Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

23.10.2017
Die Identitäre Bewegung

Seit einigen Jahren macht eine neue Jugendbewegung auf sich aufmerksam. Die Aktivisten der sogenannten „Identitären Bewegung“ klettern auf bekannte Sehenswürdigkeiten, besetzen Gebäude, hängen Banner auf, versuchen damit aufzufallen. Wer aber sind die jungen Aktivisten und welches Ziel verfolgen sie? Die „Identitäre Bewegung“ ist eine Gruppe von losen Rechtsaktivisten.  Sie sind sogenannte Ethnopluralisten. Ehnopluralisten teilen die Menschen in verschiedene Kulturkreise auf. Vielfalt der Völker also, aber bloß getrennt. Es geht um die kulturelle Reinhaltung der Gesellschaften. Jede Kultur hat einen eigenen Charakter und der soll vor „Vermischung“ und „Austausch“ geschützt werden. Die „Identitäre Bewegung“ vermeidet bei ihren ideologischen Ansätzen bewusst den Begriff der „Rasse“. Sie lassen nur eine bestimmte Interpretation der nationalen oder europäischen Kultur zu. Dass Kulturen sich wandeln und austauschen, wird von den Identitären nicht akzeptiert.

Entstanden ist die „Identitäre Bewegung“ in Frankreich unter dem Namen Bloc Identitaire. In Deutschland ist die Bewegung seit Ende 2012 unter dem Namen „Identitäre Bewegung Deutschland“ aktiv. Das Symbol der Identitären Bewegung, das Lambda, den elften Buchstaben des griechischen Alphabets, haben sie der Graphic Novel-Verfilmung  von 300 entnommen. Dort schmückt das Symbol die schweren Schilde der tapferen Spartaner, die sich einer persischen Übermacht bei den Thermopylen entgegenstellen um Sparta vor den Eindringlingen zu schützen. Symbolisch soll dies den einsamen Kampf der „Identitären Bewegung“ gegen die nach ihrer Ansicht heutigen Überfremdung des Abendlandes darstellen. Die junge Gruppe steht ein für Werte wie Heimat, Tradition, Familie und Ordnung. „Heimat, Freiheit, Tradition. Multi-Kulti Endstation!“ schreien die selbsternannten Hüter und Patrioten Europas in strammer und stolzer Haltung auf ihren Veranstaltungen. Sie sehen sich als die letzten Verteidiger Europas. Feindbilder sind ihnen unter anderem der Islam, Immigration, die Globalisierung und der Liberalismus.

Dabei geben sich die Aktivisten stets demokratisch und gewaltfrei. Sie distanzieren sich von der rechten Szene. Doch das ist bloß Taktik. Es gehe ihnen lediglich darum weiterhin die Mehrheit im eigenen Land zu bleiben und ihre Kultur in Europa so auszuleben wie es seit hunderten und tausenden von Jahren der Fall sei. Was sie nicht verlieren wollen ist ihre Identität. Deutscher sein. Österreicher sein. Franzose sein. Die Identitären versuchen hierzu die Gesellschaft nach rechts zu drängen und direkt in die Gesellschaft einzuwirken. Dabei versuchen sie lässig und modern daherzukommen. Corporate Identity und Popkultur statt Springerstiefel und Glatze. Zum Personenkreis der Identitären Bewegung zählen hauptsächlich junge Männer im Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Zwar gibt es auch vereinzelt Frauen unter den Aktivisten, dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Identitären eine patriarchale Ideologie mit männlichen und soldatischen „Kriegern“ verehren.

Den Identitären geht es bei ihren Aktionen hauptsächlich um maximale mediale Aufmerksamkeit. In den Sozialen Medien und auf Onlineplattformen sind sie sehr aktiv. Selbstinszenierung, das ist das, was die rechten Aktivisten zu ihrem Markenzeichen gemacht haben. Ihre Aktionen werden immer von Kamerateams begleitet, die die Inhalte umgehend hochladen und im Internet teilen. Sie machen sich bewusst größer, als sie tatsächlich sind. Das Internet bietet ihnen hierfür eine geeignete und ausgezeichnete Plattform.

Die Aktionen der rechten Jugendbewegung bleiben nicht ohne Konsequenzen. Die angeblichen Demokraten werden seit Sommer 2016 von dem Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet. Die Behörde geht von derzeit etwa 400 Mitgliedern in Deutschland aus.  Verfassungsschutzchef Hans Georg Maaßen sieht bei der „Identitären Bewegung“ Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die Freiheitlich Demokratische Grundordnung. Eine starke Radikalisierung konnte man im Zusammenhang mit den Flüchtlingszuströmen wahrnehmen. „So werden Zuwanderer islamischen Glaubens oder aus dem Nahen Osten in extremistischer Weise diffamiert.“ Der Verfassungsschutz sieht in der Propaganda der  „Indentitären Bewegung“ eine Gefahr insbesondere für junge Menschen.

Die Identitäre Bewegung zeigt sich nach außen hin jung, hip, modern und lässig. Rechte Hipster wenn man so will. Doch was sich hinter der Fassade verbirgt ist Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Den selbsternannten Hütern der europäischen Völker geht es nicht um den Schutz der europäischen Kultur, sondern vielmehr um die „Reinhaltung“ der eigenen Rasse, oder Identität wie sie es ausdrücken würden. Die Ideologie der Identitären steht nicht in Einklang mit dem, für was die Mütter und Väter unseres Grundgesetztes gekämpft haben.

Foto: Metropolico.org, cc-by-sa-CC BY-SA 4.0, wikipedia.de