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18.08.2007
Hier ist alles möglich&quot

Ich treffe die drei Schauspieler Dorothea Lata, Marcel Bausch und Florian Steiner im Foyer der Alten Feuerwache. Alle drei sind sie Mitglieder des Schauspielensembles des Saarländischen Staatstheaters und nehmen sich sogar noch eineinhalb Stunden vor einer Vorstellung Zeit, um mit mir über ihre Arbeit, ihre Person, ihre Vergangenheit und über das Saarland zu sprechen.

 

Warum sind Sie Schauspieler geworden? Warum im Theater?
Dorothea Lata: Ich wollte das schon immer machen, es war von vorneherein mein Wunsch. Nach der  Schauspielschule war das Theater dann der direkteste Weg, Menschen zu erreichen.
Florian Steiner: Eigentlich wollte ich nie Schauspieler werden. Mit 18 habe ich dann in einem  Jugendclub mitgemacht, das hat mir Spaß gemacht. Dann habe ich mich in einer Schauspielschule in Zürich beworben, was auch geklappt hat. Und im Theater deshalb, weil es für mich der logischste Weg war nach der Schauspielschule, wobei ich das andere (also Film- oder Fernsehproduktionen) jetzt nicht ausschließen will.
Marcel Bausch: Mit 15 -16 habe ich angefangen, mich für das Theater zu interessieren, habe dann in Studentengruppen gespielt und eine Ausbildung gemacht. Bei mir hat sich die Frage nie aufgedrängt, ob Theater oder Film/Fernsehen, ich denke, dass man den Beruf richtig nur im Theater lernt.

Welche Voraussetzungen braucht man, um Schauspieler zu werden?
Marcel Bausch: Begabung, Glück…viel Glück
Dorothea Lata: Willensstärke
Florian Steiner: Neugierde
Dorothea Lata: Eine gewisse Portion Verrücktheit (lacht)

Welche Ausbildung durchläuft ein Theaterschauspieler?
Dorothea Lata: Improvisation, Rollenunterricht (szenisch und Monolog, also in Gruppen und alleine), Sprechausbildung, Körperunterricht und theoretischer Unterricht, Theatergeschichte.
Florian Steiner: Wir haben noch Gesangsunterricht gehabt!

Wie sind Sie in das Schauspielensemble des Staatstheaters gekommen?
Florian Steiner: Ich bin über Dagmar Schlingmann (Generalintendantin des Staatstheaters) in das Ensemble gekommen. Nach meinem Diplomvorsprechen in Zürich hatte ich ein Vorsprechen in Konstanz und es hat geklappt.
Dorothea Lata: Nach dem Intendantenwechsel habe ich mich beim Staatstheater beworben und habe eine Zusage bekommen.
Marcel Bausch: Ich bin ja nun schon sehr lange hier…vor 26 Jahren bin ich zusammen mit dem ehemaligen Generalintendanten Lothar Trautmann nach Saarbrücken gekommen und seither bin ich hier.

Wie sehen Ihre Arbeitszeiten aus?
Dorothea Lata: Wochentags von 10 bis 14 Uhr und 18 bis 22 Uhr…
Florian Steiner: ..wenn keine Vorstellung anliegt. Aber eigentlich kann man da jetzt keine bestimmten Zeiten festlegen, Probenzeiten sind immer je nach Bedarf.
Dorothea Lata: Ja, das ist alles von Rolle und Szene abhängig.
Marcel Bausch: Und ansonsten sind abends die Vorstellungen. Nächste Spielzeit spielen wir sogar ein Stück am Silvesterabend, außer Weihnachten ist jeder Tag spielbar.

Von allen Stücken, die sie bisher gespielt haben: Welches war Ihre Lieblingsrolle und warum?
Marcel Bausch: Ich bemühe mich bei jeder Rolle, ob groß ob klein, sie gern zu haben. Ich denke, dass man als Zuschauer merkt, wenn ein Schauspieler seine Rolle hasst.
Dorothea Lata: Ich habe einmal in einer Erwachsenenvariante von „Rotkäppchen“ eine Wärterin gespielt, die sich dann in den bösen Wolf verliebt hat. Das war eine schöne Rolle!
Florian Steiner: In der Schauspielschule, den Osvald in „Gespenster“ von Henrik Ibsen.

