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27.12.2006

Die St. Ingberter Rock-Band „Krempels“ ist nach dem Lokal „Bistro Krempels“ benannt. Sie existiert seit 2003 und probte anfangs im Keller des Lokals.Ihre Musik, gänzlich Eigenkompositionen, lässt sich nicht in eine bestimmte Musik – Ecke drängen, vielmehr findet man in ihr Elemente der verschiedensten Rock-Stile wieder. Melodischer Rock in Verbindung mit progressiven Elementen, eine Kombination, die heutzutage kaum jemand erwarten würde, zumal von einer jungen Band mit einem Altersdurchschnitt von gerade mal 19,3 Jahren. Die sechs Mitglieder der Band, nämlich Frontfrau Lisa Neumann, Gesang; Sebastian Quack, Bass; Moritz Hunsicker, Keyboard; Michael Röhrig, Schlagzeug; Matthias Nikola und Carsten Degel, Gitarre kennen sich schon lange und leben für ihr gemeinsames Hobby, die Musik. Die Band spielte in diesem Jahr bei diversen Stadt – und Dorffesten rund um St. Ingbert. Die Krönung war der Auftritt auf der „Radio Salü Bühne“ beim „Saarspektakel“. Hierzu kam es durch den „Radio Salü Bandcontest“, den die Band zuvor gewonnen hatte.  Unterstützt wurde die Band von Schorsch Seitz, der sich nach dem Sieg folgendermaßen äußerte:„ Dass die Krempels gerade aus St.Ingbert stammen, der Stadt, in der ich meine Jugend verbracht und selber meine ersten Bands gegründet habe, freut mich besonders. Musikalisch machen die fünf Jungs um Frontfrau Lisa einen sehr aufgeweckten Eindruck. Meinen Song DU BIST SAARLAND haben sie nicht einfallslos abgecovert, im Gegenteil, sie haben ein eigenes, pfiffiges Arrangement erarbeitet und auch den Text entsprechend abgeändert. Durch die neue Instrumentierung und den unverwechselbaren Gesangsstil von Lisa ist ein Song mit eigenem Charakter entstanden, der einerseits das kreative Talent der Band nicht zu kurz kommen lässt, andererseits aber die Grundidee des Songs beibehält.Die Krempels haben den 1. Platz voll verdient, denn auch live auf der Bühne des Saar-Spektakels haben sie zu 100% überzeugt, die Reaktionen der Zuschauer waren entsprechend!Glückwunsch an eine talentierte Band, von der man in Zukunft mit Sicherheit noch mehr hören wird.“ Weitere Infos findet ihr unter www.krempels-band.de oder schreibt eine Mail an bmotsch [at] krempels-band [dot] de Ein Bericht von Florian Jung.

