Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

06.01.2018
Lena Klenke und Emilio Sakraya im Interview

Foto: Jannik Gramm

Von Sandra Cavallaro

ROCK MY HEART bietet als erster deutscher Film spannende und authentische Einblicke in die Welt des Galopprennsports und erzählt ein bewegendes Abenteuer dreier Außenseiter: Dem scheinbar unzähmbaren Pferd Rock My Heart, dem hoch verschuldeten Pferdetrainer Paul, dargestellt von Altstar Dieter Hallervorden (HONIG IM KOPF, SEIN LETZTES RENNEN) und der rebellischen, herzkranken Jana, gespielt von Lena Klenke (FACK JU GÖHTE, VICTORIA, „Das letzte Schweigen“). An ihrer Seite Emilio Sakraya (BIBI UND TINA, „Winnetou“) in der Rolle des Freundes, der hin und her gerissen ist Jana zu unterstützen, oder von ihren risikoreichen Vorhaben abzuhalten. Wir trafen die beiden Jungstars kurz vor der Filmpremiere am 20. September zum Interview:

Foto: Jannik Gramm

Chilly: Wie seid ihr als Kinder zum Schauspiel gekommen?
Emilio: Ich wollte das schon sehr lange machen und das hat meine Mutter früh erkannt. Als ich neun Jahre alt war, hat sie mich dann zu einer Kinderagentur geschickt und so fing das dann alles langsam an.
Lena: Bei mir war es ähnlich. Ich habe mit 11 angefangen, vor der Kamera zu stehen. Da bin ich zu zwei Werbe-Castings gegangen und das hat gut geklappt. Mir hat das Spaß gemacht. Bei einem durfte ich sogar nach Barcelona fliegen, das war alles sehr aufregend. Danach habe ich auch zu meiner Mama gesagt: „Ich würde gerne in eine Schauspielagentur“, da war ich dann mit 12.
Chilly: „Das letzte Schweigen“ 2010 war ja dein erster Film mit Schauspielgrößen wie Wotan Wilke Möhring, Burghart Klaußner und Claudia Michelsen? Wie hast du die Zusammenarbeit empfunden?
Lena: Das war ein super Einstieg und auch ein sehr ernstes Thema, ein Thriller. Und danach wusste ich, dass ich das auf jeden Fall weitermachen möchte.
Chilly: Ihr habt ja beide euer Handwerk dann quasi „Learning by doing“ gelernt. Habt ihr auch malüberlegt an eine Schauspielschule zu gehen?
Lena: Ich hatte nie so den Theaterbezug. Ich habe immer gedreht und viel durch`s Beobachten und durch meine Kollegen gelernt. Deswegen kam das bei mir bis jetzt noch nicht in Frage.
Emilio: Ich bin jetzt auch nicht so Theater- orientiert. Deswegen steht das Studieren erst mal nicht an.
Chilly: Lena, „Fack ju Göhte“ war ja erst dein dritter Film, durch den du noch ganz zu Beginn deiner Schauspielkarriere einen sehr schnellen Aufstieg erlebt hast. Wie hat dein Umfeld darauf reagiert? Hat sich zu dieser Zeit viel für dich verändert?
Lena: Beim Dreh des ersten Teils wussten wir ja noch gar nicht, dass der so einschlägt. Da war mir das irgendwie gar nicht so bewusst, erst als der ganze Trubel darum los ging so nach und nach. Aber ich habe trotzdem – Gott sei Dank – schon immer Freunde gehabt, die damit mega cool umgehen und damit überhaupt nichts zu tun haben, sodass das nie wirklich eine Rolle gespielt hat.
Chilly: „Fack ju Göhte“ ist ja eine der wenigen Komödien, die du gemacht hast. Fallen dir Dramen leichter oder schwerer, auch von der Vorbereitung her?
Lena: Die Vorbereitung ist bei jedem Film anders. Da kommt es nicht so darauf an, ob es ein Drama oder eine Komödie ist, aber Komödie ist tatsächlich gar nicht so leicht wie man denkt. Man muss ja auch lustig auf den Punkt sein, sonst funktionieren die Witze nicht. Drama fällt mir tatsächlich ein bisschen leichter, wenn du so schön auf die Tube drücken kannst mit Gefühlen.
