Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

14.01.2018
Wahlhelfer bei der Bundestagswahl

Von Jan Kronauer

Ich stehe sonntags selten um halb sieben auf, aber an diesem Sonntag hatte ich eine besondere Motivation. Es war der 24. September 2017 – Bundestagswahl. Aber es war nicht einfach nur meine erste politische Wahl, ich habe mich auch als Wahlhelfer eingetragen.
Eine Option, die ich ohne den Hinweis einer Bekannten niemals in Betracht gezogen hätte, die mich aber gleich interessiert hat.

Ich wurde für ein Wahllokal in meiner Nähe eingeteilt und da um acht Uhr das Wahllokal öffnete, war ich pünktlich um viertel vor acht vor Ort. Neben mir waren noch drei andere Personen für die Morgenschicht eingeteilt. Jeder hatte seine Aufgabe: Vom Buchführen und Überprüfen der Wahlberechtigung, zur Oberaufsicht bis hin zum Vorfalten der Wahlbögen gab es genug zu tun. Meine Hauptaufgabe war es, die Wahlbögen zu falten und nebenbei eine Strichliste zu führen wie viele Wähler schon da waren.
Trotz der frühen Stunde fanden sich doch immer wieder einige Leute ein, gerade so, dass keine große Langeweile entstehen kann. Knapp zwanzig Leute kamen innerhalb der ersten Stunde, hauptsächlich ältere Menschen, aber auch einige jüngere, die schon früh auf den Beinen waren. Während der kurzen Pausen zwischen den einzelnen Wählern war auch immer Zeit für uns Helfer, um über Gott und die Welt zu reden.
Und so verging die Zeit wie im Flug und die erste Schicht wurde von der Mittagschicht abgelöst. Von halb eins bis kurz vor sechs hatte ich nun selber Zeit, in meinem Bezirk wählen zu gehen und den Nachmittag zu genießen. Was mir dann bei meiner eigenen Wahl auffiel, war, dass ich schon gleich einen ganz anderen Bezug zu den Abläufen und Vorgängen hatte, die sich vor mir abspielten.

Als dann um 18 Uhr auch die Schicht der Mittagsschicht endete, schloss das Wahllokal und die Wahlhelfer beider Schichten begannen mit der Auszählung. Zunächst wurden alle Wahlzettel nach Zweitstimmen sortiert und gezählt. Anschließend passierte das Gleiche auch für die Erststimmen. Als alle Stimmen richtig ausgezählt waren und die Gesamtheit aller Stimmen auch mit der Anzahl der dagewesenen Wähler übereinstimmte, wurden die Zahlen an die nächst höhere Ebene weitergegeben. Dies geschah per Telefon. Wenn man von dort das Okay bekam, dass alle Daten stimmten, wurden alle Stimmen nach Erststimme und Partei sortiert, in verschiedene Umschläge sortiert und versiegelt. Das ganze Prozedere dauerte so ungefähr eine dreiviertel Stunde. Abschließend erhielten alle Wahlhelfer eine Urkunde und ein kleines Entgelt von 25€.

Was mir während meines Engagements jedoch sehr stark auffiel, war das Durchschnittsalter der Wahlhelfer. Es gab kaum junge Erwachsene, die bereit waren, für die Demokratie einen Tag zu opfern. Das mag zum einen an der kaum bestreitbaren Politikverdrossenheit vieler junger Menschen in unserem Land liegen. Zum anderen kann es aber auch eine gewisse Unwissenheit sein. Wie ich schon zu Beginn erwähnt hatte, war mir persönlich nicht klar, dass man sich hierfür anmelden kann.

Die Tätigkeit als Wahlhelfer ist auf jeden Fall eine sehr gute Sache für alle politisch Interessierten, die gerne einen näheren Einblick hinter die Abläufe einer Wahl vor Ort erhalten wollen. Ohne die Tätigkeit der Wahlhelfer wäre es kaum möglich, eine Wahlsystem, wie wir es haben, am Laufen zu halten und deswegen ist es unglaublich wichtig, dass es auch in dieser Arbeit künftig Nachwuchs gibt. Denn diese Art von „Pflege“ unserer Demokratie ist extrem wichtig für die Aufrechterhaltung unseres aktuellen politischen Systems. Das mag für uns junge Deutsche selbstverständlich sein, doch wir dürfen unsere Pflichten der Demokratie nicht vernachlässigen. sonst laufen wir Gefahr, eben die Freiheit, die uns diese Staatsform bietet, zu verlieren.
Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das in unserem Sinne ist. Deswegen ist es doch eigentlich nicht zu viel verlangt, ein paar Stunden seiner wertvollen Zeit in unsere Demokratie zu investieren.
Ich kann auch nur jeden motivieren, sich selbst aktiv für die Demokratie einzusetzen. Möglich ist das ab dem 18. Lebensjahr, eben als freiwilliger Helfer. Setzen wir ein Zeichen gegen die Politikverdrossenheit in unserem Land!