27.12.2006

Auch dieses Jahr wird an Silvester in Saarbrücken wieder die Stimmung steigen. Während die meisten Saarländer vermutlich friedlich daheim ein paar Feuerwerke hochgehen lassen oder sich zu kleinen Privatpartys zusammenfinden, zieht es andere in der letzten Nacht des alten Jahres in die Innenstadt, um in den Clubs abzufeiern. Chilly hat euch hier einige interessante Möglichkeiten zusammengetragen. „Feiern und Abtanzen“ heißt es beispielsweise bei der Radio Salü Silvesterparty, die ab 21. Uhr im E-Werk stattfinden wird. Live on Stage könnt ihr hier zunächst zu Groovin’ Affairs, einer deutschen Funk n’Soul band abtanzen. Nach Mitternacht wird dann Jürgen Drews auf der Bühne stehen, der das Publikum mit seinen Party-Pop-Schlagern erfreuen wird.Ein weiters Highlight ist ein großes Indoorfeuerwerk, das um Mitternacht gezündet werden wird. Sicherlich wird’s hier jede Menge gute Stimmung geben, einen kleinen Dämpfer versetzt jedoch der gesalzene Eintrittspreis: 26 Euro. Da kann man nur mal hoffen, dass die sich dann auch lohnen werden. Eine Alternative für Discofans bietet der „Silvester House Palast 2006“, der am Silvesterabend ab 22 Uhr im Glaspalast der Congresshalle Saarbücken stattfinden wird. Jede Menge Charme und Glamour werden hier versprochen, verpackt in dekadente Optik und groovende House- und Disco-Sounds. Das Line-up besteht unter anderem aus DKII, denis&ich, DJ Moh und Michael Kastel. Ein Höhepunkt des Abends verspricht der „ultimative Jahresrückblick der House-Hits 06“ zu werden. Der Eintritt kostet 15, 50 Euro.In der Garage Saarbrücken steigt unterdessen die „Unser Ding Silvesterparty“ Auf drei Floors (Halle, Hellmut, kleiner Klub) wird hier dem Sender zufolge „gerockt wie bekloppt“. Nun ja, die Party wird garantiert besser als dieser Reim. Versprochen sind auf jeden Fall mal „viele kleine Überraschungen“. Na, da kann man gespannt sein. Die Tickets kosten 11 Euro.Die Silvesterparty des SR 1 findet im N8werk Saarbrücken statt. Abwechslungsreicher Sound von den 60s bis heute und „Coyote Ugly“- Girls auf den Tresen sorgen für Stimmung. Um Mitternacht gibt’s dann ein großes Outdoor- Feuerwerk. Daneben sind kostenlose Pizza und Sekt auch nicht ganz unattraktiv. Hinein kommt man übrigens für 10 Euro. Außerdem gibt es natürlich die Silvester-Salsa-Party im Havanna Club mit DJ Sabor Latino. Hier erwarten euch Salsa und Cuba-feeling pur mit Cocktails und Zigarren. Anfang ist 22 Uhr, der Eintritt kostet 6 Euro, wobei da allerdings schon ein Drink für 2 Euro dabei ist.Ansonsten könnt ihr natürlich auch einfach eure eigene Silvesterparty veranstalten. Beispielsweise in einem alten, romantischen Wasserschloss in Westflandern. Ein wunderschönes belgisches Schloss für sich, historische Schlafzimmer für 22 Personen, Frühstücksbuffet, wertvolle, antike Gemälde und Möbel, Farbfernsehen und luxuriöse Bäder… da könnte man sich das mit den 2000 Euro ja fast noch mal überlegen! Katharina Wenz

23.12.2006
Skifahren und Party bis in 3.000m Höhe

Ischgl zählt zu den größten und bekanntesten Skigebieten in den Alpen. Einen Namen hat das Gebiet sich neben der genialen Infrastruktur auch wohl durch den Après-Ski gemacht. In kaum einem anderen Skiort wird so viel gefeiert wie hier.

Aber auch das Skifahren kommt in Ischgl nicht zu kurz. Mit 40 Liften und über 200 Pistenkilometern, ist das Gebiet beachtlich groß. Ischgl liegt in Tirol, direkt an der Grenze zur Schweiz. Deshalb ist man auch eine Partnerschaft mit dem kleinen Schweizer Ort Samnaun eingegangen, der ebenfalls über ein schönes Skigebiet verfügt. Beide Gebiete grenzen unmittelbar aneinander und sind mit dem gleichen Skipass beliebig befahrbar. Da Samnaun mit dem Auto nur über Österreich und nicht direkt aus der Schweiz zu erreichen ist, kann man hier auch noch zollfrei Kosmetika oder Schmuck einkaufen.

Das Skigebiet in Ischgl wurde in den letzten Jahren ständig erweitert und modernisiert. Eines der Highlights war wohl der Neubau der Hauptgondel Silvrettabahn als Umlaufkabinenbahn mit jeweils 18 Sitzplätzen. Diese Maßnahme wurde aber auch notwendig, da jedes Jahr mehr Menschen Ischgl besuchten und so die Kapazitäten der alten Gondel schnell ausgelastet wurden. Bisher ist eigentlich kein Jahr vergangen, in dem nicht mindestens eine neue, moderne Bahn oder ein neues Restaurant gebaut wurde. Zur Skisaison 2006 wurde auf der Idalpe, dem Hauptplateau des Skigebietes, ein neues Panoramarestaurant, das Alpenhaus errichtet.

