Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

25.06.2018
Nickelback rockt die Frankfurter Festhalle

„Geile Scheiße!!!“,brüllte Chad Kroeger mit nicht ganz akzentfreier Stimme ins Mikrofon und die Menge vor ihm jubelte begeistert. Wo wir hier sind? Wir befinden uns auf dem Nickelback Konzert in Frankfurt. Wer sich jetzt fragt, was das nun zu tun hat mit den zwei nicht so ganz anständigen Worten, den will ich hiermit darüber aufklären, aber fangen wir lieber mal am Anfang des ganzen Spektakels an:

Schon auf dem Weg zum Eingang sah man die Fans massenweise aus allen Himmelsrichtungen herbei strömen. Eine erwartungsvolle Stimmung auf das bevorstehende Konzert lag in der Luft und machte mich als Vollblut-Fan der kanadischen Band bereits jetzt schon ganz kribbelig. Nur mäßig geduldig ließ ich die Wartezeit an den Eingangskontrollen über mich ergehen, bevor ich mit meiner Begleitung immer weiter ins Innere der Frankfurter Festhalle vorstieß und wir schließlich in der eigentlichen Halle – in der schon bald die Party abgehen sollte – ankamen. Zu dem Zeitpunkt war es bereits kurz vor Sieben, der Auftritt der Vorband sollte also bald losgehen, trotzdem erkannte ich während meinem staunenden Rundblick durch die Halle noch klaffende Lücken in den Sitzrängen; lediglich der Bereich mit den Stehplätzen war bereits gut gefüllt (oh Wunder!). Auch in dem als „Golden Circle“ bezeichneten Bereich, dem abgegrenzten Platz direkt vor der Bühne, hatte sich bereits eine ansehnliche Menge angesetzt. Ich schaffte es nur bis auf Zehn Meter an die Bühne heran zu treten, dann wurde es bereits zu dicht, um mich noch weiter nach vorn durch zu schlängeln.
Nun hieß es jedenfalls Abwarten, aber glücklicherweise nicht allzu lange, denn während die Temperatur in der Halle langsam auf schweißtreibende Höhen anstieg, wurde es mit einem Mal dunkel und relativ pünktlich erschien – ganz dramatisch unter viel Nebel und im farbigen Lichtschein – die vierköpfige Vorband Seether auf der Bühne. Donnernder Applaus begleitete sie, wenn er mir auch etwas halbherzig vorkam. Ich persönlich kannte die Band nicht, auch hatte ich mir nicht im Vorhinein Lieder von ihnen angehört, da ich offen bleiben und mich einfach überraschen lassen wollte. Als sie zu spielen anfingen, wurde mir jedoch recht schnell klar, dass dies nicht so ganz meine Richtung war. Meine spätere Recherche ergab, dass die Band in Genres wie Alternative Metal und Hard Rock einzuordnen ist – vor allem ersteres bestätigte meine fehlende Aufbringung von Begeisterung. Es machte für mich persönlich den Auftritt auch nicht besser, dass der Gesang nur schwer zu vernehmen oder gar zu verstehen war, denn die Klänge von Gitarre, Bass und Drum hauten richtig rein und schluckten einen Großteil der Texte. Dazu zog Seether eine große Show ab: Sie schüttelten ihren Haupt, sodass ihre längeren Haare nur so flogen, der Drummer führte zwischendurch mal das ein oder andere Kunststückchen mit den Drumsticks durch (die – zugegeben – schon beeindruckend waren … also die Kunststückchen, nicht die Drumsticks) und auch sonst gaben sie sich alle Mühe das Publikum mitzureißen, was ihnen, meiner persönlichen und bescheidenen Meinung nach, leider – mit wenigen Ausnahmen – nur mäßig gelang.
