Nächste Redaktionssitzung

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12.06.2018
Wie die Karriere des Regisseurs in St. Ingbert begann | TEIL V

Von Sandra Cavallaro

Chilly: War es von Beginn an dein Ziel eine Filmhochschule zu besuchen?
Florian: Ja, ich hatte auch eigentlich geplant direkt zu studieren. Das hat dann leider nicht direkt funktioniert, ich musste mich sehr oft bewerben. Aber es war immer klar, wenn ich etwas in die Richtung Kinofilme machen will, dann geht das am besten über die Filmhochschule, weil es einfach eine Stufe ist, auf der man das Arbeiten an einem professionellen Filmset lernen kann und gleichzeitig gibt es eine gewisse Aufmerksamkeit. Die Filme, die an Filmhochschulen entstehen, kriegen andere Aufmerksamkeit auf Filmfestivals. Es gibt extra Veranstaltungen, zu denen Produzenten eingeladen werden, man wird mit der Branche bekannt gemacht, es gibt da Verknüpfungen in den professionellen Filmbetrieb, es gibt einfach eine Brücke zur richtigen Filmwelt und die kann man dann mit Glück und in unserem Fall auch mit viel Willen überqueren. Es klappt natürlich nicht immer in die Filmwelt reinzukommen, wir haben mit Pantaleon zum Glück eine Firma gefunden, die uns gefördert und unseren Film mit uns gemacht hat und das wäre ohne das Filmstudium nicht gegangen.

Chilly: Denkst du, dass man um auf einer Filmhochschule überhaupt genommen zu werden, schon besondere eigene Projekte gemacht haben muss?
Florian: Man sollte auf jeden Fall etwas in der Richtung machen. Es ist ja nicht gesagt, dass es beim ersten Mal klappt und da sollte man sich nicht unterkriegen lassen, sondern weitermachen und einfach akribisch weiterarbeiten. Was ich gemacht habe, ich habe meine Bewerbungsfilme einfach an Kurzfilmfestivals geschickt und geguckt, wie die Resonanz dort ist, ob es dort Leute gibt die meine Filme toll finden und dann wurde ich nach Manhattan eingeladen, zu einem der renommiertesten Kurzfilmfestivals in New York, mit einem Film, der an Filmhochschulen abgelehnt wurde. Das war eine ganz merkwürdige Situation, zu sehen, die Filmhochschule will den Film nicht, aber gleichzeitig war die Resonanz auf diesem Festival enorm und ich bin eine Woche nach New York eingeladen worden. Dort wurde mein Film öffentlich in einem Park gezeigt vor 800 Leuten. Das phänomenale Feedback dort hat mir das Gefühl gegeben, was ich mache kommt doch bei Zuschauern an und dann macht man weiter. Man sollte auf keinen Fall, weil man an einer Filmhochschule abgelehnt wurde das Handtuch schmeißen, sondern weiter schauen, auf welche Resonanzen man mit einem Film stößt.

Chilly: Hast du dich bei den einzelnen Filmhochschulen mehrmals beworben, oder nach jeder Ablehnung bei einer anderen, bis es bei der ersten geklappt hat?
Florian: Weil es natürlich sehr aufwändig ist so eine Bewerbungsmappe zu erstellen, man muss dafür ja einen Kurzfilm drehen, Fotos machen, sich eine Geschichte ausdenken und und und, habe ich mir irgendwann gesagt, ich versuche es bei jeder Hochschule 2mal und danach habe ich keinen Bock mehr. Bei der ifs (Internationale Filmschule Köln) habe ich es beim ersten Mal schon ins nähere Auswahlverfahren geschafft, das geht dann eine Woche, es sind 20 Leute eingeladen, die Regie machen wollen, 10 oder 8 davon werden genommen. Da war ich dann erster auf der Nachrückliste, also bin ganz knapp gescheitert und war richtig frustriert, habe dann aber überlegt, ob ich es noch ein letztes Mal probiere und dann auch Rücksprache mit der ifs gehalten, woran es gelegen hat. Die meinten dann auch, ich soll es einfach nochmal probieren, was ich dann gemacht habe. Das war der letzte Versuch, meine 12te Bewerbung, die dann endlich geklappt hat. Anscheinend sollte es dann so sein.

