Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

24.08.2019
Chilly traf die Schauspieler von ABIKALYPSE

Von Chilly-Redakteurin Sandra Cavallaro

Chilly: Eure eigene Schulzeit ist ja auch erst ein paar Jahre her? Habt ihr sie in ABIKALYPSE wiedererkannt?

Lea: Ja klar. Ich hatte auch eine Clique, die war zwar anders, aber es gab ein ähnliches Truppengefühl. Und meine Abi-Party war jetzt nicht so ausufernd und riesig, aber auch besonders schön.

Lucas: Bei mir war es auch so, ich hatte immer meine kleine Truppe an besten Freunden um mich. Wir hatten genauso Probleme, durch die man gemeinsam durchgegangen ist und Zukunftsängste, weil man noch nicht genau wusste was man eigentlich will. Bei der großen Frage, welche Entscheidungen man jetzt eigentlich treffen soll, habe ich mich schon ein bisschen wiedererkannt.

Chilly: Habt ihr zu der Sorte Schüler gehört, die die Oberstufenzeit möglichst genießen und möglichst viel feiern wollte, oder zu denen, die sich Stress gemacht haben, weil sie einen guten Abi-Schnitt wollen?

Lea: Dadurch, dass ich schon viel gedreht habe und oft nicht in der Schule war, war ich weder das eine noch das andere. Ich war in den Fächern gut, die mir lagen und bei den anderen habe ich mich dann irgendwann nicht mehr so gestresst, weil ich schon wusste was ich machen möchte. Partys habe ich nur selten mitgenommen, weil ich eher bei Filmpartys war.

Lucas: Ich wusste auch ganz genau was ich machen will. Deshalb habe ich auch einmal die Schule gewechselt, weil ein Lehrer mir ein bisschen Stress gemacht hat. Dann hat auch alles funktioniert. Viel Party gemacht habe ich gar nicht. Am Wochenende ist man natürlich mal feiern gegangen, aber ich bin nie betrunken in die Schule gekommen oder war extrem unkonzentriert, weil ich die Nacht durchgemacht hatte. Sowas habe ich tatsächlich nie gemacht, ich war einer der total Vernünftigen.

Chilly: Ihr habt ja beide mit 10 bzw. 11 Jahren mit dem Schauspielern angefangen, Lea, du bei den Karl May Spielen in Bad Segeberg und Lucas, du im Berliner Theater des Westens und bist danach dem jungen Ensemble des Friedrichtstadtpalasts beigetreten. Wie kamt ihr in dem sehr jungen Alter auf die Idee?

Lea: Mich hat Film und Theater schon immer interessiert, besonders beim Spielen jemand anderes sein zu können. Die Karl May Spiele fanden direkt in meiner Nachbarstadt statt. Dort gab es Ziegen und Pferde und als ich in der Zeitung von dem Casting gelesen habe, wollte ich da unbedingt hin.

Lucas: Süß, mit den Ziegen und Pferden. Das scheint dir echt Spaß gemacht zu haben. Ich habe auch in der Zeitung von einem Casting gelesen, für „Les Misérables“ und wollte aus Spaß hingehen. Damals wusste ich gar nicht, dass es ein Musical war in so einem großen Theater. Aber als ich dort auf der Bühne stand, wusste ich schon: Das wird mein Beruf, da will ich weiter dran bleiben.

Chilly: Bei der Ausbildung im Friedrichstadtpalast hattest du auch Gesangsunterricht und Tanzunterricht und du hast Klavier und Gitarre spielen gelernt, hast du mal überlegt Musiker zu werden?

Lucas: Das kann Lea gut beantworten, sie kennt mich mittlerweile sehr gut.