Eine dieser Ausnahmen fiel mir dabei ganz besonders auf und blieb mir auf diese Weise auch ganz besonders im Gedächtnis haften. Es handelt sich dabei um einen Kerl, der praktisch direkt vor meiner Nase zur Musik auf und ab hüpfte, dabei seine Freundin ordentlich durchschüttelte (denn die Ärmste hatte er die ganze Zeit über mit beiden Armen umschlungen gehalten, mal abgesehen von den Momenten, in denen er wie wild mit einer Hand – oder auch beiden – Teufelhörnchen in die Luft stieß) und auch sonst ging er ab wie ein Zäpfchen. Sah amüsant aus. Wenn auch erst, nachdem ich mich einige Meter weiter nach links in Sicherheit begeben hatte.
Nach all der Kritik an Seether jetzt aber auch mal was Gutes, denn zwischen all den wilden Liedern ist mir zumindest ein Lied wirklich positiv aufgefallen, das ich sogar richtig genießen konnte. Es heißt „Broken“, ein wirklich herzzerreißender Song wie ich fand, und der laut der Reaktion des Publikums an dessen Ende nicht nur mir besonders gefallen zu haben schien.
Schließlich, nachdem weitere dieser wilden Lieder gefolgt waren, endete der Auftritt von Seether etwa gegen Acht Uhr; in großer Manier verabschiedeten sie sich vom Publikum und verließen mit kräftigem Applaus im Ohr die Bühne.
Sogar ich hab geklatscht, Höflichkeit und so.
Kaum waren die vier Headbanger verschwunden, erstrahlte kurz darauf auf der Leinwand im Hintergrund der Bühne eine kurze Aufnahme der vier Bandmitglieder Nickelbacks, in der sie sich direkt an uns Zuschauer wandten und uns unter anderem viel Spaß bei ihrem schon bald startenden Konzert wünschten. Die Antwort war großer Jubel und Beifall seitens der Menge, denn mit Sicherheit wollte kaum einer noch länger auf diesen großen Auftritt warten. Promt erschien auf der Leinwand eine digitale Uhranzeige und ein zwanzig minütiger Countdown begann. Zack, da wurde es auch schon wieder hell in der Halle und auf der Bühne begann die Umbauarbeit für die so sehnsüchtig erwarteten Stars des Abends. Nach einer kurz aufgekommenen Stille wurde es nach und nach wieder lauter; ein Stimmengewirr von mehreren Tausend Menschen erhob sich. Ich ließ meinen Blick durch die Halle schweifen, auch über die Sitzränge, wo sich die Lücken inzwischen langsam zu füllen begonnen hatten, und wartete mit meinem Begleiter die Zeit ab. Irgendwann zeigte der Countdown immer noch ganze Zehn Minuten an … Sieben Minuten … Ab Fünf Minuten wurde die Menge merklich unruhiger. Gespräche wurden nach und nach eingestellt, immer mehr Pfiffe erklangen, die Menschen um mich herum drückten sich nach vorn, um so nah wie möglich an die Bühne heran zu kommen. Kurzum: Die Spannung stieg. Auch die Temperatur. Aber das war in dem Moment Nebensache, denn schon bald brach die letzte Minute an und ehe man sich versah, zählte die Publikumsmenge die letzten Zehn Sekunden rückwärts mit. Endlich zeigte die Leinwand 00:00:00 an – doch nichts passierte. Dieser Moment der Stille daraufhin, in dem wahrscheinlich jeder gleichermaßen verwirrt wie erwartungsvoll nach vorne blickte, wirkte fast schon komisch auf mich, wenn ich nicht selbst eine von ihnen gewesen wäre. Einige Augenblicke verstrichen, bevor auf einmal ein zusammengeschnittenes Video über Nickelback über die Leinwand flimmerte, das ich ein wenig enttäuscht, aber trotzdem interessiert, verfolgte. Das Video endete wenige Minuten später und wieder erhob sich eine gespannte Stille in der Halle, fast wie die berüchtigte Ruhe vor dem Sturm. Dann ging plötzlich das Licht aus, die Halle war in Dunkelheit getaucht und das Publikum explodierte regelrecht in Erwartung dessen, was nun unweigerlich und endlich folgen würde.