Gibt es eine Art „Traumrolle“, die Sie unbedingt einmal spielen wollen?
Dorothea Lata: Die Kameliendame! (Roman und Theaterstück von Alexandre Dumas)
Marcel Bausch: Ich hüte mich davor, eine Lieblingsrolle zu haben. Man sieht sich selbst immer anders als man wahrgenommen wird.
Florian Steiner: Ich bin so ein Frischling, ich fange damit am besten erst gar nicht an, es gibt noch so viel, was ich spielen will! (lacht)

Welche Art von Theaterstücken spielen Sie am liebsten (Komödie, Tragödie, Kindertheater…)?
Alle zusammen: Alles!
Dorothea Lata: Wenn es ein gute Produktion ist, du gute Kollegen und ein gutes Konzept hast, ist egal, ob es jetzt eine Tragödie oder Kindertheater ist.
Florian Steiner: Es gibt schlechte Tragödien, schlechte Komödien und die schlechten gibts dann ja auch in gut, also macht man als Schauspieler da keine Unterschiede.
Marcel Bausch: Es ist sehr wichtig, möglichst viele verschiedene Stile zu spielen!

(Dorothea Lata verlässt das Interview, weil sie in die Maske muss)

Wie fühlen Sie sich kurz vor einer Vorstellung?
Marcel Bausch: Das ist bei mir unterschiedlich, es hängt vom Material, meiner Rolle und, na ja, vom Schwierigkeitsgrad der Rolle ab. Aufgeregt bin ich aber immer. Noch immer (lacht).
Florian Steiner: Bei mir ist es so, dass ich meistens nicht aufgeregt bin. Dann schaue ich immer, dass das noch wird (lacht). So ein gewisser Kitzel ist wichtig, bevor man geht.

Haben Sie schon einmal bei einem Film oder einer Fernsehproduktion mitgewirkt?
Marcel Bausch: Ja, ich habe einige SR-Sachen gemacht.
Florian Steiner: Ich habe letzten Sommer einen Kurzfilm gedreht. Ich bin aber auf keinen Fall abgeneigt, mehr zu drehen, auch aus finanzieller Sicht, da verdient man nämlich viel mehr (lacht).

Wenn ja, sind die Anforderungen an einen Schauspieler vor der Kamera anders als die auf der Bühne?
Marcel Bausch: Ja! Der Probenprozess im Theater kann 6 – 8 Wochen andauern. Beim Film werden bestimmte Szenen an bestimmten Tagen gedreht und alles ist abhängig von Wetter, Location und irgendwann sagt der Regisseur „Stimmt so, ist okay“ und die Szene ist fertig, auch wenn du selbst vielleicht noch unzufrieden bist. Es gibt nicht die Möglichkeit, die Szene noch einmal zu machen. Klar kannst du im Theater während einer Aufführung, wenn du mit einer Szene gerade nicht zufrieden warst, nicht sagen, „Stopp, ich mach das jetzt noch einmal von vorne!“, aber dafür probt man ja so lange an einem Stück, um alles auszutesten.

Welche Bedeutung hat das Theater, Ihrer Meinung nach, in der heutigen Zeit?
Marcel Bausch: Puh… ich freue mich über jeden Zuschauer, der kommt, um einem Live-Erlebnis beizuwohnen. Das Wort zu hören. Gerade in einer Zeit von Soaps und Events, die aufgeblasen werden und wo eigentlich nichts dahinter steckt. Wie gesagt, ich bin wirklich jedem Zuschauer dankbar, der den Weg ins Theater findet und dort zwei Stunden verbringt.
Florian Steiner: Ich glaube, das Theater kann der Gesellschaft ein Spiegel sein. Als Zuschauer hat man die Möglichkeit genau hinzuschauen. Das Theater sensibilisiert mich für Vorgänge, bringt mich zum Nachdenken.
Marcel Bausch: Es ist auch ein Ort, an dem gesellschaftliche Probleme aufgezeigt werden. Das Theater kann anregen, zum Nachdenken bringen…
Florian Steiner: …aber keine Probleme lösen!
Marcel Bausch: Nein, das nicht, aber es kann der Anfang davon sein.