Emilio: Das finde ich auch. Mir fällt es leichter zu weinen, als ernsthaft zu lachen.
Chilly: Gibt es beim Weinen eigentlich irgendwelche Filmtricks, oder muss man das auf Knopfdruck können?
Lena: Da hat jeder seine eigene Methode. Man kann sich ja meistens ein paar Minuten Zeit nehmen, um sich in die Situation zu denken, wo man in sich geht und versucht sich eine Situation vorzustellen, die wirklich traurig ist. Und dann kommt meistens von selber.
Chilly: Bei mehreren Takes sicher gar nicht so einfach, irgendwann sind ja auch einfach keine Tränen mehr da und man hat sich schon ausgeweint…
Lena: Ja irgendwann ist es einfach drüber. Da muss man darauf vertrauen, dass der Regisseur irgendwann mal „cut“ sagt und nicht nach 10Wiederholdungensagt: „Wir machen es nochmal“. Irgendwann ist man einfach leer und kann nicht mehr weinen, das ist ja auch anstrengend.
Chilly: Emilio, du hast als letztes den Horrorfilm „Heilstätten“ gedreht. Was war dabei die Herausforderung?
Emilio: Sich nicht selbst in die Hose zu machen…(lacht) Die Herausforderung war tatsächlich, dass wir in alten Heilstätten gedreht haben. Besonders gruslig war es in den Kellerkatakomben, wo ich teilweise alleine durch musste und mich mit so einem kleinen Camcorder selber gefilmt habe. Das war ein bisschen creepy und hat nicht wirklich Spaß gemacht.
Chilly: Wann startet denn „Heilstätten“ im Kino?
Emilio: Im Februar 2018.
Chilly: Lena, was stehen bei dir für neue Projekte an?
Lena: Ich drehe momentan eine Sky – Serie, die sehr spannend wird. Unddann kommt natürlich am 26. Oktober „Fack ju Göhte 3“ ins Kino, nächstes Jahr noch ein anderer historischer Kinofilm von Regisseur Lars Kraume, den ich dieses Jahr gedreht habe.
Chilly: Was kannst du uns denn schon zu „Fack ju Göhte 3“ verraten?
Lena: Es wird auf jeden Fall sehr lustig. Es gibt viele neue Figuren und die Gang versucht, ihr Abi zu machen.
Chilly: Deine Rolle Laura gehört ja in den ersten beiden Teilen nicht so zu der Asi-Gang, wie entwickelt sie sich im dritten Teil?
Lena: Ich schaffe es endlich auch in die Clique rein und dadurch, dass meine Schwester, gespielt von Karoline Herfurth nicht mehr mitspielt, bekomme ich auch noch mehr Kontakt zu Herr Müller, was sehr interessant wird.
Chilly: Dann kommen wir jetzt mal zu eurem gemeinsamen aktuellen Film, „Rock my heart“. Welche waren denn dafür eure gemeinsamen Casting-Szenen?
Emilio: Einmal die Szene auf einem Kran, wie sie ursprünglich war. Im Film ist der Kran dann letztendlich einem Baggergerüst gewichen.
Lena: Genau, die Szene ist auch im Trailer, wo Emilio sagt: „Warum muss bei dir eigentlich immer alles so anstrengend sein?“, die mag ich sehr gerne. Und die zweite Szene war eine im Auto, wo Emilio mich aus dem Krankenhaus abholt und ich ihn anscheiße, ich habe eigentlich gar keinen Bock auf ihn.
Chilly: Lena, für dich war es ja der erste Dreh mit Pferden. Musstest du dafür reiten lernen oder hast du schon Reiterfahrung?
Lena: Ich hatte tatsächlich noch keine Erfahrung mit Pferden, ich hatte vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten drei Monate lang intensives Reittraining.
