Nächste Redaktionssitzung

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10.06.2018
Wie die Karriere des Regisseurs in St. Ingbert begann | TEIL III

Von Sandra Cavallaro

Chilly: Gab es für die anderen Rollen ein größeres Casting?
Florian: Längere Castings gab es für die Figur Ben, da haben wir mehrere Schauspieler gecastet, aber Marc Benjamin war auch einer, den wir immer im Blick hatten und uns dann auch im Casting überzeugt hat. Emma Drogunova, die die YouTuberin spielt, hat uns auch im Casting wirklich überzeugt. Da hatten wir auch ein paar andere Schauspielerinnen, die vom Papier her interessanter für uns klangen, Emma war ein Neuling, den wir noch nicht kannten. Sie hat Zoe aber schon so fantastisch im Casting gespielt und so gut mit Jella funktioniert, man muss ja auch sehen, wie die Schauspieler zusammen funktionieren. Marc wurde auch mit Jella gecastet. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht den beiden zuzuschauen. Und bei Emma war es so, sie kam als letzte im Casting, aber hat uns richtig umgehauen mit der Art, wie sie Zoe interpretiert hat, sie hat sich auch sehr gut vorbereitet und sich diese Figur aus verschiedenen Channels zusammengesucht, hat es natürlich sehr übertrieben, aber auch sehr lustig dargestellt.

Chilly: Wer ist denn für die Auswahl der Komparsen zuständig? Darum kannst du dich als Regisseur sicher nicht auch noch kümmern.
Florian: Das macht die 2. Regieassistenz, die ist tatsächlich nur dazu da die Komparsen zu betreuen, mit dem 1. Regieassistenten zusammen. Aus dem Buch wird dann herausgelesen, wann man wie viele Komparsen braucht, es gibt so viele Szenen wo auf der Straße Leute vorbeilaufen müssen. Dann haben wir eine große Szene in der Karaoke-Bar, da haben wir 80 Rocker gebraucht, weshalb wir einen Motorrad-Club angeschrieben haben. Da kümmert sich die Regieassistenz komplett drum. Es gibt dann auch immer wieder Tage, wo wir uns zusammensetzen und sie mir Vorschläge zeigt für bestimmte Nebenrollen, oder wir besprechen wie viele Leute wirklich nötig sind. Das wird dann einmal besprochen, ist aber später ein sehr aufwändiges Verfahren.
Die Komparsen müssen ja auch alle beim Dreh betreut werden, mit Essen und Getränken versorgt werden, das hat meine 2. Regieassistentin, die Kate, fantastisch gemacht. Solche Drehtage können natürlich auch sehr lange dauern und in der Karaoke-Bar waren es dann auch noch 40 Grad. Es war einer der heißesten Tage im Jahr, es wurde immer heißer und immer stickiger und wir konnten keine Fenster aufmachen, weil die abgehängt werden mussten, da die Szene nachts spielt, aber tagsüber gedreht wurde. Die Klimaanlagen haben auch nicht funktioniert und es wurde immer anstrengender für die Komparsen. Da braucht man dann schon jemanden, der mit den Komparsen auch gut umgeht und die auch immer wieder motivieren kann, damit sie bis zum Ende durchhalten und das hat Kate fantastisch gemacht.

Chilly: Wird jede Komparsen-Szene dann an einem Tag abgewickelt, inklusive Proben?
Florian: Ja, Komparsen werden eigentlich direkt ans Set geholt, sie werden eingekleidet, kommen ans Set, dann wird ihnen gesagt was mit den Schauspielern passiert und wie sie reagieren sollen. Dann wird mit den Schauspielern geprobt und der 1. Regieassistent schaut dabei nur auf die Komparsen und dirigiert sie im Hintergrund, während ich nur auf die Schauspieler schaue. Er geht dann hin und erklärt z.B., wenn gewisse Gesten anders oder größer sein sollen und schaut, dass alle auf die Schauspieler so reagieren, wie Leute in der Situation normal reagieren würden.

Chilly: Waren deine Regieassistenten Kollegen, mit denen du schon jahrelang bei Pantaleon zusammengearbeitet hast?
Florian: Genau, Alexander Rutkowski, mein 1.Regieassistent, ist mit der wichtigste Posten für mich, weil er ja sehr viel für mich mitorganisiert, mit dem muss ich mich natürlich gut verstehen und ihm vertrauen können. Alexander war bei Pantaleon auch schon oft Regieassistent oder Set-Aufnahmeleiter, wo er am Set viel koordinieren musste. Mit ihm habe ich schon viel zusammengearbeitet, wir waren z.B. bei „Der geilste Tag“ auch zusammen in Afrika, sind zusammen vom einen Set zum nächsten gefahren, das war wie eine Reiseroute. Dabei habe ich ihn natürlich auch privat sehr gut kennengelernt und er ist ein richtiger Freund geworden und ich wusste, dass ich mich auf ihn total gut verlassen kann, wenn er meine Regieassistenz wird. Hinzu kommt, dass er ursprünglich aus Köln kommt, sich dort gut auskennt und auch viele Leute kennt, was natürlich auch sehr wichtig ist, da er für unseren Film in Köln viel organisieren musste.

