Letzte "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

25.08.2017
Teil III

©Filmfest München/Kurt Krieger

Chilly: Du bist ja auch schon mal selbst drei Jahre Juror gewesen beim Jugendvideopreis. Warum sind solche Preise für den Filmnachwuchs so wichtig?
Nico: Das Tolle ist, dass sich dort alle Altersgruppen bewerben können, auch Kinder und die Arbeit beim Deutschen Jugendvideopreis war eine wirklich tolle Erfahrung für mich. Es ist sehr interessant, wie die Kids noch ganz unverblümt Sachen probieren, z.B. Animationsfilme. Das ist einfach wahnsinnig bunt und ich fand es toll, welcher Nachwuchs da heranwächst! Da merkt man auch, dass es wichtig ist, dass junge Leute Bestätigung bekommen, auch wenn sie keine guten Filme machen, aber wenn sie etwas gemacht haben, wo man sagen kann: „Das ist noch kein perfekter Film, aber in der Sache hast du Talent!“ Das muss man diesen jungen Leuten mitteilen und sie zum Weitermachen motivieren, weil man diesen Mut braucht als junger heranwachsender Künstler. Da tut es gut von außen, von einer Jury, zu hören, dass man auf einem guten Weg ist. Es ist immer sehr schade, wenn Talente es nicht schaffen, weil sie nicht entdeckt wurden und das Pech hatten, dass sie keine Jury mal irgendwo lobend erwähnt hat. In meinen Fall war das auch so, dass meine Filme erstmal keine Preise gewonnen haben, was ich sehr blöd fand, aber definitiv berechtigt war. (lacht) Aber als es dann anfing mit der ersten lobenden Erwähnung, hat mir das wahnsinnig Mut gegeben weiterzumachen. Das ist total wichtig. Das Weitermachen! Mit diesem Ansatz habe ich eben gerne mitgemacht in dieser Jury und kann das nur empfehlen.

Chilly: Die meisten deiner Filme sind ja Familienkomödien oder Tragikomödien, wo eine Beziehungskrise eine große Rolle spielt, wie jetzt auch in „Lucky Loser“. Denkst du, dass dieses Genre die Leute am meisten ins Kino zieht, weil sie sich damit identifizieren können?
Nico: Ich bin der Meinung, dass Beziehungskomödien sehr angenehm sind und dass Leute das sehen wollen, ich sehe da Potenzial. Für mich ist es so, dass ich glaube das am besten zu können. Daher ist „Lucky Loser“ jetzt auch meine dritte Beziehungs-Tragikomödie sozusagen. Paare, die auseinandergehen und wieder zusammenkommen und mit Verwicklungen zu tun haben, das reizt mich und ich finde dieses Feld spannend und unterhaltsam. Und ich finde wichtig, dass man das unterhaltsam erzählt.

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Chilly: Arbeitest du schon an einem neuen Projekt?
Nico: Ich arbeite an einer Mini-Serie mit Peter Trabner, für Peter Trabner, aber das ist noch ein langer Weg. Ob das jemals etwas wird, weiß man nicht, da muss man mal schauen. Der Markt ist ja momentan auch übersättigt von Serien. Ansonsten arbeite ich natürlich auch an weiteren Spielfilmprojekten.

Chilly: Gehst du an Fernsehfilme anders ran als an Kinofilme?
Nico: Eigentlich nicht. Also wenn, dann nur in der Bildsprache. Im Kino ist es so, dass man da nicht so nah rangehen darf, pauschal gesagt, also man muss eher Einstellungsgrößen wählen, die weiter weg sind, weil die Leinwand riesig ist und wenn man den Kopf zeigt ist der fünf Meter groß. Im Fernsehen ist das nicht so schlimm, selbst die Flachbildschirme sind maximal zwei Meter breit, na gut, normalerweise. In der Kameragestaltung ist das durchaus ein wichtiger Unterschied, ansonsten würde ich aber nicht anders Filme drehen, weder in der Tonbearbeitung noch in der Musik oder in den Darstellern etc. Immer versuchen das doppelte Maximum anzustreben.

Chilly: Und dramaturgisch? Im Kino ist es ja einfacher den Zuschauer zu behalten, weil er sich nach dem Kauf einer Karte den Film in der Regel auch ganz ansieht, beim Fernsehen wird ja schnell umgeschaltet, da ist der Anfang sicher von größerer Bedeutung, man kann sich mit der Handlung nicht so viel Zeit lassen kann, oder?
Nico: Das stimmt, aber für mich ist das auch Maßgabe für das Kino, dass ich versuche die Zuschauer von Anfang an bei der Stange zu halten. Natürlich kann man sich im Kino leisten, zu Beginn ein bisschen Tempo rauszunehmen, da sprichst du den richtigen Unterschied an. Allerdings versuche ich da keine Unterschiede zu machen. Egal ob Fernsehen oder Kino sehe ich es als meine Aufgabe, zu versuchen, den sogenannten Zustand der Selbstvergessenheit herzustellen. Das bedeutet, im besten Fall gehst du nicht auf Toilette und trinkst gar nichts, weil du so gebannt bist von der Geschichte, dass du dich selber vergisst. Das ist das Ziel was ich versuche als Filmemacher zu erreichen. Ob Kino oder Fernsehen, egal.

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Chilly: Was bedeutet es für dich, dass „Lucky Loser“ hier auf dem Münchner Filmfest Premiere feiert?
Nico: Für mich ist es wahnsinnig schön jetzt hier sein zu dürfen, weil ich quasi mit jedem meiner Filme auf einem anderen Festival die Weltpremiere feiern durfte, mit „Silvi“ auf der Berlinale, mit „Familienfieber“ beim Max Ophüls Festival und mit diesem dritten Film hier schließt sich ein Kreis für mich, weil das schon die drei größten Plattformen für den deutschen Nachwuchs sind. Deshalb ist es umso schöner, dass ich mit jedem Film ein anderes Festival erleben durfte. Es war mir sehr wichtig, dass es auf dem Münchner Filmfest klappt und ich bin sehr glücklich, dass es funktioniert hat. Jetzt bleibt mir nur zu hoffen, dass der Film beim Publikum ankommt.

Chilly: Dafür wünschen wir dir viel Erfolg! „Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille“ läuft seit dem 10. August 2017 im Kino.

Hier der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=brx1nyLH_UI