Wie schon erwähnt wird in Ischgl sehr exzessiv gefeiert. Auf der Piste ist unter anderem in der Paznauner Taja, einem richtigen Sonnenloch, schon mittags buchstäblich die Hölle los. Ein DJ legt hier den ganzen Tag Après-Ski Hits auf und es wird ausgelassen gefeiert. Im Ort sind hier vor allem der Kuhstall und die Trofana-Alm zu nennen. Beide Lokale haben echten Kultcharakter und sind nachmittags immer gut besucht.

Ischgl ist also auf jeden Fall einen Besuch wert. Etwas abschreckende dürften nur die Preise für Unterkunft im Ort, der von 4**** Sterne Hotels dominiert ist, und die Verpflegung sein. Günstigere Unterkunften kann man aber in den angrenzenden Orten Galtür, Kappl und See buchen. Von dort fahren regelmäßig Skibusse, die man als Inhaber eines Skipasses kostenlos benutzen darf.

Der Skipass kostet einen Erwachsenen für 6 Tage zwischen 140 und 180 Euro. Der Preis ist abhängig davon, ob man in Ischgl direkt oder in den angrenzen Orten wohnt, da mann dann einen Skipass kaufen muss, der die Skigebiete der Nachbarorte einschließt.

Weitere Informationen zu Ischgl findet man auf der offiziellen Homepage des Ortes www.ischgl.com oder auf www.silvretta.at

22.12.2006
Ein Rückblick

Es bedarf nur weniger Blicke in die ausländischen Gazetten, um festzustellen, wie sich das Deutschland-Bild nach der Fußball-WM über den Tellerrand hinaus einwickelt hat. „Mit der Weltmeisterschaft hat Deutschland den normalen Patriotismus zurückgefunden“, schrieb die französische Zeitung Le Figaro wenige Tage nach dem WM-Finale. Besonders die niederländische Presse feierte die deutsche Euphorie: „So haben wir die Deutschen noch nicht erlebt. Überall bunte Flaggen und fröhliche Gesichter“, meint De Volkskrant.. Der englische Mirror bringt es auf den Punkt: „Deutschland ist der wahre Gewinner der Weltmeisterschaft“- eine Aussage, die sogar vom englischen Premier Tony Blair zum Besten gegeben wurde. Deutschland ist also doch mehr als ein Land, indem vermeintlich nur Skeptiker, strenge und pünktliche Leute leben, welche in Lederhosen Bratwurst mit Sauerkraut essen und bemerken, dass das Bierglas halbleer ist. Deutschland hat sich während der Fußballweltmeisterschaft und den Erfolgen von Poldi, Schweini und Co. von einer für das Ausland völlig neuen Seite gezeigt. Millionen feierten euphorisiert auf den Fan-Meilen der 12 WM-Städte. Autokorsi, die man sonst nur im Kölner Stadtteil Mühlheim bei türkischen Erfolgen bewundern durfte, wurden auf Deutschlands Straßen zelebriert. Kurzum: eine völlig neue Welle des Patriotismus wurde entfacht. Deutschland – ein Land, gebrandmarkt von einer bitteren nationalsozialistischen Vergangenheit erstrahlt plötzlich in völlig neuem Glanze. Nach Jahren der politischen und fußballerischen Depression entwickelt ein Großteil der 82 Millionen ein neues Nationalgefühl – auch wenn der bittere Beigeschmack vorhanden ist. Patriotismus – ein Thema, umstritten in all seinen Facetten. „Wie weit darf Patriotismus gehen“, fragten viele Kritiker, vor allem aus dem literarischen Lager. Ist es legitim, Flagge zu bekennen? „Ja“, meinen viele Millionen Deutsche, welche während dem „Jahrhundertturnier“ die schwarz-rot-goldenen Fahnen wie einst an den Maifeiertagen der DDR aus den Fenstern hängten oder ihre Autos mit den kleinen Fähnchen schmückten. Die kleinen Autofähnchen – ein Symbolbild der Deutschland-Euphorie im Sommer 2006. Fast jeder hat sie gehabt: der Taxifahrer, der Pizzabote und bis zum Einlenken staatlicher Behörden sogar die Polizei. Mehr Patriotismus geht fast gar nicht. Aber dennoch wütet der Skepsisteufel. Vom Gleichgewicht ist die Rede, das die Deutschen herstellen sollen. Das Gleichgewicht zwischen gesundem Patriotismus und einem Schuss Distanz gepaart mit Rücksicht auf die Vergangenheit. Die dunkle NS-Vergangenheit liegt auf Deutschland wie ein Rotweinfleck auf einer weißen Bluse. Die Geschehnisse können nicht übertüncht werden, sind fest mit dem Bild von Deutschland verwurzelt. Doch kann man den Beigeschmack nicht beseitigen? In Zeiten von stetig wachsenden Prozenten für die NPD und ausländerfeindlichen Übergriffen (siehe Potsdam) galt es sich mit den Problemen des Patriotismus auseinanderzusetzen. Das Singen der Nationalhymne darf niemandem schwer fallen – schon gar nicht den Nationalspielern. Zudem darf dass Hissen einer Deutschland-Flagge nicht als Rückkehr zum großdeutschen Denken interpretiert werden. Flaggen gab es bekanntlich genug. Genau wie Patriotismus. Die mexikanische El Universal schrieb während der WM: „Deutschland hüllt sich mit einer Begeisterung in schwarz-rot-gold, wie man es seit Kriegsende nicht erlebt hat.“ Nach dieser langen Zeit schien der Knoten des Schweigens endlich geplatzt zu sein. El Universal weiter: „Die kollektive Buße währte 61 Jahre. Der Zauber des Fußballs setzte ihr ein Ende.“ Eine Aussage, die das „neue Nationalgefühl“ in wenigen Worten beschreibt. Fußball, die Weltsprache, lässt Völker zusammenwachsen und Vergangenheit vergessen machen.

