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09.01.2018
Interview mit Alexander Zeyer

Von Maximilian Kuntz

Der 24-Jährige Alex Zeyer absolvierte nach seinem Abitur eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation, Mitglied der CDU sowie Landesvorsitzender der Jungen Union (Jugendorganisation der CDU), sein Opa war früher Ministerpräsident des Saarlandes, wodurch ihn auch das Interesse an der Politik schnell gepackt hat.
Der Abgeordnete ist im Landtag in den Ausschüssen für Bildung, Kultur und Medien, für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, für Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie im Ausschuss für Inneres und Sport vertreten, zudem bekleidet er das Amt des Jugendpolitischen Sprechers der CDU.
Bereits vor der Landtagswahl haben wir uns mit ihm und weiteren jungen Kandidaten für den Landtag getroffen. Nachdem er nun den Einzug in den Landtag geschafft hat, traf sich Chilly erneut mit Alexander Zeyer zum Interview. Diesmal an seinem neuen Arbeitsplatz, dem Landtag.

Chilly: Was hat sich an deinem Alltag verändert?

Alex Zeyer: Es hat sich sehr vieles für mich verändert. Natürlich gehört zur Arbeit im Landtag viel Büroarbeit, aber auch der Terminablauf ist etwas fremdgesteuert, dadurch dass wir die meisten Termine von der Fraktion bekommen und diese dann natürlich auch wahrnehmen sollen.
Die Woche beginnt damit, dass sich montags alle CDU-Abgeordnete, Minister, Staatssekretäre und natürlich auch die Ministerpräsidentin zur Fraktionssitzung treffen, um die Themen der Woche zu besprechen und die Sitzungen vorzubereiten.
Viel zu arbeiten gibt es auch immer in den Ausschüssen. Ich bin in vier Ausschüssen vertreten und parallel dazu gibt es noch die CDU-internen Arbeitskreise, die in der Regel kurz vor den Ausschüssen stattfinden.
Am wichtigsten ist mir allerdings der Kontakt zu den Bürgern innerhalb, aber auch außerhalb meines Wahlkreises. Das sind viele Termine, die immer sehr interessant sind und mir unglaublich viel Spaß machen.

Was willst du vor allem für die jungen Menschen verändern?

Die Landesregierung hat in den letzten Jahren schon viel erreicht, wir sind sicher auf einem guten Weg und es stehen dazu auch einige Aspekte im Koalitionsvertrag.
Dennoch gibt es viel zu tun. Beispielsweise muss es einfacher sein, Förderanträge für Jugendfahrten zu beantragen. Diese Fahrten werden ehrenamtlich organisiert und diese Leute haben keine Zeit, ständig ellenlange Anträge auszufüllen. Es muss möglich sein, solche Verfahren zu digitalisieren, sodass diese Anträge leichter online ausgefüllt werden können.
Eine tolle Sache, die wir schnell einführen möchten, ist die Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich Politik zu machen, beispielsweise bei uns in der Landtagsfraktion oder in Ministerien, um Erfahrungen in der Politik zu sammeln.
Des Weiteren ist es für die junge Generation wichtig, dass die Schuldenbremse im Koalitionsvertrag nochmals fest verankert ist.
Wir werden keine neuen Schulden machen und das nimmt viel finanzielle Last von der jungen Generation. Dabei hilft uns auch der Länderfinanzausgleich, durch den wir ab 2020 500 Millionen Euro mehr bekommen. Dieses Geld können wir in die Infrastruktur, Bildung und Digitalisierung stecken, was am Ende auch den jungen Menschen zu Gute kommt.
Es wandern leider immer mehr junge Menschen aus dem Saarland aus, was muss die Politik tun, um sie im Saarland zu halten?

Erstmal ist zu sagen, dass man im Saarland gut leben kann. Wir haben tolle Jobs und eine gute Universität. Die Universität hat leider unter der Schuldenbremse in den letzten Jahren etwas gelitten, aber durch die zusätzlichen Mittel aus dem Länderfinanzausgleich können wir nun auch wieder mehr in die Uni investieren.
Studenten, die im Saarland studieren, bleiben natürlich eher im Saarland als Studenten, die auf einer anderen Universität studieren müssen.
Des Weiteren möchten wir Start Up Land Nummer 1 in Deutschland werden. Das bedeutet neue Fördermittel für junge Gründer und mehr Investitionen in die Digitalisierung. Wir möchten eine Kultur des Gründens im Saarland schaffen. Es werden in den nächsten Jahren zudem einige Unternehmen im Saarland schließen, weil die Inhaber in Rente gehen und keinen geeigneten Nachfolger finden. Hier müssen wir attraktive Lösungen finden, um diese Unternehmen in eine gute Zukunft zu führen.