Haben Sie es jemals bereut, Schauspieler geworden zu sein?
Marcel Bausch: Nein. Nie.
Florian Steiner: Partiell…weil ich schon stark Heimweh habe.
Marcel Bausch: Nach was?
Florian Steiner: Nach zu Hause!
Marcel Bausch: Das hat doch nichts mit der Schauspielerei zu tun!
Florian Steiner: Natürlich, wenn ich kein Schauspieler wäre, hätte ich doch nicht von zu Hause weggemusst. Maurer hätte ich auch in Zürich werden können

Was würden Sie jungen Menschen raten, die Schauspieler werden wollen?
Florian Steiner: Ins Theater gehen, in Jugendclubs.
Marcel Bausch: Sich nicht entmutigen lassen. Moden und Zeiten ändern sich im Theaterleben stark,  jede Schauspielschule nimmt andere Leute auf, z.B. will die eine einen extrem extrovertierten und die andere einen introvertierten Typ. Man muss auf jeden Fall immer an sich glauben!

Lassen Sie uns, passend zu unserer Sonderausgabe, noch etwas über Ihren Arbeits- und Wohnort, das Saarland, sprechen. Direkt als erste Frage: Sind Sie „echte Saarländer“?
Florian Steiner: Nein.
Marcel Bausch: Nein, Zugereiste.
Florian Steiner: Aber ich glaube, wir haben keinen einzigen richtigen Saarländer im Ensemble.

Florian Steiner, Sie sind vor einem Jahr aus der Schweiz nach Deutschland gekommen.
Warum dieser Schritt und warum ausgerechnet nach Saarbrücken?
Florian Steiner: Ich hatte die Möglichkeit hier zu spielen. Ich hätte auch in Zürich bleiben können, um als freischaffender Schauspieler zu arbeiten. Es ist aber relativ frei, ob so etwas klappt. Dann hatte ich hier ein Vorsprechen, hatte direkt ein gutes Gefühl bei Dagmar Schlingmann. Ich hatte den Eindruck, dass ihr Theater eine Art von Theater ist, das mich interessiert. Dann kam die Zusage.

Marcel Bausch, was hält Sie seit nunmehr 26 Jahren am Staatstheater?
Marcel Bausch: Das Saarland ist meine Heimat geworden. Ich lebe hier jetzt schon länger als in Luxemburg (Marcel Bauschs Geburtsort). Am Anfang hätte ich mir das auch nie vorstellen können, da denkt man als junger Schauspieler, „Jetzt bleib` ich hier mal 2 – 3 Jahre und dann geh ich auch wieder“. Natürlich kommen mit der Zeit auch private Gründe hinzu.

Was gefällt Ihnen am Saarland?
Marcel Bausch: Das Saarland ist ein sehr grünes Land. Speziell Saarbrücken ist außerdem sehr offen und ich habe das Gefühl, hier ist alles möglich. Ich meine, ich komme hier aus der Alten Feuerwache raus und ein paar Meter weiter ist das Rotlichtmilieu. In anderen Städten wird das dann rausgekarrt, die Saarländer sind da und in vielen anderen Sachen direkter.

Vielen Dank, dass Sie sich so kurz vor einer Aufführung für mich Zeit genommen und mir dieses Interview gegeben haben!