Patriotismus gepaart mit Gastfreundschaft

Patriotismus gepaart mit Gastfreundschaft – die ideale Mischung, die von einer spanischen Tageszeitung als „Patriotismus light“ bezeichnet wurde. Die vielen Kritiker, Zweifler und Nörgler, die versuchen wollten, die Menschen auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen, um das neue Nationalgefühl zunichte zu machen, verstummten somit schnell. Denn sie registrierten, dass das deutsche „Party-Volk“ ebenso die eigene, als auch Mannschaften anderer Nationen zu unterstützen versuchte, und damit das hauptsächliche WM-Motto bestätigte: „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Unvergessen bleibt das Bild, als beim Spiel Ghana gegen Tschechien plötzlich hunderte deutsche Fans mit „GHANA,GHANA“-Rufen auf sich aufmerksam machten, um die afrikanische Auswahl zu unterstützen. Ein Ghana-Spieler nach der Partie: „Ich war so berührt, ich hätte beinahe geweint.“ Selbst die objektiv daher kommende deutsche Sportjournallie ergriff hier und da Partei für Mannschaften anderer Nationen. Beim Achtelfinalspiel zwischen Titelverteidiger Brasilien und der ghanaischen Auswahl feuerte Premiere-Kommentator Marcel Reif die Afrikaner mit den Worten „Lauft, meine kleinen schwarzen Freunde, lauft“ an. Ein Traum! Die Gastfreundschaft stand neben den sportlichen Aspekten bei den Organisatoren an erster Stelle. Schon Monate vor Beginn des Eröffnungsspiels sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in einer WM-Informationsbroschüre für die Gäste aus dem Ausland: „Ich bin mir sicher: Unsere Gäste werden Deutschland als weltoffen und tolerant kennen und schätzen lernen.“ Gesagt – getan. Zudem startete die Arbeitsgruppe „Tourismus/Gästeservice“ und das WM-OK um Chef-Organisator Franz Beckenbauer eine „Nationale Service- und Freundlichkeitskampagne“. Den Gästen aus aller Welt solle der rote Teppich ausgerollt werden. Auch hier bestätigten sich die Vorhersagen und Visionen der Organisatoren. Die WM 2006 – ein Spektakel, das man aufgrund seiner großen Internationalität nie vergessen wird. Die Straßen in ganz Deutschland waren geschmückt mit Fähnchen der 32 teilnehmenden Mannschaften, viele deutsche Familien stellten ihre Gästezimmer für ausländische Schlachtenbummler zur Verfügung, die einheimischen Fans hüllten sich in die Farben der Gastnationen. Viele der insgesamt rund zwei Millionen Fans aus dem Ausland kündigten gar ein baldiges Wiederkommen ins Land des WM-Dritten an. Eine Tatsache, die vor allem die nationalen Hoteliers erfreut, welche auch während des Turniers ein großes Umsatzplus verbuchen konnten. Somit erhofft sich die Tourismusbranche für die nächsten Jahre einen Aufschwung. Deutschlands Gastfreundschaft sei Dank!

