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09.01.2019
Interrail machts möglich

Von Sherina Wenzl

Norwegen, Frankreich, Griechenland und ein paar Länder dazwischen – das schafft man doch wohl locker in drei Wochen?
So zumindest stellten wir – zwei Freundinnen und ich – uns das vor: eine Interrailtour durch ganz Europa nach dem Abi, hoch oben im Norden anfangend bis ganz hinunter in den Süden. Wir wollten den Schulstress und den Alltag hinter uns lassen und Europa auf eigene Faust erkunden.

Als wir uns zum ersten Mal trafen, um einen groben Reiseplan zu erstellen, beinhaltete unsere Route sowohl Länder im Süden (u.a. Spanien, Griechenland) als auch Länder im Norden (u.a. England, Norwegen). Wie unrealistisch unsere ersten Pläne waren, merkten wir erst zwei Wochen nach dem Abi und vier Tage vor dem Beginn der Reise. Aus dem Grund entschieden wir uns dann doch, nur den Süden zu bereisen. Wir hatten zwei Möglichkeiten für die 22 Tage mit Interrail: Entweder alles komplett durchzuorganisieren und schon Unterkünfte zu reservieren oder von Tag zu Tag zu planen und spontan zu reisen. Letztendlich blieb uns nur die spontane Variante übrig, weil wir schon so knapp dran waren, dass wir nicht mal mehr eine Reservierung für einen regulären Zug nach Avignon, unserer ersten Etappe, bekamen. Wir mussten folglich auf Bummelzüge ausweichen und brauchten so von Saarbrücken nach Avignon 20 Stunden. Die häufige Umsteigerei mit den schweren Rucksäcken machte die Sache nicht besser.

Am nächsten Tag waren wir schlauer und gingen frühzeitig zum Bahnhof, um wenigstens die nächsten zwei Fahrten zu reservieren. Es sollte anschließend nach Barcelona und dann nach Madrid gehen. Geschlafen haben wir hauptsächlich in Hostels und Airbnb- Wohnungen. Auf der App konnte man ganz leicht Preise etc. filtern und schnell etwas Passendes finden. Um neue Leute kennenzulernen gestaltete sich Barcelona als der perfekte Ort. In einem Hostel eines Vorortes von Barcelona schlossen wir erste internationale Bekanntschaften. Man schlief zu zehnt in einem Zimmer und unterhielt sich daher schon automatisch mit den anderen Reisenden. Die meisten hatten gerade ihr Studium beendet und wollten vor einer Jobsuche noch eine Auszeit nehmen.

Obwohl wir nur 22 Tage unterwegs waren, nahmen wir alle drei unglaublich viel von der Reise mit, zum Beispiel, dass man auch ohne Plan wunderschöne Orte entdecken kann. Nach Barcelona ging es dann über Madrid weiter nach Lissabon. Die alten elektrischen Straßenbahnen verleihen der Stadt ein ganz besonderes Flair. Einige kennen sie, weil sie typisch für San Francisco sind, ursprünglich kommen sie aber aus Lissabon.

Zwei Tage später setzten wir die Reise nach Faro in der Algarve fort. Dort beeindruckten uns vor allem die kilometerweiten Strände, die von kleinen Buchten unterbrochen wurden. Man kam sich zwischendurch wie in einer anderen Welt vor, da man so sehr von der nächsten Stadt abgeschirmt war. Geschlafen haben wir in einer Wohnung mitten auf dem Land. Man kann sich vorstellen, dass Zugverbindungen dort schlecht oder eher gar nicht vorhanden waren. Zum Glück holte uns unser Vermieter, für den wir nicht die ersten Backpackergäste waren, am Bahnhof ab. Wir machten die Erfahrung, dass fast alle Vermieter sehr hilfsbereit waren und gerne Menschen aus der ganzen Welt kennenlernten. Das Kontrastprogramm zu den Städten lohnte sich auf jeden Fall.

Weiter ging es dann nach Sevilla, wohin sich die Reise allerdings schwieriger gestaltete als anfangs gedacht, weil es kaum Zugverbindungen von Faro aus gibt. Wir entdeckten schließlich eine günstige Busverbindung und machten uns auf den Weg zum Busbahnhof. Als wir schon eine Stunde gewartet hatten und ein anderer Busfahrer uns dann noch erzählte, dass der nächste Bus erst am nächsten Morgen um sieben Uhr kommen würde, befürchteten wir schon, wir müssten am Bahnhof schlafen. Glücklicherweise kam der gebuchte Bus aber dann doch noch eine Stunde später und es konnte weiter gehen. Die engen, gemütlichen Gassen in Sevilla luden mit den zahlreichen Cafés direkt zum Verweilen ein. Trotz der 40 Grad-Hitze konnte man entspannt und ausgiebig spazieren gehen und Flamencotänzern auf der Plaza España zuschauen. An den Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel der Kathedrale Santa Maria de la Sede und der Stierkampfarena Maestranza kommt man automatisch vorbei, wenn man durch die Stadt bummelt.

Unsere letzten drei Ziele lagen in Italien und von dort aus ging es dann schon in Richtung Heimat. Rom war die erste Stadt, die uns extrem überfüllt durch Touristen vorkam. Zwar sahen wir sehr viele Sehenswürdigkeiten wie das Kolosseum, jedoch waren wir oft schon zu müde und erschöpft, um uns bei der Hitze noch lange anzustellen. Dennoch ist Rom äußerst sehenswert. Vor allem abends hatte die Stadt mit ihren vielen Straßenmusikern und Lichtern einen märchenhaften Charakter. Auf der Plaza Navona setzten sich hunderte Leute auf den Boden, um den Straßenmusikern, die sich selbst untereinander nicht kannten und spontan zusammen Musik machten, zuzuhören oder selbst mitzusingen. Wir hätten noch die ganze Nacht sitzen bleiben können, aber wir mussten am nächsten Tag weiter über Bologna und Mailand nach Zürich, weil unsere Reisetage sich dem Ende zuneigten.

In Zürich sprachen wir die Menschen zuerst auf englisch an, weil wir uns das in den Wochen zuvor so angewöhnt hatten, merkten aber schnell, dass wir ja jetzt wieder Deutsch sprechen konnten. Den letzten Abend verbrachten wir zusammen am See und waren uns einig, dass solch eine Reise durch Europa perfekt ist, um nach der Schule abzuschalten, neue Menschen zu treffen und großartige Orte zu sehen.