Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

23.08.2017
Teil I

Chilly: Für uns als Jugendmagazin wäre es interessant zu erfahren wie du im Jugendalter zum Filmemachen gekommen bist. In welchem Alter hast du damit angefangen?

Nico:  Ohne daran zu denken, habe ich mit 15 immer die Urlaubsvideos gedreht und daran Spaß gefunden, ohne zu wissen, was da sozusagen passiert. Das hat mich fasziniert und bereichert, ich habe das Material auch geschnitten, obwohl ich gar keinen Schnittrechner hatte, also mit dem Videorecorder, den es damals noch gab. Und dann wuchs diese Neugierde, was Film alles sein kann. Mit 16 habe ich dann begonnen Filme zu machen.

Chilly: Als es dann an die Filmhochschule ging, war für dich sofort klar, dass du Regie studieren willst oder kamen auch andere Bereiche wie Kamera in Frage?Nico: Mit 19, nach dem Abitur stand für mich fest, dass ich Filmemacher werden will. Natürlich überlegt man dann, was einem liegt, Kamera, Schnitt, Regie usw. Aber ich war immer an der Gesamtgestaltung eines Films interessiert und das ist nun mal die Regie.

Also habe ich mich ganz klassisch an Filmhochschulen beworben. Zu der Vorbereitung zu so einer Bewerbung zählt auch Filme machen, Texte schreiben und Praktika sammeln. Die habe ich in unterschiedlichsten Bereichen gemacht, bei Agenturen, Dienstleistern, Filmproduktionen… Das ist ein ganz klassischer Weg, den man als Filmstudent geht. Letztendlich bin ich nicht an eine reine Filmhochschule gegangen, sondern an die Kunsthochschule in Kassel, wo man z.B. auch Grafik macht, Illustrationen, neue Medien und viele experimentelle Sachen. Dort studieren viele verschiedene Kunstklassen jahrgangsübergreifend gemeinsam. Was ich so wahnsinnig toll fand ist, dass sich im Studium dort Freiheit entladen kann. Man kann machen was man möchte und wird dabei durch Professoren begleitet. Das ist eine wahnsinnig gute Schule um sich zu entdecken, um neue Räume zu öffnen.

Chilly: Dann war diese Schule auch ein Grund für dich aus Berlin wegzugehen?

Nico: Genau, zum Studium bin ich für sechs Jahre nach Kassel gezogen. Danach bin ich aber zurück nach Berlin. Das ist meine Heimat und da war ich auch während des Studiums häufig zu Besuch.

Chilly: Du hast ja sowohl Spielfilm, als auch Dokumentarfilm studiert, aber schon immer versucht, beides zu verbinden. Was hat dich an sogenannten Mockumentaries fasziniert?

Nico: Diese Mockumentaries tun so als wären sie echt, es ist aber alles gefaked. Diese Filme wollen provozieren, meistens auf einen bestimmten Missstand hinweisen, häufig sind sie politisch. Da war also diese Faszination der Vermischung von Echtem und vermeintlich Falschem, von Fiktivem und Realem. Als Zuschauer merkt man wie interessant diese Mischung ist. Es hat eine interessante Ausstrahlung, mit der man teilweise sehr effektiv bestimmte Sachen erzählen kann. Die Situationen, die passieren, sind nämlich so krass, dass man gar nicht glauben kann, dass es echt ist. In der Regel wird dann auch im Abspann eines solchen Films aufgelöst, dass das alles fiktiv gewesen ist. Stromberg ist ein kleines deutsches Beispiel dafür. Der Mann spricht in die Kamera, was eine leichte dokumentarische Komponente verschafft und dadurch wirkt es näher dran, der Zuschauer bekommt einen Bezugspunkt. Daran kann man sich besser reiben als an einem rein fiktiven Film, der einfach nur auf der Leinwand stattfindet ohne einen evtl. zu berühren oder zu provozieren.

Chilly: Dein Film „Vaterlandsliebe“ ist ja solch eine Mockumentary, die zahlreiche Auszeichnungen auf verschiedenen Festivals erhielt. Dieser Film ist politisch sehr provozierend, aber auch nicht ganz eindeutig. War das dein Ziel? Was wolltest du damit bezwecken?

Nico: Es war das Ziel des Films zu provozieren, der sollte über Grenzen gehen und durfte es auch, weil es eine Mockumentary ist, weil es keine echte Figur ist. Wenn es ein Dokumentarfilm mit einer existierenden Person gewesen wäre, dann hätte ich als Filmemacher einen Ethos gehabt, das es mir verboten hätte so mit dem Mann umzugehen, ihn so darzustellen. Aber in dem Moment wo es fiktiv ist, kann ich bestimmte Dinge provozieren, eine Frage stellen und dadurch vielleicht eine Diskussion anregen und im besten Fall auch noch unterhalten. In dem Kurzfilm ist es uns, gemeinsam mit Fabian Püschel, glaube ich gelungen, das alles zusammenzubringen. Ich bin immer noch stolz auf diesen Film. Er ist nach wie vor aktuell und man kann sich nach wie vor daran stoßen. Und ich glaube das schafft man mit der Form einer Mockumentary am besten.

Chilly: Wusstest du im Vorhinein, dass „Vaterlandsliebe“ FSK 18 haben wird?

Nico: Nein, das war mir nicht klar. Das ist auch sehr absurd, weil er „Prädikat besonders wertvoll“ bekommen hat, weil er so ist wie er ist und deswegen kriegt er aber FSK 18, weil man ihn Jugendlichen nicht zumuten kann, da sie eventuell falsch geleitet werden, sie könnten durch diesen Film einen falschen Eindruck bekommen, der ihre politische Haltung verändert. Das finde ich sehr albern.

Wie es weitergeht, erfahrt ihr in einem weiteren Teil morgen …