Die WM als Motor der Konjunktur?

Deutschland ist also wieder wer – nicht nur auf dem grünen Rasen, sondern auch in der Wirtschaft. Die WM verzeichnete ein Wirtschaftswachstum von 0,5 % des Bruttoinlandsproduktes. Vor allem der Einzelhandel profitierte vom Großereignis: Fernsehgeräte, der Getränkekonsum und vor allem Sportartikel sorgten für ein Umsatzplus von geschätzten zwei bis drei Milliarden Euro. Angekurbelt werden diese Werte vor allem durch die ausländischen Fans: laut einer Postbank-Studie hätte jeder ausländische Fan rund 800 Euro ausgegeben. Zu den Gewinnern der WM gehört also zweifelsohne die Wirtschaft. Doch konnte die WM auch eines der größten Probleme im Lande, die Arbeitslosigkeit, lösen?Vor der WM wurden zahlreiche Stellen angeboten, vor allem in der Gastronomie. Dieser saisonal bedingte Aufschwung des Arbeitsmarktes wirkte sich in den Folgemonaten auch positiv auf die Arbeitslosenzahlen aus. Denn: den während der WM angestellten Arbeitskräften wurden im Erfolgsfall langfristige Jobs in Aussicht gestellt. Von 50 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen war die Rede, „einige Tausend“ davon langfristig. Ein temporärer Erfolg, der vor allem der perfekten Organisation der WM zu verdanken ist. Das WM-OK arbeitete während der WM fest mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) zusammen, welche den Arbeitgebern der einzelnen Ressorts rund 150 extra für die WM geschulte Ansprechpartner zur Verfügung stellteDas WM-OK arbeitete während der WM fest mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) zusammen, welche den Arbeitgebern der einzelnen Ressorts rund 150 extra für die WM geschulte Ansprechpartner zur Verfügung stellte.

Das Ende der Depression?

Deutschland, ein Land mit einer hohen Arbeitslosenquote, Politikverdrossenheit und Pessimisten scheint gerettet. Oder ist der Aufschwung nur von kurzer Dauer? Die deutsche Mannschaft und ihre sensationellen Auftritte, gespickt mit tollem Offensivfußball, ließen den Funken auf das Volk überspringen. Der Vater des Erfolges: Jürgen Klinsmann. Der anfangs kritisierte und mittlerweile schon wieder im Strandkorb von Huntington Beach liegende Schwabe ist Symbolfigur des deutschen Sommermärchens. Ein Mann, der durch seinen nicht enden wollenden Optimismus 82 Millionen Menschen elektrisierte. Optimismus – eine Eigenschaft, die im Deutschen Volk auf geringe Resonanz trifft. Ist das Glas nun halbvoll oder doch halbleer? Letztere Ansicht überwog bei den deutschen Bürgern bis die WM kam. Durch den Erfolg des deutschen Teams bewegte sich eine Welle des positiven Denkens durch die Bundesrepublik. Das Ende der Glasfrage? Viele Unternehmer gehen mit einem Schuss mehr Optimismus an die Aufgaben, die bevorstehen. Zudem werden die Ziele klarer definiert , wie es auch Jürgen Klinsmann bei seinem Amtsantritt tat, indem er den Gewinn der Weltmeisterschaft als Zielsetzung ausgab. Getreu der Redewendung „Man soll höher zielen als man treffen will“ wird dabei auch oft über das eigentliche Ziel hinaus geblickt, um die Motivation zu steigern.Ein weiterer wichtiger Faktor, der Teamgeist, war ebenfalls verantwortlich für das Erreichen des dritten Platzes der Nationalelf. „Wir sind ein Team!“ hallte es bei den Trainingseinheiten der deutschen Mannschaft während der WM über den Platz. Mit Erfolg! Durch geschlossene Mannschaftsleistungen konnten Gegner wie Schweden oder Argentinien in die Knie gezwungen werden. Auch dieser Faktor kann sich auf das Alltagsleben übertragen, sei es auf der Baustelle oder an der Börse.

