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08.06.2018
Wie die Karriere des Regisseurs in St. Ingbert begann | TEIL I

Von Sandra Cavallaro

Angefangen hat für Florian Ross alles mit 20 DM für eine Hi8-Kassette, eine Tube Kunstblut und eine VHS-Kassette. Inspiriert von „Jurassic Park“ drehte der Saarbrücker im Alter von 15 Jahren mit seinem Bruder und zwei Freunden eine Verfolgungsjagd durch den Wald zwischen St. Ingbert und Elversberg, ein Jahr später entstand daraus am VHS-Recorder seines Vaters der Kurzfilm „Ahnungslos“. 1998 führte der Regisseur sein Filmdebüt in der Kinowerkstatt St. Ingbert auf, stolz, dass der Kinosaal mit 60 Zuschauern voll war. 20 Jahre später präsentiert er hier seinen ersten Kinofilm „Vielmachglas“, der nach dem Kinostart-Wochenende bereits 65.000 Zuschauer sowohl bewegt, als auch zum Lachen gebracht hat.

Für die Hauptrolle der 20-jährigen Marleen, die sich, gelähmt von den unbegrenzten Möglichkeiten, für keinen Studiengang entscheiden kann, konnte Florian Ross Fack ju Göhte – Star Jella Haase gewinnen. An ihrer Seite Matthias Schweighöfer als großer Bruder, der sein halbes Leben auf fremden Kontinenten verbracht hat. Auf dem Sprung zu seiner nächsten Reise schenkt Erik seiner Schwester ein „Vielmachglas“, kein Einmachglas, denn sie soll ja im Leben nicht nur eines machen, sondern vieles. Jedes Abenteuer und jeden Anflug von Mut soll Marleen auf einen Zettel schreiben und in ihr Vielmachglas werfen. Ein Schicksalsschlag bringt die junge Frau schließlich dazu, sich den Rat ihres Bruders zu Herzen zu nehmen, ihre Komfortzone zu verlassen und alles hinter sich zu lassen, um eine abenteuerliche Reise anzutreten, die zum Selbstfindungstrip wird, auf dem Marleen und vielleicht auch der ein oder andere Zuschauer lernt „Ja“ zu sagen.

Doch was tun, wenn die Leute „Nein“ sagen? Obwohl Florian Ross, im Gegensatz zu seiner Hauptfigur, nie Zweifel daran hatte, was er beruflich machen wollte, musste er lange durchhalten, bis er seinen Traum vom eigenen Kinofilm in die Tat umsetzen konnte.

Im Interview gibt der Regisseur am Beispiel seines Spielfilmdebüts einen tiefen Einblick in die verschiedenen Produktionsphasen eines Kinofilms und erzählt von seinem beeindruckenden Werdegang, von „Ahnungslos“, über die Ausbildung in einer Werbefirma und 12 Hochschulbewerbungen, bis hin zum Vertrag bei Matthias Schweighöfers‘ Produktionsfirma Pantaleon.

Chilly: Wann warst du denn das letzte Mal hier in der St. Ingberter Kinowerkstatt?

Florian: 2015 war ich das letzte Mal hier und habe meine ganzen Kurzfilme gezeigt, die ich an der Filmhochschule gedreht habe. Ich freue mich sehr heute wieder hier zu sein, dass ich hier meine Filme zeige ist mittlerweile zu einem regelmäßigen Event geworden.

Chilly: Wie kam es denn dazu, dass du deinen ersten Film „Ahnungslos“ 1998 hier zeigen konntest?

Florian: Ein Freund von mir, Christian Lang, hatte damals schon mit der Kinowerkstatt zu tun und kannte auch den Gründer Wolfgang Kraus, der uns sofort angeboten hat, den Film in seinem Kino zu zeigen. Früher stand hier ja noch ein richtiger Filmprojektor, aber wir hatten den Film nur auf einer VHS-Kassette. Deswegen mussten wir einen Beamer und einen VHS-Recorder organisieren. Wir hatten nachher tatsächlich die Hütte voll, 60 Leute waren hier. Wir haben sogar Eintritt verlangt, aber extra auf das Ticket drauf geschrieben, dass wir das Geld nicht zurückgeben, weil wir Angst hatten, dass die Leute den Film nicht so gut finden. Aber es war natürlich ein riesen Spaß für meine Familie und meine Freunde ihn zu sehen. Wir haben auch noch das Making-Of mit allen Versprechern und Outtakes gezeigt, das war wirklich ein sehr cooles Event.

Chilly: Hattest du damals mit 15 schon den Berufswunsch Filmemacher zu werden?

Florian: Der Wunsch kam tatsächlich erst richtig mit der Premiere von „Ahnungslos“. Da habe ich gemerkt, wie viel Spaß es macht seinen Film zu präsentieren und Feedback zu bekommen. Das war eine der Initialzündungen zu dem Wunsch irgendwann mal Regie zu führen, bei einem eigenen großen Kinofilm, deswegen war die Präsentation hier im Kino auf jeden Fall ein wichtiges Erlebnis für mich.

Chilly: Du hast ja in „Ahnungslos“ auch selbst mitgespielt. Hast du auch darüber nachgedacht Schauspieler zu werden?

Florian: Ich musste mitspielen, weil ich nicht viele kannte, die schauspielern wollten. Damit ich die Kamera bedienen kann, musste ich dann aber auch relativ schnell sterben im Film. Meine Mutter hat an einem Tag die Kamera bedient, aber danach konnte sie auch nicht mehr mitkommen und wir hatten kurzzeitig niemanden hinter der Kamera. Als ich tot war, konnte ich dann aber Kamera und Regie übernehmen. Schauspieler zu werden war eigentlich nie eine Option für mich, die Idee war von Anfang an selbst Filme zu machen und Regie zu führen.

Chilly: „Ahnungslos“ ist ja sehr an „Jurassic Park“ orientiert. Gehört die Reihe bis heute zu deinen Lieblingsfilmen?

Florian: Es ist schon immer noch einer meiner Lieblingsfilme und damals einfach der prägendste Film für mich gewesen. Das war auch die Vorfreude auf den zweiten Teil, zu dem habe ich mir extra das Making-Of gekauft, zu der Filmvorbereitung zum zweiten Teil gab es ein Buch, womit ich dann total darauf hin gefiebert habe. Generell war auch Spielberg einer der prägendsten Regisseure in meinem Leben und Jurassic Park Filme zu gucken macht mir heute immer noch Spaß.

Chilly: Ist Science-Fiction das Genre, was du persönlich am liebsten schaust?

Florian: Würde ich gar nicht sagen, es gibt sehr viele Genres, die ich mag und auch unterschiedliche Regisseure, an denen ich mich orientiere. Deshalb würde ich Science-Fiction nicht als mein Lieblings-Genre auserkoren, es kommt eher darauf an, ob die Geschichte mir generell zusagt. Dafür muss es nicht immer Science-Fiction sein, auch wenn ich Science-Fiction immer wieder gerne schaue.

Chilly: Jetzt war mit „Vielmachglas“ dein erster Spielfilm gleich ein Roadmovie. Sind solche Filme nach deinen Erfahrungen, auch aus anderen Produktionen, die aufwändigsten? …

Teil II des Interviews folgt morgen.

Foto: Warner Bros