Chilly: War es dann gar nicht so, dass du nachdem du mit deinem Kurzfilm „Clooney“ in Manhattan warst, bessere Chancen an Filmhochschulen hattest?
Florian: Nein. Die haben sich den Film schon genauer angeschaut und ich dachte auch, ich habe damit durch das gute Feedback in New York etwas erreicht, aber das sind nicht so die Kriterien der Filmhochschule. Es geht gar nicht darum, ob man den besten Film gemacht hat, sondern wie die Leute, die sich beworben haben als Team zusammenpassen, denn es muss ja eine homogene Gruppe werden. Es geht also auch um solche Dinge und weil ich in meinem ersten Bewerbungsjahr mit meinem Film einfach nicht in die Gruppe reingepasst habe, habe ich gedacht ich probiere es nochmal in der Hoffnung, dass sie dieses Mal eine Gruppe haben, wo ich reinpasse und so war es dann auch.
Chilly: War die Internationale Filmschule Köln deine Wunschhochschule?
Florian: Eigentlich schon. Die ifs ist zwar privat, aber was ich an ihr mag ist, dass dort alles sehr nach der richtigen Filmwelt ausgelegt ist, also die Gewerke werden ja einzeln angeboten und das Konzept ist, dass sie halbe Professorenstellen haben. Es gibt immer Professoren, die auch noch aktiv Filme machen und einem beinbringen können, wie es in der Filmwelt läuft. Wenn man Filme dreht, wird auch genau geschaut, dass die Standards eingehalten werden, die auch später in der Filmwelt so sind. Arbeitszeiten müssen eingehalten werden, man darf nicht länger als 8 Stunden drehen, die Pausenzeiten müssen eingehalten werden. Das gibt einem eine gute Vorbereitung.
Chilly: Wie hilfreich findest du es im Nachhinein, vor dem Studium eine Ausbildung zum Mediengestalter in einer Werbefirma gemacht zu haben?
Florian: Für mich war das der größte Glücksfall. Ich habe das Handwerk gelernt, ich kann jetzt schneiden, ich weiß wie man Avid bedient, das ist das Schnittsystem, mit dem alle Filme geschnitten werden, ich kann Kameras bedienen, weiß wie der Ton funktioniert… Man kann auch mit den Gewerken, wenn man später als Regisseur arbeitet, viel besser kommunizieren, wenn man von den Dingen Ahnung hat. Man denkt beim Auflösen dann auch anders, für mich war das sehr hilfreich.

Chilly: Würdest du jedem, der in die Filmrichtung gehen will diese Ausbildung empfehlen?
Florian: Es schadet auf jeden Fall nicht und ist sehr hilfreich sich weiterzuentwickeln, egal ob in Form von Praktika oder einer Ausbildung. Hauptsache nicht stillstehen, sondern weitermachen. Wenn es über das Studium nicht klappt eben einfach zuerst z.B. eine Ausbildung machen und gucken, dass man besser wird und mehr Erfahrungen sammelt.

Chilly: Willst du auch bei Pantaleon im Marketing und der Werbung weiterarbeiten?
Florian: Werbung ist für mich auch immer wieder eine gute Gelegenheit Erfahrungen zu sammeln. Das gute an Werbung ist halt, ein Projekt ist schnell abgearbeitet, man entwickelt eine Idee, setzt diese um und es ist innerhalb von 2-3 Monaten abgehakt. Ein Film dauert 1 ½ Jahre und Werbung geht halt schnell, deshalb kann das auch zwischendurch Spaß machen und vom Marketing komme ich ja auch her.

Chilly: Nimmt dich dein neues Drehbuch jetzt schon so ein, dass du bei anderen Pantaleon-Drehs gar nicht mehr dabei sein kannst?
Florian: Ja, bei der zweiten Staffel von „You are wanted“ war ich nicht dabei gewesen, weil ich zu der Zeit für „Vielmachglas“ im Schnitt war und „100 Dinge“ wird gerade aktuell gedreht, aber ich soll mich jetzt stärker auf mein nächstes Drehbuch konzentrieren und dieses Projekt entwickeln. Deshalb bin ich da erstmal nicht dabei, auch wenn Florian David Fitz schon gesagt hat, er hätte gerne nochmal mit mir gedreht. Er kennt mich ja gut von „Der geilste Tag“ und hat gehofft, dass ich dabei bin, aber ich soll mich jetzt auf meinen Film vorbereiten, damit der dann möglichst schnell gedreht werden kann.

Chilly: Auch für deinen neuen Film schon mal ganz viel Erfolg und vielen Dank, dass du dir so viel Zeit für dieses Interview genommen hast!

Foto: Warner Bros