Bleibt alles anders?

Die andere Frage jedoch ist: wie lange bleibt der Aufschwung erhalten? Heute – der Herbst ist voll im Gange – sieht das Bild so aus: die Große Koalition befindet sich in der größten Krise seit den Sondierungsgesprächen im Spätherbst 2005 und streitet sich seit Wochen um die Gesundheitsreform. Edmund Stoiber (CSU), Ministerpräsident von Bayern, stichelt gegen die SPD und NRW-Chef Jürgen Rüttgers wirft der eigenen Partei Lebenslügen vor. Von Zusammenhalt keine Spur. Zudem scheint Kanzlerin Angela Merkel nicht Herrin der Lage zu werden. Währenddessen sahnt die NPD mit 7,3% bei den Landtagswahlen in Mecklemburg-Vorpommern ab und fällt im dortigen Landtag nur durch unsittliche Eskapaden auf. Von politischer Signalwirkung der WM kann also nicht die Rede sein. Auch die Wirtschaft hat sich nach dem Ende der WM nicht gerade mit Ruhm bekleckert: der Allianz-Konzern baut massig Stellen ab, Handy-Riese BenQ geht Pleite, die Angestellten der Deutschen Bahn befürchten aufgrund des Börsenganges des Unternehmens Gehaltseinbußen, auch beim Luftfahrt-Konzern Airbus hängt der Haussegen schief. Bleibt alles gleich wie vor der WM? Eines steht jedoch fest: Deutschland durch die Fußballweltmeisterschaft deutlich an Wertschätzung in der Welt gewonnen. Dies wird auch dadurch deutlich, dass sich die Organisatoren der EM 2008 in Österreich und der Schweiz das deutsche Organisationsgeschick zum Vorbild nehmen wollen. Zudem liegen DFB-Generalsekretär Horst R .Schmidt Anfragen aus Südafrika vor, die dortige, 2010 stattfindende WM mitzuorganisieren. Und laut englischen Medienberichten soll sogar für die Olympischen Spiele 2012 auf deutsche Hilfe gebaut werden. Doch schaut man heute auf die Straßen, so sieht man fast kein Auto mehr mit Deutschlandfähnchen. Nur die Hartgesottenen brillieren noch mit Winkelement an der Scheibe. Wenigstens einige Innenstädte deutscher Metropolen haben ihre Gassen noch mit den Flaggen der Teilnehmer-Teams geschmückt, z. B. Leipzig. Sonst aber muss man schon einen Blick in eines der vielen WM-Rückblick-Bücher werfen, um noch einmal das wunderschöne WM-Gefühl zu bekommen. „Bonjour, Tristesse“ heißt das deutsche Motto wenige Monate nach der Fußball-WM. Lediglich unsere WM-Helden – trainiert vom ehemaligen Klinsmann-Assistenten Joachim Löw – lassen sich nicht vom grauen Alltag beeinflussen und bieten den vielen Millionen Fußball-Fans weiterhin offensiven, bunten und optimistischen Fußball.

 

Von David Rätsch