Die ersten Töne von „Feed the Machine“, dem Titelsong des noch aktuellen Albums, ertönten. Auf der Leinwand erstrahlten Science-Fiction anmutende Bilder und zwischen Massen an Nebelschwaden erschienen unsere vier sehnsüchtig erwarteten Musiker. Vergessen war die Zeit des Wartens, ab jetzt zählte nur noch das Hier und Jetzt – und das war fulminant!
In der Zeit seit ihren letzten Deutschlandbesuchen hatte Nickelback zudem kein bisschen seiner Sympathie und Offenheit gegenüber den Fans verloren. Einmal mehr nahmen sie zwei glückseelige Menschen aus dem Publikum zu sich auf die Bühne, die dann mit Frontsänger Chad Kroeger gemeinsam das Lied „Rockstar“ anstimmen durften und zu dem Lied „Animals“ durfte ein überglücklicher Fan sogar als zusätzlicher Gitarrenspieler fungieren. Auch ihrem Humor blieben sie treu. In den Pausen zwischen den Liedern unterhielten vor allem Chad und sein Bandkumpel und Gitarrist Ryan Peake das Publikum wie immer prächtig mit gegenseitigen Neckereien, witzigen Erzählungen und ihren – mehr schlecht als rechten – Deutschkenntnissen. „Das ist verboten!“, „Maulwurf“ und „Das ist nicht mein grüner Frosch“ sind dabei nur einige wenige, aber durchaus amüsante Beispiele. Favorit ist und bleibt wohl aber „Geile Scheiße!“, was auch das Publikum fand.
Woraus sich die beiden auch keinen Hehl machten, ist ihr immer wiederkehrendes Verlangen nach Alkohol auf der Bühne, dem ein Kerl aus dem Backstagebereich stets nachkam und im Laufe des Konzerts mehrmals mit gefüllten Bechern auf der Bühne auftauchte. Selbstverständlich wurde dann auch jedes Mal auf das hiesige Publikum getrunken: „Frankfurt – Prost!“ hieß es dann, worauf dieses ihnen stets begeistert entgegen grölte.
Bei all den Annehmlichkeiten wurde aber natürlich auch mächtig abgeliefert. Lieder wie „Something in Your Mouth“, „Million Miles an Hour“, „When We stand together“ und „Song on Fire“ durften unsere Ohren beglücken. Dem Nickelback-Kenner dürfte nun inzwischen aufgefallen sein: Es wurden vor allem Lieder aus früheren Alben gespielt. Dies schien aber auf dem Konzert niemanden sonderlich zu stören, im Gegenteil, denn es wurde kräftig mitgesungen, getobt, getanzt und gefeiert was das Zeug hält. Da durften allerdings auch die Balladen nicht zu kurz kommen, somit kam die Menge auch in den Genuss von beispielsweise „Photograph“ und „Far Away“. Letzteres wurde dabei von Chad mit den Worten „Let´s do one for the ladies“ eingeleitet und tatsächlich schienen bei diesem Lied vor allem wir Mädels mit dabei gewesen zu sein (hmm,warum wohl?). Selbes Spiel bei „What are You waiting for“.
So schön das Konzert auch war (und das war es gewiss!), auch dieses musste irgendwann ein Ende nehmen und nach einer starken Zugabe mit den Liedern „Gotta be Somebody“ und „Burn it to the Ground“ verabschiedeten sich unsere vier Musikhelden auch schon von uns. Selbst als sie bereits von der Bühne verschwunden waren, dauerte der überschwängliche und donnernde Beifall der Fanmenge noch lange an; wenigstens ein kleines Dankeschön an die vier Menschen, die uns einen unvergleichlichen Abend beschert und denen wir so viele tolle Lieder zu verdanken hatten.

Von: Caroline Guzowski

Bild: PACO