Lea: Lucas ist tatsächlich ein wahnsinniges Gesangstalent, kann auch gut tanzen und hat eine wahnsinnige Präsenz, wenn er seine Stimme nur anmacht, sozusagen. Ich pole immer darauf, dass er noch Sänger wird. Unser ganzer Freundeskreis versucht ihn immer zu pushen, dass er Musik macht, weil er wirkich immer singt. Das muss irgendwann kommen. So ein Lalaland – Musicalfilm wäre super für ihn. Ich würde mir auch sofort seine Single kaufen.

Lucas: Darauf hätte ich auf jeden Fall Lust und sage auch auf keinen Fall nein. Aber ich will warten, bis ich etwas zu 100% spüre, was ich in die Welt hinaussingen will und dann würde ich das auch starten. Im Moment konzentriere ich mich sehr auf Film und habe Spaß an Musik als Hobby.

Chilly: Ihr habt auch noch weitere interessante Hobbys, könnt z.B. beide reiten. Habt ihr das privat gelernt oder für einen Film?

Lea: Bei mir war es privat, weil ich auf dem Land aufgewachsen bin und da einfach immer  Pferde waren.

Lucas: Ich habe Unterricht genommen, weil ich wusste, ich werde bald mit Pferden drehen. Und für ein weiteres Projekt habe ich nochmal Reitunterricht bekommen, bis ich es richtig konnte.  Ich liebe das an unserem Beruf, dass wir so vieles nur für einen Film lernen dürfen.

Chilly: Ich habe auch gelesen, dass du extreme Sportarten wie Bungee Jumping ausübst. Woher kam die Motivation dazu?

Chilly-Redakteurin Sandra Cavallaro im Gespräch mit Lucas Reiber

Lucas: Das habe ich für mich privat gemacht, aber es war eine Erfahrung fürs Leben, die man auch in Filme mitnehmen kann. Völlig crazy, was da an Adrenalin ausgeschüttet wird. Ich hatte mir  vorgenommen mich ab und zu meinen Ängsten zu stellen, weshalb ich das ausprobieren wollte und habe es dann mehrere Male gemacht.

Chilly: Lea, möchtest du das auch mal machen?

Lea: Ja, ich würde es vielleicht mal ausprobieren.

Lucas: Oder mit Fallschirm aus einem Flugzeug springen.

Lea: Ja, eventuell.

Lucas: Würdest du? Wann hast du Geburtstag?

Chilly: Nachdem ihr sowohl in mehreren Dramen als auch in Komödien gespielt habt, könntet ihr euch entscheiden was euch besser gefällt oder was euch leichter fällt?

Lea: Was mein Lieblingsgenre ist oder was mir leichter fällt kann ich gar nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich Lust auf interessante Rollen mit Tiefgang habe, wo ich viel zeigen kann. Ob so eine Rolle in einer Komödie oder in einem Drama Platz findet, ist mir egal.

Lucas: Mir gefällt auch beides. Meine letzten Projekte waren Komödien, weshalb ich auch wieder Lust auf eine interessante Rolle in einem Drama habe. Da ist die Arbeit auch eine ganz andere. Man hat bei Dramen natürlich auch viel Spaß am Set, aber es ist oft ruhiger und konzentrierter, während man bei einer Komödie mehr Spaß braucht, weshalb es am Set oft lauter und unkonzentrierter ist.

Chilly: Nehmen euch dramatische Rollen persönlich besonders mit, fällt es euch manchmal schwer, sie nach dem Dreh wieder loszulassen?

Lea: Ich komme zum Glück immer ganz gut wieder aus der Rolle raus, aber natürlich nimmt man das irgendwie mit, gerade in so intensiven Zeiten, wie als ich Anne Frank gespielt habe. Sie war mir länger noch total präsent, aber das finde ich auch das schöne und intensive an dem Beruf.

Lucas: Man wirft ja auch immer sein Herz und seine Emotionen rein. Ich denke, Lea hatte bei „Das Tagebuch der Anne Frank“ die intensivste Arbeit überhaupt und ich hatte bei „Die Mutter des Mörders“ eine Rolle, die mich auch nach dem Dreh noch sehr mitgenommen hat.

