL Mehl2 Päckchen Vanillezucker1 Schuss Sprudelbeliebig viele Äpfel, in kleine Stücke geschnitten Die Zutaten zu einem flüssigen Teig verrühren und in einer mit Öl beschichteten Pfanne beidseitig backen. Für die Suppe:2 große Zwiebeln 1 kg frische Bohnen, geschnitten (daher der Name…die Stücke sollen so groß sein, wie ein EL)5 Kartoffeln, geschnitten Die Zwiebeln in Butter oder Öl andünsten, wenn sie glasig sind, Kartoffeln hinzugeben. Eine knappe Minute rühren und dann etwas Wasser hinzugeben. 2-3 Minuten mit geschlossenem Deckel köcheln lassen, dann die Bohnen hinzugeben und erneut Wasser nachschütten.Die Suppe mit geschlossenem Deckel bei schwacher Hitze köcheln lassen, bis das Gemüse gar ist und dann mit Salz, Pfeffer, Maggi, Muskatnuss und Gartenkräutern würzen.

20.07.2007
oder Wenn Theater fünfzigt

Zugegeben: Hört man den Titel des Theaterstücks „Dahemm!“ und liest die dazugehörige Beschreibung -„ein musikalischer Heimatabend im Rahmen von 50 Jahren Saarland“- ist die erste Reaktion, besonders bei Jugendlichen, nicht die, in die Vorverkaufsstelle zu sprinten und der Verkäuferin die Karten aus der Hand zu reißen. Gerade in einer Zeit, in der man nicht einmal durch die Stadt gehen kann, ohne dass einem unzählige Menschen von Plakatwänden aus mitteilen, was sie an einem Tag alles so fünfzig Mal machen (z.B. unnötig telefonieren, unsinnige Ideen verkünden, unnötig und unsinnig auf Plakaten im ganzen Saarland sein) und einen auffordern, „mitzufünzigen“, hat man keine große Lust mehr, auch noch in einem Theaterstück auf den 50. Geburtstag des Saarlandes hingewiesen zu werden. Zumindest nicht so, wie man es sich vorstellt: ein vorhersehbares, nicht sonderlich aufregendes Theaterstück, in dem eineinhalb Stunden lang jedes bekannte Klischee des Saarlandes breitgetreten und besungen wird, sprich, dass beispielsweise ein Schauspieler, in der einen Hand einen Ring Lyoner, mit der anderen einen Schwenker überm Schwenker am Schwenken, lauthals saarländische Begriffe wie „Oh legg!“ oder „Ei jo!“ rumschreit und danach noch ein paar Fakten über den Bergbau im Saarland loswird, gerne auch auf Französisch, wir liegen schließlich fast drin.Soweit also der erste Gedanke, jetzt zu den Tatsachen: Natürlich werden alle Klischees abgearbeitet, selbstverständlich ist die Stadtautobahn überschwemmt, wird Lyoner gegessen, Saarländisch gesprochen, der Bergbau thematisiert und gewiss wird auch auf die Grenznähe zu Frankreich hingewiesen. Doch entscheidend ist hier, auf welch einzigartige Weise es gemacht wird. Dass irgendwie mehr hinter diesem Stück stecken muss, dachte ich mir schon immer, doch es kostete trotzdem Überwindung, diesem Stück eine Chance zu geben. Eines Sonntagabends war es dann also soweit, mit nicht wenigen Vorurteilen nahm ich meinen Platz in der ausverkauften „Alten Feuerwache“ ein und musste zugeben, dass der erste Eindruck schon sehr positiv war: das Bühnenbild. Man schaut auf ein Häuschen, eine Garage, daneben eine Bierbank und allerhand Requisiten und Dekorationen, die ein harmonisches und idyllisches Gesamtbild