Letzte "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

12.06.2015
Hilfe vor Ort

Eine oft vergessene Alternative zu dem Berufspraktikum ist das Sozialpraktikum. Eine Variante, die in meiner Schule unter vielen Schülern Kopfschütteln ausgelöst hat. Bei dieser Art handelt es sich um ein Praktikum, bei dem der soziale Aspekt und die Hilfe vor Ort die wichtigsten Aspekte sind. Gerade an unserer christlichen Schule war dies eine Erfahrung unter dem Gesichtspunkt der Nächstenliebe. Ein direkter Akt der Solidarität. Ob Kopfschütteln wirklich die richtige Reaktion ist oder ob die soziale Form auch ihre Vorteile hat – gilt es aus meiner persönlichen Einschätzung heraus – etwas genauer zu durchleuchten.

Prinzipiell geht es bei einem Berufspraktikum darum in eine Einrichtung, bzw. in einen Arbeitsbereich rein zu schauen, um für sich herauszufinden, ob der Beruf etwas für seine eigene Berufslaufbahn geeignet wäre. Da aber immer weniger Jugendliche die Absicht haben in einem sozialen Bereich zu arbeiten, erscheint es vielen als Zeitverschwendung, die sich im späteren Leben als nutzlos herausstellt.

Auch wenn der Hintergrund des Sozialpraktikums ein ganz anderer ist als bei einem Berufspraktikum, sehen sich eventuell viele Jugendliche in eine berufliche Richtung gedrängt mit der sie nichts zu tun haben wollen. So lässt sich in groben Zügen die Reaktion vieler Mitschüler erklären. Doch der Beruf ist bei einem Sozialpraktikum eher zweitrangig. Es geht viel mehr um den direkten Kontakt mit den Leuten und die Erfahrungen mit dem sozialen Bereich.

In meinem persönlichen Fall kann ich nur aus dem Altenheim berichten, doch standen auch viele andere soziale Bereiche zur Wahl. Von der (Saarbrücker) Tafel über Krankenhaus und Kindergarten zu Altenheimen gab es eine große Auswahl.

Meine persönliche Meinung, speziell nach dem Sozialpraktikum, ist sehr positiv. Ohne im Nachhinein zu denken, wie toll der Beruf als Altenpfleger doch ist, bin ich sehr froh mit den gewonnen Erfahrungen. Wann hat man heute schon mal die Möglichkeit zu erfahren, wie man sich wirklich um einen Hilfsbedürftigen kümmert? In den meisten Familien passiert es nun mal, dass der Pflegefall im Altersheim landet, weil man nicht die Zeit hat sich um ihn zu kümmern. Es ist heutzutage nicht mehr möglich über eine lange Zeit ohne Hilfe sich um Angehörige zu kümmern. So hat man es heutzutage schwer die direkte Pflege zuhause mitzuerleben.

In der Zeit meines Praktikums habe ich eine Menge Hochachtung vor dem Beruf des Pflegers gewonnen. Es ist eine sehr intensive Arbeit mit vielen unangenehmen Aufgaben, die mir größtenteils im Praktikum erspart blieben. Im Verhältnis zu der Arbeit, die täglich geleistet werden muss, ist der Beruf sehr schlecht bezahlt. Das wird sich in Zukunft in ein Problem wandeln, da, wie bereits erwähnt, immer weniger junge Menschen bereit sind in diesem Bereich zu arbeiten. Daher kann man fast schon behaupten, dass in Pflegeberufen die Zukunft liegt. Eine These, die nur die Zeit beweisen kann.

Ich habe für mich sehr viel aus den zwei Wochen Sozialpraktikum mitgenommen. Neben meinen Einschätzungen, dem Beruf gegenüber, habe ich auch viele Dinge gelernt, von denen man nie weiß, wann man sie denn mal gebrauchen kann. Meine Aufgaben lagen im Bereich der Betreuung. Ich spielte mit den Bewohnern des Altenheims Brettspiele wie z.B. Mensch ärgere dich nicht oder auch Schach. Kochen war auch ein Teil des wöchentlichen Ablaufes und so verfeinerte ich auch meine Künste im Schälen von Kartoffeln. Des Weiteren habe ich viel im Umgang mit dem Mensch an sich gelernt. Gerade in Gesprächen und bei der Wortwahl hat es mir weitergeholfen.

Als ganz groben Rückblick kann ich die Erfahrung einer sozialen Arbeit empfehlen, auch wenn sie über einen längeren Zeitraum sehr anstrengend sein kann. Ich habe keine großen Probleme gehabt mich zu integrieren, auch wenn das immer von der Einrichtung abhängt. Auch negative Erfahrungen oder Langeweile bei der Arbeit mit den Menschen blieb aus. Es war sehr schön eine kontinuierliche Steigerung meiner Fähigkeiten im Umgang mit den Leuten zu sehen. Gerade direkte soziale Arbeit und Hilfe zu leisten, wo sie nötig ist. Das ist ein sehr gutes Gefühl. Gerade wenn man für seine Hilfe mit einem Lächeln belohnt wird, war es das wert.

Auch was ich nach dem Praktikum an Rückmeldungen bekam, war größtenteils sehr positiv. Viele waren überrascht, dass es wohl doch nicht so schlimm war wie erwartet. Zwar kann ich zu anderen sozialen Bereichen keine genauen Informationen geben, doch die Arbeit und Unterstützung in einem Altenheim kann ich nur weiterempfehlen. Es ist zur Zeit eine Sache, die einfach unterschätzt wird. Soziale Hilfe ist wichtig, denn auf Solidarität den Schwächeren gegenüber baut unser System auf. Die Menschen in den Altenheimen sind teilweise nicht mehr fähig ihr Leben selbst zu strukturieren und daher auf Hilfe angewiesen. Sollte diese Unterstützung aber eines Tages nicht mehr da sein, so sieht es schlecht für die Hilfebedürftigen aus.

Die genaue Beurteilung eines Sozialpraktikums liegt immer im Auge des Betrachters und fällt auch je nach Mitarbeitern verschieden aus. Doch sollte man auch vielleicht eines im Hinterkopf bewahren: Wenn man in eine eventuell sehr stark belastete Institution kommt und die erbrachte Hilfe einem selbst nichts zu bringen scheint, so hat man, wenn man halbwegs ordentlich mitgearbeitet hat, wenigsten anderen geholfen. Auch wenn man es nicht direkt merkt und im Kopf alles als Zeitverschwendung abgetan hat, wird es doch die ein oder andere Person geben, die froh war mehr Zuwendung erhalten zu haben oder von so mancher Arbeit entbunden worden zu sein. So war in der Regel kein Praktikum umsonst. In welchen Bereich man selbst gehen will, muss man für sich herausfinden, aber in der Regel ist im sozialen Bereich keine Hilfe umsonst.

von Jan Kronauer