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01.10.2019
Die Vorgeschichte zur Serie als Kinofilm

Chilly-Redakteurin Sandra Cavallaro (rechts) mit den Schauspielern des Kinofilms

Von Sandra Cavallaro

Von 2015 bis 2017 begeisterte die emotionale Krankenhaus-Serie „Club der roten Bänder“ die Fans auf Vox. Weil die Sendung so viele Menschen berührte, wurde die Vorgeschichte von Leo und seinen Freunden im Februar 2019 auf die Leinwand gebracht. Chilly traf die Hauptdarsteller Tim Oliver Schultz, Damian Hardung und Nick Julius Schuck, sowie den Regisseur Felix Binder zum Interview.

Chilly: Wie viel Inhalt aus der Serie und dem Film entspricht denn exakt der Geschichte von Albert Espinosa, die die Inspiration zu „Club der Roten Bänder“ war?

Damian: Es basiert alles auf seiner Lebensgeschichte und die meisten der einzelnen Rollen sind aus Kombinationen verschiedener Menschen entstanden, die er kennengelernt hat. Insofern sind alles wahre Stränge. Albert hat die Vorlage aus seinem Leben gegeben und die Autoren haben versucht daraus eine Geschichte zu basteln, die man dem Zuschauer gut rüberbringen kann und die dramaturgisch als Serie funktioniert. Beim Film kamen dann noch neue wahre Vorgeschichten hinzu. Ich habe ganz lange mit Albert Espinosa telefoniert und da hat er mir die Geschichte seines Bruders erzählt, Jonas Bruder stammt also wirklich auch von ihm und Jonas neuen Strang konnten wir nur dank Alberts Offenheit kreieren. Er ist der gute Geist und der Erschaffer vom Club der Roten Bänder.

Tim: Und er ist natürlich der Anführer.

Chilly: Habt ihr euch bereits zur Vorbereitung auf eure Rollen vor der Serie mit deren Vorgeschichten befasst oder erst jetzt vor dem Kinofilm davon erfahren?

Tim: Unterschiedlich. Die Geschichte von Benni habe ich tatsächlich das erste Mal von Albert gehört als wir über den Kinofilm geredet haben. Aber mit der Geschichte von Leos Mutter habe ich mich schon vor Beginn der Serie sehr beschäftigt. Wir wollten für den Kinofilm neue Figuren und neue Personen schaffen, die auch eine andere Physis haben und noch eine andere Einstellung zu Krankheiten, zu Tod und Leben haben. Vor allem Leonard erlebt ja so viele einschneidende Dinge, dass er in diesem Film eine Transformation durchlebt, die ihn zu dem Menschen macht, den man zu Beginn der Serie kennengelernt hat.

Chilly: Über Hugos Vergangenheit erfährt man ja nicht ganz so viel.

Nick:  Das liegt hauptsächlich daran, dass ich seit Staffel 1 fast 30cm gewachsen bin und zwischen 14 und 18 verändert man sich einfach so sehr, dass man mit 18 keinen 14 jährigen mehr spielen kann.

Felix hat mich letztens auch nochmal darauf aufmerksam gemacht, dass meine Erzählstimme für Hugo ein bisschen hoch gepitcht wurde, damit der Unterschied zur ersten Staffel nicht so riesig ist. Deswegen glaube ich, dass man mit mir Hugo nicht in jüngeren Jahren hätte erzählen können.

Chilly: Hattest du, dadurch, dass Hugo nur im Koma liegend oder in seiner „Zwischenwelt“, dem Schwimmbad, zu sehen war, viel weniger Drehtage als deine Kollegen?

Nick: Nur fünf bis sechs Tage. Abgesehen von Tim hatten wir Jungs alle nicht so viele.

Chilly: Konntet ihr dieselben Drehorte aus der Serie wiederverwenden?

Felix: Bis auf das Schwimmbad keinen einzigen. Die Serie wurde komplett in Studiokulissen gedreht, die extra dafür gebaut wurden, das heißt von dem Krankenhaus der Serie existiert nicht mehr als das, was man gesehen hat. Das Krankenhausmotiv hatte nur ca. sechs Zimmer. Es war fast immer das gleiche und alle haben es geglaubt. (alle lachen) Das Haus wurde verkauft und schon ein paar Minuten, nachdem wir die Serie abgedreht hatten wurden Krankenhauswände hinausgetragen. Deswegen war davon nichts mehr zu verwenden und wir haben den Kinofilm in echten Krankenhäusern gedreht.

Chilly: Was waren, für dich als Regisseur, beim Dreh des Kinofilms im Vergleich zum Seriendreh weitere Herausforderungen und Unterschiede?

Felix: Der größte Unterschied war, dass die einzelnen Schauspieler einzelne Stränge hatten und wir gar nicht wie bei der Serie alle zusammen waren. Dadurch konnten wir uns besser auf die einzelnen Darsteller und ihre Figuren separat konzentrieren. Für die letzten Szenen kamen dann aber wieder alle zusammen und wir hatten unser alt geliebtes Chaos.

Chilly: Hattet ihr bei den vielen gemeinsamen Drehtagen für die Serie Konzentrationsprobleme?

Tim: Wir haben schon gemerkt, dass man sich beim Filmdreh besser auf seinen eigenen Strang konzentrieren konnte und nicht die ganze Zeit rumalbern musste. Ich hatte aber auch Jürgen Vogel an der Backe, der viel rumgealbert hat. Natürlich hat man alleine mehr Raum, sich auf sich selbst zu besinnen, aber mit meinen Kollegen hatte ich dafür viel mehr Spaß.

Damian: Dazu muss ich noch sagen, dass man dieses ganze Rumalbern nicht so negativ sehen darf.  Es war ein professionelles Rumalbern, was zum Club-Gefühl beigetragen hat.

Chilly: Abschließend noch eine Filmtrick-Frage: Wie habt ihr es hinbekommen, dass es aussah als hätten Jonas und Leo nur ein Bein?

Tim: Am meisten saßen wir tatsächlich nur auf unserem Bein drauf.

Damian: Bei einer Szene im Schwimmbad, in der ich stehen musste, wurde der Shot mit SGI nachbearbeitet. Da hatte ich einen grünen Strumpf an und wie bei Greenscreens wurde ein Bild darübergelegt.