Letzte "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

25.03.2017
Wie Medien und Publikum gegen Falschmeldungen wehren

Im Kontext der aktuellen Diskussion um den Einfluss von Fake News auf den Meinungsbildungsprozess hat die Landesmedienanstalt Saarland am 23. März 2017 zum Mediengespräch mit dem Thema „Fake News – Manipulation durch Falschmeldungen“ eingeladen. Über 70 Gäste aus Journalismus und öffentlichem Leben sowie Medieninteressierte trafen sich zu einer anregenden Diskussion in Saarbrücken.

Mit dem Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung, Peter Stefan Herbst, und Prof. Dr. Katharina Zweig, Informatikerin an der TU Kaiserslautern, konnte LMS-Direktor Uwe Conradt zwei ausgewiesene Fachleute für das 2. LMS-Mediengespräch gewinnen.

Uwe Conradt führte in einer Präsentation einige anschauliche Beispiele von Falschmeldungen vor. Er nahm Bezug auch auf Meldungen, die in der US Präsidentschaftswahl teilweise millionenfach über Soziale Netzwerke geteilt wurden. „Soziale Netzwerke nehmen immer stärker Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung. Auf die Verbreitung von Falschmeldungen muss mit sinnvollen Maßnahmen reagiert werden, denn nur so kann die freie und umfassende Meinungsbildung durch Medien auch zukünftig gewährleistet werden. Die staatsfern organisierten Landesmedienanstalten überprüfen im Bereich des Rundfunks anlassbezogen die Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht und übernehmen mit Blick auf Fake News im Internet durch die Förderung der Medienkompetenz auch hier eine wichtige Aufgabe. Aus Sicht der Landesmedienanstalten besteht im Bereich der Online-Medien eine Regelungslücke bezüglich journalistisch-redaktioneller Angebote, die es zu schließen gilt, um auch in Zukunft eine Medienordnung zu gewährleisten, in der die Vielfalt der bestehenden Meinungen möglichst breit und vollständig Ausdruck findet. Auch müssen die relevanten sozialen Netzwerke zur Schaffung leistungsfähiger Ansprechstellen verpflichtet werden.“ Im Umgang mit Falschmeldungen sei aber durchaus ein Lernprozess bei Verwaltungen und traditionellen Medien zu verzeichnen. Durch eine schnelle Reaktion könnten falsche Tatsachenbehauptungen und Unterstellungen kaum Raum gewinnen.

Peter Stefan Herbst berichtete aus dem Redaktionsalltag der Saarbrücker Zeitung, setzte sich in seinem Vortrag mit dem Vorwurf der Lügenpresse auseinander und gab Anregungen zum Umgang von Medien und Nutzern mit diesen Angriffen auf die etablierten Medien. „Journalisten und Medien sind gut beraten, sich seriöser Kritik offensiv zu stellen und Selbstkritik zu pflegen.“ Ihren Qualitätsanspruch müssten sie mit solidem Handwerk und klarer Haltung belegen. „Soziale Medien dagegen werden häufig als Verbreitungskanal für asoziale Botschaften missbraucht und können im Extremfall wie ein Brandbeschleuniger für übelste Hetze wirken.“

Katharina Zweig stellte in ihrem Beitrag die Frage: Haben Algorithmen maßgeblich die Präsidentschaftswahl in Amerika beeinflusst? „Verdächtige gab es viele: von Google über Cambridge Analytica zu Facebook und Fake News Bloggern aus Mazedonien.“ Um sich dieser Frage zu nähern, sei das „Kleine ABC der Informatik“ notwendig, das Wissen über A wie Algorithmen, B wie Big Data und C wie Computerintelligenz. Prof. Zweig gab einen Einblick in diese Grundlagen und erklärte dann, warum Algorithmen immer wieder in den Verdacht geraten uns zu manipulieren. Sie zeigte sich sicher: „Wir brauchen eine faktenbasierte Diskussion der Phänomene – dazu fehlt im Moment vor allen Dingen die Grundlagenforschung, eine breite, gesamtgesellschaftliche Diskussion und vermutlich auch eine demokratisch legitimierte Kontrollinstanz.“ Die Mitbegründerin von Algorithm Watch verband mit ihrem Vortrag das Ziel, dem gesellschaftlichen Diskurs die nötige Basis zu verschaffen und aufzuzeigen, wo Wissenslücken zu diesem Thema bestehen.

Nach einer gemeinsamen Diskussion mit den Impulsgebern und dem Publikum konnte Uwe Conradt feststellen: „Wir stehen Falschmeldungen, Verschwörungs­theorien und Propaganda nicht machtlos gegenüber. In einer offenen und demokratischen Gesellschaft werden sich Mechanismen der kritischen Überprüfung entwickeln, um Falschmeldungen als solche zu entlarven und Verschwörungs­theorien frühzeitig zu begegnen. Aufmerksame Bürgerinnen und Bürger sind dabei ebenso gefordert wie die Medien selbst. Insbesondere auch die Betreiber sogenannter sozialer Medien müssen noch stärker als bisher in die Verantwortung genommen werden. Sie müssen schneller auf Hinweise reagieren und in den Angeboten selbst technische Vorkehrungen des Nutzerschutzes implementieren.“

Im Nachgang zu dieser Veranstaltung bietet das MedienKompetenzZentrum der LMS einen Workshop an: Fakten statt Fakes: Woran erkennt man Falschmeldungen im Internet? am 06. April 2017 von 17 bis 19 Uhr. Mehr Informationen und Anmeldung hier.

 

Bildnachweis: copyright LMS Carsten Simon