Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

23.02.2016
Claudia Nicoleitzik im Interview

DSC_0507von Johannes Kolb

Die 25-jährige Leichtathletin Claudia Nicoleitzik kann zu den erfolgreichsten Behindertensportlerinnen des Saarlandes gezählt werden. Sie konnte bei den Paralympics 2008 und 2012 jeweils Silber- und eine Bronzemedaillen beim 100 und 200 Meterlauf gewinnen. Im Oktober 2015 hat sie bei der Leichtathletik-WM der Behindertensportler in Katar ihre zweite Bronze-Medaille in diesem Wettbewerb gewonnen. Obwohl Claudia Nicoleitzik unter Ataxie (verschiedene Störungen der Bewegungskoordination) leidet, möchte die Athletin bei den Paralympics 2016 in Rio den Janeiro starten und auch dort auf dem Siegertreppchen stehen.

Chilly: Vor einem Jahr hast du deine erste Goldmedaille gewonnen. Was war das für ein Gefühl?

Claudia Nicoleitzik: Das war ein unglaubliches Erlebnis für mich. Meine erste Goldmedaille war das, was ich mir schon immer erhofft habe. Es wäre mein Traum, wenn ich das in Rio auch schaffen würde, aber das wird schon sehr schwer. Es gibt drei, vier Sportlerinnen, die etwa auf dem gleichen Level sind wie ich.

Du bist ein richtiger Wettkampftyp, sagt deine Trainerin Evi Raubuch. Wie schaffst du es, immer auf den Punkt fit zu sein?

Bei den letzten Wettkämpfen war ich zum Glück wirklich fast immer auf den Punkt fit. Ich glaube, das liegt daran, dass ich wirklich unbedingt eine Medaille haben will.

Hast du vor wichtigen Rennen Rituale?

Vor Peking hat mir mal jemand eine Stoffente geschenkt, die nenne ich Peking-Ente und sie ist immer dabei. Peking-Ente hat schon die halbe Welt gesehen, Neuseeland, London, Lyon, Wales und bald geht’s nach Doha.

Noch ein Jahr bis Rio: Wie sieht das Vorbereitungsjahr aus?

Im Oktober habe ich die WM in Doha/Katar, da arbeiten wir im Moment daraufhin. Nächste Woche ist dafür auch ein Trainingslager in Berlin. Wir machen ganz viel Koordination, Sprungkraft, Ausdauer und natürlich Sprinttraining. Die Norm für Rio wird die gleiche wie für die WM jetzt sein. Die muss ich dann nächstes Jahr noch packen.

Du arbeitest und bist Profisportlerin, wie kriegst du das unter einen Hut?

Zurzeit arbeite ich vier Stunden am Tag in einer Praxis für Physiotherapie und Naturheilkunde, von halb neun bis halb eins. Dazu werde ich monatlich mit 400 Euro vom Deutschen Behindertensportverband unterstützt, damit ich mich auf die Paralympics vorbereiten kann. Um halb zwei bin ich dann immer zu Hause und sechsmal in der Woche gehe ich nachmittags zum Training.

Du bist die erfolgreichste saarländische Sportlerin, wirst du oft erkannt?

Hier in Püttlingen, wenn ich auf den Bus warte, kommt das schon manchmal vor, dass mich der ein oder andere erkennt. Aber das ist eher selten.

Sollte man die paralympischen und die olympischen Spiele zusammenlegen?

So genau kann ich das nicht sagen. Aber momentan kommen wir eigentlich gut damit voran, dass der Behindertensport bekannter wird. Wenn man das jetzt zusammen machen würde, würde der Behindertensport eher nochmal in den Hintergrund geraten.

Wie kommt es, dass der Behindertensport in den letzten Jahren bekannter geworden ist?

Nach meinem Gefühl hat das alles bei den Paralympics in London angefangen, da waren so viele Leute und alle haben sich dafür interessiert. Meine ersten Paralympics in Peking waren auch schon was ganz Besonderes, aber in London war das noch mehr. Da waren die Stadien immer voll und bei jedem britischen Sportler, der gewonnen hat, sind alle aufgestanden und haben richtig laut gejubelt. Das war eine tolle Atmosphäre.

Auf was freust du dich in Rio am meisten?

Auf die Stadt, auf die Kultur und auch die großen Stadien von der Fußball-WM. Und natürlich die Christusstatue.

Du hattest bisher nur Evi Raubuch als Trainerin. Wieso passt das bei euch so gut?

Ich hab bei Evi 2004 angefangen, damals haben nur Nichtbehinderte mit ihr trainiert und ich war die einzige mit einem Handicap. Da musste sich Evi erst mal hineinfinden, aber jetzt klappt das richtig gut. Ich kann ohne Probleme mit den Nichtbehinderten mittrainieren.

Was ist für dich das schönste am Sport?

Mit anderen Menschen zu tun haben und immer wieder neue Leute kennenlernen. Und es bleibt immer spannend, weil man nie weiß, was in einem Wettkampf passiert.

 

Bild: Johannes Kolb