Ein großes Thema im Saarland bleibt das Atomkraftwerk Cattenom. Glaubst du, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer zeitnahen Abschaltung durch den neuen Französischen Präsidenten erhöht hat?

Ich persönlich würde mir das natürlich sehr wünschen. Man muss sich ja nur mal anschauen, wie viele Zwischenfälle es allein in den letzten paar Monaten gab.
Wir haben direkt an unserer Grenze ein völlig veraltetes Atomkraftwerk, das besser heute als morgen abgeschaltet werden sollte. Es ist nicht nur eine Gefahr für die Franzosen, sondern eine mindestens genauso große Gefahr für das Saarland. Dass der französische Präsident in naher Zukunft etwas in die Wege leitet, kann ich mir jedoch nicht vorstellen.

Wie bewertest du die Diskussionen um das Saarländische Bildungssystem?

Ich finde, wir haben gute Gymnasien und genauso gute Gemeinschaftsschulen, auf denen man in acht oder neun Jahren Abitur oder auch vorher einen anderen Abschluss machen kann. Ich habe vor den Koalitionsverhandlungen mit vielen Eltern, Schülern und Lehrern Gespräche geführt und die meisten sind froh über die vielen Wahlmöglichkeiten die das aktuelle System bietet. Meiner Meinung nach sollte man aber den Lehrplan noch einmal verbessern. Meine Schulzeit liegt ja auch noch nicht solange zurück, sodass ich weiß, dass man viele Dinge lernt, die man später nie wieder braucht.
Da muss noch einmal genau hingeschaut werden, was man den Schülern vermitteln muss
und was weniger wichtig ist. Sinnvoll wäre aber auf jeden Fall das Fach „Digitalisierung“. Das Thema fehlt mir völlig im Schulunterricht. Wie gehe ich mit den neuen Medien um, welche Gefahren bieten sie, das sind Themen, die viel mehr in den Unterricht integriert werden müssen. Das gleiche gilt für das Fach Politik. Tagespolitische Themen kommen viel zu kurz und da Schüler kaum noch Zeitung lesen oder Nachrichten schauen, interessieren sie sich kaum noch für Politik.
Zu begrüßen ist, dass die saarländischen Schulen nun bald 60 Millionen für Investitionen in ihre digitale Ausstattung bekommen. Außerdem bin ich froh, dass der Notenspiegel wieder auf den Arbeiten steht und wir dadurch wieder eine Vergleichbarkeit der Noten hergestellt haben.

In keinem Bundesland sind so viele Menschen ehrenamtlich aktiv. Was kann die Politik tun, um diesen Menschen noch mehr Wertschätzung zu schenken?
Das Ehrenamt steht bei uns an erster Stelle. Ohne ehrenamtliche Arbeit würde bei uns im Saarland vieles gar nicht funktionieren. Die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und im Verein ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft.
Ohne ehrenamtliches Engagement hätten wir beispielsweise die Flüchtlingskrise niemals so gut bewältigen können. Noch heute engagieren sich Tausende in der Flüchtlingshilfe, indem sie z.B. Sprachunterricht geben oder bei der Wohnungssuche helfen.
Um den Ehrenamtlichen mehr Wertschätzung zu zollen, möchten wir in allen Landkreisen die Ehrenamtskarte einführen. Es gibt sie schon in einigen Kreisen und mit ihr soll es ehrenamtlich Engagierten möglich sein, gewisse Vergünstigungen in Schwimmbädern, Kinos oder bei öffentlichen Verkehrsmitteln zu bekommen.

Zum Abschluss beginnen wir nun fünf Sätze, die du vollenden sollst.

Das erste was ich als Ministerpräsident des Saarlandes tun würde, wäre… mehr finanzielle Mittel für Bildung bereitstellen, wenn wir mehr davon hätten. Denn Bildung ist unsere Zukunft!

Das Saarland ist das schönste Bundesland der Welt, weil… hier die sympathischsten und offensten Menschen der Welt leben und es nirgendwo so gutes Essen gibt.

Junge Menschen sollten sich politischen engagieren, weil… es sonst die Falschen machen. Wer sich nicht engagiert, darf auch nicht meckern. Jeder kann etwas verändern.

Der schönste Platz im Landtag ist… der Garten, in dem man zwischen all dem Stress auch mal gut entspannen kann.

Wenn ich gerade nicht politisch unterwegs bin,… bin ich gerne mit Freunden und Familie in meiner Heimatstadt St. Wendel unterwegs.