ergaben. Etwas beruhigt war ich zu diesem Zeitpunkt schon, denn wenn nur saarländisch rumgebrüllt und mit Baguettes geworfen wird, kann ich mir immer noch die Ohren zuhalten und das schöne Häuschen anstarren.Doch soweit sollte es nicht kommen, denn ab der ersten Spielminute war mir klar, dass ich in diesem Stück goldrichtig war. Die niedliche Geschichte dieses Theaterstücks ist vielleicht nicht hundertprozentig logisch, aber einfallsreich und überraschend auf jeden Fall: Eine junge Frau aus dem Norden (gespielt von Dorothea Lata) findet eine Flaschenpost mit einer Nachricht von ihrem Onkel aus Amerika, in der steht, dass er ihr sein Geld vermacht, unter der Bedingung, dass seine Nichte in seine Heimat, das Saarland, zurückkehrt und dort in fünf Tagen einen Mann, den einzig echten Saarländer, findet. Also macht sie sich auf den Weg und trifft im Saarland schließlich auf die beiden Saartöchter (gegeben von Katrin Aebischer und Christiane Motter) und zwei Saarländer (Marcel Bausch, Florian Steiner), die sich ihr immer wieder neu und eben „typisch saarländisch“ präsentieren: mal als begeisterter Wanderbursche, als Bergarbeiter, dann als Gourmet oder als frankophiler Verführer und – um nicht zu viel zu verraten: Blonde Perücken spielen in einer weiteren Szene auch eine Rolle …Jede dieser Szenen wird musikalisch untermalt mit Live-Musik, die von einer dreiköpfigen Band am Bühnenrand kommt und  mit vielen Lieder, deren Bandbreite von Outkasts „Hey Ya“, Xavier Naidoo, Roger Cicero, Lenny Karvitz, Mozart, Bach, Volks- und Saufliedern und bis zu einer lustigen Version von „Lady Marmelade“ reicht, mal sind die Texte verändert, mal passen die Lieder schon in ursprünglicher Form perfekt zu der Szene.Das Ensemble überzeugt durch eine große schauspielerische wie gesangliche Leistung, keine Textzeile, keine Geste, keine Grimasse ist den Schauspielern zu grotesk, um ihr Publikum mit komödiantischem Geschick und Charme zum Lachen zu bringen. Insgesamt wird man Zeuge eines Abends, der sich auf Spurensuche nach der saarländischen Identität begibt, ganz ohne abgedroschene Sprüche, sondern vielmehr mit Humor, Fantasie und einer großen Portion Ironie.Nach anderthalb Stunden verlässt man zufrieden das Theater, mit dem eigenartigen Gefühl, dass „wir  Saarländer“ eigentlich doch recht symphatisch sind und man seit langer, langer Zeit vor lauter Werbekampagnen dies gar nicht mehr so gesehen hat. Ich selbst war jetzt schon dreimal in „Dahemm!“, habe immer neue Facetten entdeckt und bin mir sicher, dass ich in der nächsten Spielzeit, wenn „Dahemm!“ wieder in den Spielplan des Staatstheaters aufgenommen wird (der erste Termin ist der 22. September 2007), noch einmal zusehen werde, wie fünf großartige Schauspieler und drei ebenso gute Musiker ein Stück auf die Beine stellen, das eigentlich wie erwartet, aber irgendwie doch ganz anders ist. Vielleicht kann ich dann irgendwann ein Plakat beantragen, auf dem ich freudestrahlend mitteile, dass ich schon fünfzig Mal in  „Dahemm!“ war. Aber ich bin mir sicher, da hätten die Macher von „Dahemm!“ etwas dagegen.

