Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

08.12.2015
Ein Sommermärchen

Washington Wizards v/s Dallas Mavericks October 9, 2009 at Verizon Center in Washington, D.C.Von Jan Kronauer

Es war ein besonderer Augenblick. Die gesamte Mercedes-Benz Arena in Berlin erhob sich und applaudierte. Dirk Nowitzki verbeugte sich und wischte sich noch die Augen trocken, ein höchst emotionaler Moment. Mit diesen Bildern verabschiedet sich Deutschlands bester Basketballer wahrscheinlich für immer aus der deutschen Nationalmannschaft. Nach einer EM, die unglücklicher hätte kaum enden können.

Es war eine besondere EuroBasket, ausgetragen in vier verschiedenen Ländern. Mit dabei: Deutschland. Nach der Qualifikation für das Turnier, war die Euphorie groß. Und das nicht zuletzt wegen Dirk Nowitzki. Nach knapp 25 Jahren gab es endlich wieder ein großes Turnier im eigenen Land. Grund genug für Nowitzki sich das deutsche Trikot nochmal überzuwerfen. Diese Entscheidung brachte Basketball-Deutschland erst recht in Ekstase. Von einem erneuten Sommermärchen war die Rede, denn nach 2006 (Fußball) und 2007 (Handball) wollte man auch im Basketball wieder im eigenen Land feiern. Der Begriff der „Heim-EM“ ist jedoch nur bedingt richtig. Im Falle des Erreichens der KO-Runde wäre der Titel in Lille (Frankreich) entschieden worden.

Doch bereits im Vorfeld gab es ernüchternde Meldungen: Spieler wie Daniel Theis, Elias Harris oder Maximilian Kleber fielen verletzungsbedingt aus und auch in der Vorbereitung verletzte sich Maik Zirbis. Die Folge: Deutschland hatte Probleme unter dem Korb. Zwar spielte der zukünftige NBA Center Tibor Pleiß, dennoch fehlte den Deutschen die Tiefe im Kader, die man braucht, um auf ganzer Linie erfolgreich zu sein. Ein weiteres Problem kam dann am Ende noch hinzu. Dem noch ganz jungen Team von Trainer Chris Fleming mangelte es letztendlich an Erfahrung. Spieler wie Dirk Nowitzki oder Heiko Schaffartzik schafften es nicht komplett, den jungen Haufen richtig zu lenken. Insbesondere gegen Ende der wichtigen Spiele fehlte es an Bestimmtheit und der richtigen Portion Glück. Ärgerliche Ballverluste, schwere Würfe und fehlendes Glück machten gegen Spielende den Unterschied.

Neben Dirk Nowitzki stand noch ein weiterer NBA-Spieler auf dem Feld: Dennis Schröder, der Aufbauspieler aus Braunschweig. Ihm gelang in seinem zweiten Jahr bei den Atlanta Hawks der Durchbruch. Die Folge waren sehr hohe Ansprüche an den 21-Jährigen. Kaum einer wurde im Verlauf der EuroBasket so sehr kritisiert wie er. Das war teilweise doch recht absurd, denn wer kann von einem so jungen Spieler schon verlangen, ein ganzes Team anzuführen. Es fehlte ihm in vielen Situationen noch deutlich an Erfahrung. Kein Wunder, denn das war sein erstes großes Turnier mit der Nationalmannschaft. Gerade gegen Ende der Spiele versuchte Dennis Schröder viel zu erzwingen und fiel anschließend mit Ballverlusten und schlechten Zügen zum Korb auf. Doch wer will es ihm verübeln? War es nicht das, was man von ihm sehen wollte? Dass er nun Verantwortung übernimmt? Immerhin war er mit Sicherheit ein Grund, dass Deutschland in allen Spielen immer knapp dran war. Mit seinen Punkten hielt er das Spiel immer so knapp wie möglich.

Insgesamt kann man sagen, dass die EM sportlich gesehen nicht die stärkste der gestandenen Spieler war. Kapitän Nowitzki kam zwar auf knapp 14 Punkte und 8 Rebounds pro Spiel, doch Co-Kapitän Schaffartzik und der eingebürgerte Anton Gavel hatten Probleme, ihren Wurf zu finden.
Unter dem Strich stand dann nur ein Sieg gegen den Außenseiter aus Island (71:65) und vier Niederlagen gegen die Teams aus Serbien, Türkei, Italien und Spanien auf dem Konto. So blieb es am Ende nur bei Platz fünf in der Horrorgruppe B und das Ausscheiden in der Gruppenphase. Doch gerade die Spiele der deutschen Mannschaft zeigten die Dramatik des Sports. Dass wenige Sekunden, ein Wurf, ein vergebener Freiwurf das Spiel entscheiden kann, dafür liebt man diesen Sport. Wenn vier knappe Spiele schließlich alle verloren werden, dann kann man nicht nur von Pech reden. Sicherlich war Pech ein Faktor, doch die Unerfahrenheit und Unsicherheit der jungen Mannschaft und die fehlende Entschlossenheit waren wesentlich größere Faktoren.

Trotz guter Leistungen wurde das angestrebte Ziel „Olympiaqualifikation“ nicht erreicht. So ist das große Turnier nur noch mit der Austragung eines eigenen Qualifikationsturniers zu erreichen. Dieses ist jedoch nicht billig und es wird schwer werden, einen Sponsor zu finden, der die Gebühr bezahlt.
Obwohl die deutsche Nationalmannschaft viel zu früh ausschied, war diese Dramatik die beste Werbung für den Sport, der auch von den großen öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen wurde. Das gesamte Turnier hat Lust auf mehr gemacht, denn die deutsche Nationalmannschaft wird in Zukunft oben mitspielen. Wenn die jungen Spieler weiter Erfahrungen sammeln können und die Anzahl der Verletzten beim nächsten Turnier zurückgehen, ist hoffentlich auch in näherer Zukunft eine Finalteilnahme oder gar ein Titel möglich.
Der Nachwuchs ist da und generell kann man sagen, dass Basketball in Deutschland wieder populärer wird. Das konnte man auch an der starken Kulisse in Berlin erkennen, die das Team immer unterstützte, unabhängig vom Spielstand. So hat Basketball-Deutschland hoffentlich eine rosige Zukunft vor sich. Auch ohne Dirk Nowitzki, der vermutlich nur im Falle einer Olympiaqualifikation erneut dabei wäre, können wir weiterhin gespannt sein. Abschließend muss man sich aber noch bei einem bedanken:Vielen Dank, Dirk!

 

Bild: Keith Allison ; wikipedia.de