Chilly: Kommen wir zur letzten Entstehungsphase eines Films, dem Schnitt. Wie stehst du zu der Aussage, dass ein Film erst im Schnitt entsteht?
Florian: Die unterstütze ich voll und ganz, der Film entsteht komplett im Schnitt. So hart es klingt, aber das musste ich jetzt bei meinem Film auch erleben. Man dreht und hat fantastische Szenen und eine Vision, wie der Film aussehen soll, aber letztendlich entscheidet sich alles im Schnitt. Denn dort merkt man erst in wie weit der Rhythmus funktioniert. Wir hatten Szenen, wo wir gemerkt haben, dass der Rhythmus gerade absackt, dass es gerade wichtig ist, dass die Zuschauer mehr Spaß haben und wir die Emotionalität der Hauptfigur nicht zu weit in den Vordergrund schieben. Daran kann man im Schnitt so viel verändern und deswegen ist er auch der wichtigste Teil des Filmprozesses, mit dem kommt und fällt alles.

Chilly: Wie viel ist denn bei der Stuntszene des Autounfalls, die ihr ja nur einmal drehen konntet, im Schnitt entstanden?
Florian: Die ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass sich im Schnitt vieles ändert. Die wurde nämlich sehr aufwändig produziert, wir haben ein halbes Jahr darüber nachgedacht wie wir diese Szene auflösen. Es ist ja so, dass wir einen ziemlich heftigen Unfall haben, bei dem der Zuschauer erschreckt. Und dann gibt es diese Szene wo Marleen über die Unfallstelle läuft, Wir hatten das so gedreht, dass die Kamera, nachdem wir uns mit ihr einmal um Marleen herumdrehen, auf einem Kran über das ganze Set drüberfährt und dann wieder runterkommt und Marleen wieder mit aufnimmt. Also es war eigentlich eine viel länger und größer gedachte Sequenz. Wir haben dann aber im Schnitt gemerkt, dass in dem Moment, wo die Kamera nach oben geht und wir das ganze Set sehen, da wird das Set auch plötzlich ganz klein und hat nicht mehr diese Kraft, die es vorher hatte, als wir unten mit ihr waren. Deshalb haben wir die komplette Kranfahrt rausgeschnitten, was natürlich schmerzt, weil man Wochen darüber nachgedacht hat, wie man das technisch überhaupt hinbekommt. Das ist aber letztendlich die Entscheidung im Schnitt, die man fällen muss, um eine stärkere Wirkung zu erzeugen.

Chilly: Ist es auch so, dass für den Film eine gewisse Länge festgelegt ist, auf die man den Schnitt anpassen muss? Ist das auch häufig ein Grund für Kürzungen?
Florian: In unserem Fall hatten wir eher ein bisschen die Angst, dass der Film zu kurz wird. Nachdem man das Drehbuch geschrieben hat stoppt immer jemand die Zeit. Da waren wir schon relativ kurz und es war klar, wir haben noch nicht die 90 Minuten. Aber das war auch okay, im Kino hat man da zum Glück eine Range von ca. 10min. Im Fernsehen hingegen ist es ja ganz wichtig, da ist ein Tatort bis auf eine Sekunde genau festgelegt. Bei uns wäre zwischen 82 und 88 Minuten alles okay gewesen. Unsere aller erste Schnittversion ging sogar 105 Minuten und letztendlich ist der Film 86 Minuten lang geworden. Also wir haben viel gekürzt, aber das war immer mit dem Blick auf die Dramaturgie des Films, dass wir uns gefragt haben wie wichtig welche Szenen sind und ob man den Figuren folgen kann. Da wird dann nicht so genau auf die Zeit geschaut, sondern eher auf die Geschichte.

Chilly: Marleens Geschichte basiert ja auf einem Abenteuer, was sie einige Überwindung kostet. Bist du selbst ein abenteuerfreudiger Mensch, würdest du so eine ungeplante Reise wie Marleen antreten? …

Teil IV des Interviews folgt morgen.

Foto: Warner Bros