18.07.2007
ARD und ZDF setzen Live-Berichterstattung der Tour de France aus

Nach der Skandaltour vor einigen Jahren, die von Dopingfunden, Festnahmen und Fahrern, die im Ausland vom Rad stiegen, geprägt war, sprach man bereits von der letzten Chance für den Radsport. Auch nach dem Dopingskandal um den spanischen Arzt Fuentes und den darauf folgenden Dopinggeständnissen zuletzt u.a. von Rolf Aldag und Erik Zabel musste man dann erkennen, dass der Radsport scheinbar nichts dazu gelernt hat. Die diesjährige große Schleife durch Frankreich schien zur allerletzten Chance für den Radsport zu werden. Zwar schien bisher der Zuschauertrubel an der Strecke ungebrochen, doch sprechen deutliche Quoteneinbrüche bei den beiden übertragenen Sendern ARD und ZDF eine deutliche Spache.
Hoffnung kam letzte Woche auf, als der junge und scheinbar unbelastete Linus Gerdemann vom Team T-Mobile sensationell eine Etappe und das gelbe Trikot gewinnen konnte. Zumindest der deutsche Radsport schien nach all den Geständnissen die Speerspitze eines neuen sauberen Radsportes zu werden. Gerade das Team T-Mobile ging mit gutem Beispiel voran. Durchsuchte regelmäßig das Gepäck seiner Fahrer, ließ von unabhängiger Stelle seine Fahrer medizinisch untersuchen, um mögliche Dopingmanipulationen in Zukunft für sein Personal auszuschließen. Zudem hatte Sponsor und Hauptgeldgeber T-Mobile diese Woche verkündet, man wolle am Radsport festhalten.

Doch dann platze heute der Dopinghammer in alle Illusionen vom dopingfreien Radsport. T-Mobile-Fahrer Patrick Sinkewitz, der diese Woche mit einem Zuschauer nach dem Rennen zusammengestoßen und schwer im Gesicht verletzt worden war, war laut A-Probe der NADA (Nationale Anti Doping Agentur) vor der Tour positiv auf Testosteron getestet worden, was von den T-Mobile-Ärzten bisher nicht geprüft wurde.

ARD und ZDF zogen die Konsequenzen und steigen ab sofort aus der Live-Berichterstattung von der Tour de France aus. Diesen gemeinsamen Beschluss fassten am Mittwoch ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender und ARD-Programmdirektor Günter Struwe. Er gelte „bis zur Aufklärung des Falls Patrik Sinkewitz“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Sinkewitz, der derzeit im Krankenhaus liegt und sich auf eine OP vorbereitet, bestreitet bisher gedopt zu haben. Klärung muss nun wohl noch die B-Probe bringen, die in den nächsten Tagen analysiert wird.

Foto: T-Mobile

17.07.2007
Sat.1 droht zum billigen Abspielsender zu werden

Sat.1 droht zum gesichtslosen Abspielsender zu werden. Im Vorfeld der heutigen Hauptversammlung der Sendergruppe ProSiebenSat.1 hat Konzernchef de Posch bei Sat.1 vom Senderchef Alberti kräftig aufräumen lassen. Dem brutalen Sparkurs sollen weitgehend alle Informationsprogramme des Senders trotz guter Quoten zum Opfer fallen. Gestern war schon Schluss mit der Sendung „Sat.1 am Mittag“ und „Sat.1 am Abend“, was den Mitarbeitern erst nach der Sendung und teilweise über andere Medien mitgeteilt wurde.

Grund der plötzlichen Programmänderung ist eine angestrebte Gewinnmaximierung des Konzerns, der statt 21 bald 30 Prozent Rendite erwirtschaften möchte. Dazu will man sich insgesamt von 180 Mitarbeitern, vor allem mit kurzfristigen Verträgen, trennen. Bei Sat.1 sollen dabei mit rund 60 Jobs aus dem Nachrichten- und Informationsbereich fast ein Viertel der gesamten Senderbelegschaft verloren gehen.
Was das für den Fernsehzuschauer auf der heimischen Coach heißt, wurde gestern schon deutlich. Statt den Informationsformaten gibt es jetzt Wiederholungen der Sat.1-Gerichtsshows zu sehen. Lediglich die Nachrichten am Abend sollen erhalten bleiben.

Aufgrund der Neuorientierung steht nach Meinung der zuständigen rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt auch der medienrechtliche Status eines Vollformatsenders auf dem Spiel, der eine bevorzugte Einspeisung ins Kabelnetz garantiert. Scharfe Kritk an den Sat.1 Plänen kommt daneben auch aus den Journalistenverbänden und der Politik.