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21.10.2019

von Maximilian Kuntz

Regierungssprecherin Anne Funk

Populisten von links und rechts, der Brexit, Trump. Selten war Europa für uns Menschen wichtiger als aktuell und selten war es so wichtig unsere europäischen Werte zu verteidigen.
Grund genug mit Regierungssprecherin Anne Funk über die brennenden Fragen in Europa zu sprechen. Nach ihrem Studium, welches sie zu weiten Teilen in Frankreich absolvierte, arbeitete Anne Funk lange als Referatsleiterin im Europaministerium und leitete schließlich das Europabüro des Saarlandes in Paris. In ihrem neuen Job als Regierungssprecherin ist sie nun maßgeblich für die Gipfelpräsidentschaft des Saarlandes in der Großregion verantwortlich und stand uns im Interview Rede und Antwort.


Chilly: In der kommenden Ausgabe setzt sich Chilly maßgeblich mit dem Thema Europa auseinander. Bevor Sie Pressesprecherin der Staatskanzlei wurden, leiteten Sie das Referat für deutsch-französische Beziehungen und Europapolitik. Was bedeutet für Sie Europa?

Das Motto der Europäischen Union lautet „in Vielfalt geeint“ und Europa bedeutet für mich genau das. Speziell bei uns in der Grenzregion bietet Europa Möglichkeiten, die es auf anderen Kontinenten nicht gibt. Wir können problemlos Grenzen überschreiten und damit neue Menschen kennenlernen, die uns kulturell bereichern. Junge Menschen haben die Chance durch Erasmus überall in Europa zu studieren oder können einen Teil ihrer Ausbildung in einem anderen Land absolvieren. Viele Franzosen kommen ins Saarland zum Einkaufen oder Arbeiten und viele Deutsche leben in Frankreich oder arbeiten in Luxemburg. Diese wirtschaftlichen und kulturellen Chancen kann nur ein starkes Europa bieten. Für viele Menschen sind diese Möglichkeiten inzwischen aber leider so selbstverständlich geworden, dass sie sie nicht mehr zu schätzen wissen. Daher sollten wir daran arbeiten, den Menschen die gigantischen Chancen, die Europa bietet, wieder mehr ins Bewusstsein zu bringen. Denn Europa erfordert auch ein großes Engagement, wie das Erlernen neuer Sprachen und die Bereitschaft sich auf andere Kulturen einzulassen. Und wo kann man all diese Möglichkeiten besser nutzen, als bei uns in der Grenzregion, die wir auch gerne „Wiege Europas“ nennen.

Chilly: Anfang des Jahres hat das Saarland die Gipfelpräsidentschaft der Großregion für die kommenden zwei Jahre übernommen. Welche Projekte haben Sie sich für die Präsidentschaft vorgenommen und worin spiegelt sich die Zusammenarbeit in der Region wieder?

Die Gipfelpräsidentschaft ist für uns eine große Chance, neue Projekte und Ideen für die Großregion anzustoßen. Als Kernziel haben wir uns vorgenommen, die Großregion näher an die Menschen zu bringen. Eine Identität und Verbundenheit für diese Region zu vermitteln ist der Grundstock, um den Menschen zu zeigen, welche Möglichkeiten sie bietet. Wir spüren oft eine Verbundenheit mit dem Saarland, Deutschland oder Europa, aber wir wollen auch die Zwischenstufe, nämlich unsere Großregion, stärker in den Köpfen der Menschen verankern. Ein wichtiges Thema ist dabei natürlich das Thema Digitalisierung, die nicht hinter der Grenze aufhört. Hier ist das Saarland ein führendes Bundesland und wir wollen die Gipfelpräsidentschaft dafür nutzen, die Zusammenarbeit in diesem Bereich zu intensivieren. Zum Beispiel möchten wir mit der Region Grand Est einen stärkeren Austausch beim Thema künstliche Intelligenz entwickeln, denn es gibt auf beiden Seiten Experten, die vom gegenseitigen Austausch profitieren. Wir haben im Saarland mit dem CISPA einen Leuchtturm, Nancy hat ebenfalls Potenzial in diesem Bereich. Diese besser zu vernetzen ist uns ein zentrales Anliegen.

Chilly: Inwiefern behindert das zentralgesteuerte System in Frankreich die Zusammenarbeit mit der französischen Nachbarregion?