Chilly: Für diese beiden Projekte habt ihr dann ja auch besondere Aufmerksamkeit und Preise bekommen.  Mittlerweile habt ihr ja einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, was man vor allem auf euren sozialen Netzwerken merkt. Habt ihr da ganz plötzlich durch ein bestimmtes Projekt wie „Fack ju Göhte“ alle Follower bekommen?

Lucas: Das hat auf jeden Fall nach „Fack ju Göhte“ erst richtig begonnen. Mir wurde danach gesagt, starte es einfach mit Social Media, du hast es sowieso bald. Als ich dann Facebook und Instagram hatte, gab es schnell diesen Boom, was mich erstmal überrumpelt hat und ich wusste nicht wie ich damit umgehen soll. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich dort eine riesige Verantwortung habe, die ich in den letzten Jahren Stück für Stück, immer mehr, sehr gerne übernommen habe. Ich greife Themen auf, die mir persönlich sehr am Herzen liegen, wie den Schutz der Umwelt, jetzt wo es aktuell viel um die Klimakrise geht, oder versuche die Leute dazu ermutigen wählen zu gehen, wenn Wahlen anstehen. Wir können uns glücklich schätzen in einer Demokratie zu leben und sollten dazu auch unsere Stimme nutzen. Dafür nutze ich die Sozialen Netzwerke sehr gerne weiterhin und versuche es nicht so flach zu gestalten, so als würde ich etwas verkaufen, sondern ich möchte Junge Leute in meinem Alter erreichen.

Chilly: Ich möchte auch nochmal betonen, zu wie vielen Aktionen du in den letzten Wochen aufgerufen hast, zur „World meat free week“, zum Müll aufräumen („Clean your local paradise“), zum selbst etwas pflanzen („Bloom your hood“) und beim Goldener Geier – Preis mitzumachen, der die unnötigste Plastikverpackung sucht. Hast du dazu viele Rückmeldungen bekommen?

Lucas: Zum Goldenen Geier habe ich so viele Rückmeldungen bekommen wie noch nie, nur wenn ich Freikarten verlose sind es vielleicht mehr. Alles positiv und selbst wenn mal eine Kritik dabei war, habe ich mich auch damit auseinander gesetzt. Ich schaffe es zwar nicht immer allen zu antworten, aber lese auch immer wieder die Kommentare und setze mich mit Leuten auseinander, wenn sie eine andere Meinung haben, weil das ja sehr gut ist. Ich finde es gut über verschiedene Meinungen Diskurse führen zu können und gemeinsame Streitpunkte und Nenner zu finden.

Chilly: Du bist auf jeden Fall ein super Beispiel dafür, wie man Soziale Netzwerke sinnvoll nutzen kann. ABIKALYPSE zeigt ja auch das extreme Gegenteil, wie es aber auch leider oft ist, dass Jugendliche Social Media nur für „Fame“, zur Selbstdarstellung nutzen.

Lucas: Genau. In dem Film ist vieles bewusst überspitzt, damit man die Figuren hinterfragt und vielleicht auch sich selbst. Auch wenn ABIKALYPSE eine Party-Komödie für gute Laune ist, es ist auch eine gute Schippe Herz und Verstand in diesem Film, der auch anregen soll uns selbst zu fragen, ob wir Social Media richtig nutzen und vor allem richtig sehen. Es geht gar nicht nur um’s Nutzen, sondern auch darum wie wir es empfinden. Ich glaube, wir identifizieren uns viel zu oft mit positiver und negativer Kritik. Wir sollten zwar für alles offen sein, aber nicht allem so große Bedeutung zumessen, sich nicht zu sehr mit Hypes oder Fame und Fail identifizieren. Das ist mit unsere Hauptmessage von ABIKALPSE:

Chilly: Damit hast du den Film nochmal gut zusammengefasst. Vielen Dank für das Interview!