17.08.2007
Eine Sprache spricht für sich

Zwar liegt das Saarland in Deutschland, doch sobald man die saarländische Grenze überquert hat begegnet man unbekannten Wörtern wie z.B. „dabber“, „strack“ oder „verkassemaduckele“. Selbst Einheimische tun sich oft schwer einander zu verstehen, denn jede Region besitzt auch ihren eigenen Umgangston. Wie sollen sich dann erst Fremde zurechtfinden? Dabei setzt sich das „Saarländische“ aus verschiedenen weltbekannten Sprachen zusammen, egal ob Französisch oder Latein. Um euch also nun die Kontaktaufnahme zu Saarländern/-innen zu erleichtern hier ein paar Übersetzungshilfen.     -Ähs: gesprochen „es“, wird meist abfällig zur Bezeichnung für Mädchen und Frauen gebraucht Ballawer: gilt im Saarland als Synonym für Lärm und Ärger. Ursprünglich stammt es jedoch von dem portugiesischen Wort „Palavra“ und meint die Versammlung eines Stammesrates Bredullje: leitet sich von dem französischen Wort „breduille“ (= Misserfolg, Niederlage) ab und steht für eine schwierige Situation dabber = schnell Dauerschreiwer = Kugelschreiber Dibbe = Kochtopf Flemm: meint einen depressiven Zustand und kommt von der französischen Redewendung „avoir la flême“(= faulenzen) Freck: dient zur allgemeinen Bezeichnung für Erkältungskrankheiten jeglicher Art und    wurde höchst wahrscheinlich abgeleitet von „verrecken“ kloor = witzig, interessant schwätze = reden strack: stammt von dem mittelhochdeutschen Wort „steif“ und bedeutet betrunken oder faul verkassemaduckele = hinters Licht führen oder verprügeln Wackes: ist die abwertende Bezeichnung für einen „Elsässer“ und hat seine Wurzeln in dem Wort „Wasgau“ (Bild: mbfotos [at] fotolia [dot] de)

16.08.2007
jetzt auch im TV

Wer kennt ihn nicht, den Radio-Fußball-Satiriker Arnd Zeigler? Seit Montag hat er erstmals eine eigene Fernsehsendung. Von 0:15 bis 0:45 kann man das Ganze im WDR – Fernsehen bestaunen. Das Konzept klingt so verrückt wie sein Moderator, die Sendung wird nämlich nicht etwa in einem professionellen TV-Studio, sondern in Zeiglers eigener Wohnung aufgezeichnet. Außerdem möchte Arnd Zeigler richtiges Fan-TV machen und so nah wie möglich an den Fußballbegeisterten dran sein. Dazu gehört auch eine lockere Telefon Plaudersession mit den Fans. Zeigler dazu: „Eine Fußballsendung, wo sich Fußballfans wirklich miteinander austauschen können, gibt es bei uns in Deutschland noch nicht. Wenn, dann ist es so wie beim DSF, dass die Fans 30 Sekunden lang auf den Anrufbeantworter quatschen können und das wird dann gesendet. Ich will mich gemütlich unterhalten, zwischendurch darf es aber auch gerne auch mal hoch her gehen.“ Zeigler sieht sich selbst als der Domian für Fußballfans. Unser Fazit: die Sendung ist eine echte Bereicherung für den Fußballfan und für das Nachtprogramm im TV, ganz ohne Werbeunterbrechung. Im Internet gibt es dazu jede Sendung zum Wiederanschauen. Infos: http://www.wdr.de/tv/sport_zeigler.

15.08.2007
Gefühle im Unterricht?

Eine revolutionäre Idee in Bayern erregt Aufsehen: Mit dem Schulfach „Erwachsenwerden“. Hier soll über alle Themen gesprochen werden, die Jugendliche interessieren, vor allem über ihre Gefühle. Doch geht das überhaupt? Mit einem Lehrer/einer Lehrerin? In einer Hauptschule in der Kleinstadt Neumarkt scheint das Projekt zu funktionieren.

Laut Lehrplan besprechen die Schüler, was für sie Freundschaft bedeutet, Familie, was Erfolg ausmacht. Um Sucht geht es auch oder um Liebe – und um Sex. Sie sollen sich öffnen und das Gefühl haben, dass ihnen jemand zuhört und mit Rat und Tat zur Seite steht – ein Gefühl, dass der ein oder andere zuhause vielleicht vermisst. Auch das Klima in der Klasse und der ganzen Schule soll sich verbessert haben, dadurch, dass über Probleme und Ängste gesprochen wird. Wem es jedoch zu persönlich wird, der kann den Unterricht verlassen.

Die Schüler sollen mit diesem alternativen Unterricht besser auf das Leben nach der Schule vorbereitet werden, schließlich ist man, wenn man die Schule verlässt, ja noch lange nicht „erwachsen“, sondern erst einmal mit vielen neuen und oft auf problematischen Dingen konfrontiert. Das Wissen, darum, wie man sich und seine Gefühle ausdrücken und deshalb Hilfe erhalten kann, ist dann wichtiger denn je und kann zu größerer Ausgeglichenheit führen.
Ob das Projekt auch in anderen Bundesländern „Schule macht“, ist jedoch noch unklar.