Ich denke, genau das ist eine Herausforderung, die ein vereinigtes Europa eben mit sich bringt. Wenn derart viele Nationen sich in einer Union zusammenschließen, gibt es darin natürlich viele verschiedene politische Systeme. Damit müssen wir leben und bestmöglich zusammenarbeiten. Mit Frankreich klappt diese Arbeit trotz des zentralen Systems sehr gut. Unser Ministerpräsident war beispielsweise beim französischen Premierminister zu Gast, steht aber gleichzeitig natürlich auch mit seinem direkten Kollegen, dem Präsidenten der Region Grand Est, in engem Kontakt. Eine wichtige Entscheidung war mit Hinblick darauf natürlich auch, ein Büro in Paris zu eröffnen, wodurch wir viel präsenter in der französischen Politik geworden sind.

Chilly: Vor einigen Wochen wurde der Elysee Vertrag in Aachen erneuert und soll die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich noch stärker vertiefen. Gerade für das Saarland ist die Zusammenarbeit mit Frankreich essenziell. Wie lässt sich diese Zusammenarbeit in den nächsten Jahren noch stärker vertiefen?

Ich halte den Aachener Vertrag für extrem wichtig, da er die deutsch französischen Beziehungen nochmal neu definiert und er die Wichtigkeit unserer Großregion erkannt hat. Der neue Vertrag enthält eine sogenannte „Experimentierklausel“, durch die die Kooperation in der Großregion rechtlich massiv erleichtert wird und durch die es uns erlaubt ist, Dinge in der Großregion einfacher auszuprobieren. Durch die Klausel ist es möglich, dass juristische Mechanismen in den jeweiligen Ländern gelockert werden, um die Zusammenarbeit zu vereinfachen. Ein einfaches Beispiel hierfür sind beispielsweise Rettungswagen. Normalerweise dürfen diese nicht grenzüberschreitend eingesetzt werden und die Grenze auch im Notfall nicht überfahren. Durch die Klausel ist dies jedoch möglich. Alleine dieses Beispiel zeigt, dass eine intensive Zusammenarbeit in der Großregion sogar Leben retten kann und dass der Aachener Vertrag genau der richtige Weg zu einer weiteren Vertiefung der deutsch französischen Beziehungen darstellt.

 

Chilly: Werfen wir einen Blick auf ihre Arbeit als Pressesprecherin. Ihre Aufgabe ist es, die Bürger und Bürgerinnen über die Arbeit der Staatskanzlei zu informieren und Sie bekommen im Zuge Ihrer Arbeit sicher eine Vielzahl von Kritik und Hasskommentaren. Wie gehen Sie damit um?

Regierungssprecherin Anne Funk mit Chilly-Redakteur Maximilian Kuntz

Das ist natürlich eine brandaktuelle Negativerscheinung, mit der Politiker leben müssen. Einige haben daraus ihre Konsequenzen gezogen und sich aus den sozialen Netzwerken zurückgezogen. Ich halte diesen Weg jedoch für den falschen und bin der Meinung, dass man sich diesen Kommentaren stellen muss.
Mit Blick auf die Social Media Arbeit des Ministerpräsidenten, der seine Postings überwiegend selbst verfasst, muss ich sagen, dass die Anzahl von Hasskommentaren eher gering ist und wir es hauptsächlich mit politischen Nachfragen oder sachlicher Kritik zu tun haben. Dadurch ergibt sich eben auch eine gute Möglichkeit, in den Dialog mit der Gesellschaft zu treten und die Themen, die diese beschäftigen, besser wahrzunehmen. Dennoch pflegen wir aber besonders den direkten Dialog und veranstalten daher zahlreiche Gesprächsveranstaltungen, wie den Saarland Dialog.

 

Chilly: Zum Abschluss haben wir uns ein paar Sätze überlegt, die Sie vollenden sollen:

Das Schönste an meinem Job ist … die Vielfalt und die große Anzahl von verschiedenen Menschen, die ich kennenlernen darf.

Das Negativste an meinem Job ist … der Umgang mit Hasskommentaren und Fake News.

Der schönste Platz im Saarland… ist bei meinen Pferden.

Der schönste Platz in Frankreich ist … in unserer Nähe der Stockweiher. Ich bin aber auch unglaublich gerne in Bordeaux und Paris, wo ich teile meines Studiums verbracht habe.

In meiner Freizeit …verbringe ich gerne Zeit mit Freunden und Familie – den Zwei- und Vierbeinern.