Chilly: Treibst du auch anderen Sport, wo du eine solch ähnliche Anstrengung vielleicht gewohnt bist? Du auch Emilio?
Lena: Ich bin gerne sehr viel in der Natur, gehe laufen oder Fahrrad fahren und Ski fahren.
Emilio: Ich mache auch viel Sport vor allem Indoor – also im Fitnessstudio. Laufen gehen ich aber auch gern dann aber an der frischen Luft.
Chilly: Reiten musstest du ja auch schon für die Bibi&Tina- Filme lernen und jetzt spielst du in „Rock my heart“ in einem Pferdefilm mit ohne zu reiten…
Emilio: Ja, schade! Ich wäre gerne nochmal geritten, aber ich war mit meinem Auto und meinem Mofa auch zufrieden.
Chilly: Lena, wie viel durftest du selbst reiten und wie viel wurde gedoubelt?
Lena: Ich habe immer versucht selbst zu reiten, ich durfte aber nicht immer wegen der Versicherung. Das Pferderennen am Ende durfte ich einfach nicht selbst machen, weil noch viele andere Faktoren mitgespielt haben. Schade, aber dafür bin ich Schauspieler und kein Jockey.
Chilly: Ihr hattet ja vier Pferde am Set, die „Rock“ in unterschiedlichen Szenen dargestellt haben. War es für dich eine Umstellung zwischen verschiedenen zu wechseln?
Lena: Nein, die waren eigentlich alle immer super drauf. Manchmal wusste ich dann selber gar nicht mehr welches welches ist, weil ihnen alle immer die Blässe geschminkt wurde, so dass der Kinobesucher immer DAS Pferd wahrnimmt. Da war ich dann selbst verwirrt, welches jetzt vor mir stand.
Chilly: Reiten gelernt hast du aber ja mit anderen Pferden. Wie hast du die Verbindung zum Pferd als Reitanfängerin wahrgenommen, ist das Reiten sehr davon abhängig und dann sehr unterschiedlich mit einem anderen Pferd?
Lena: Ja, man baut ja schon eine gewisse Beziehung zu dem Pferd auf, das war dann doch irgendwie jedes Mal eine kleine Umstellung. Aber ich hatte auch vor dem Dreh noch Zeit, mich mit dem tatsächlichen Filmpferd zu beschnuppern.
Chilly: Muss bei einem Dreh mit Pferden mehr improvisiert werden als sonst?
Lena: Pferde kannst du halt einfach nicht kontrollieren, die haben ja ihren eigenen Kopf. Da muss man häufig einfach auf sie reagieren und gucken was kommt. Aber dadurch wird es auch nie langweilig.
Chilly: Pferde haben ja auch nicht eine so große Aufmerksamkeitsspanne, musste deswegen schneller und mit wenigeren Takes gedreht werden?
Emilio: Es waren tatsächlich eher mehrere Takes.
Lena: Man muss manchmal viel rumprobieren, wie es passt und der Regisseur hat natürlich eine Vorstellung, wir als Schauspieler auch, das Pferd hat aber auch eine sehr eigene Vorstellung und ehe es da etwas gibt, womit alle happy sind, das kann schonmal länger dauern.
Chilly: Wo haben denn die Pferderennen stattgefunden, auf welcher Rennbahn?
Lena; In Köln, in Weidenpesch.
Chilly: Habt ihr vorher schonmal ein Pferderennen miterlebt? Wie ist eure Einstellung zu diesem Sport, auch im Bezug darauf, wie die Tiere behandelt werden?
Lena: Ich war vor diesem Dreh noch nie bei einem Pferderennen. Der Regisseur hat mir erst eins gezeigt. Ich habe es nie als einen sehr schlimmen Sport wahrgenommen, aber mich auch noch nie damit auseinandergesetzt.
Emilio: Vor dem Film bin ich auch noch nie mit Rennpferden oder einem Rennen in Berührung gewesen.
Chilly: Obwohl das Pferderennen der älteste deutsche Sport ist, gab es darüber noch keinen deutschen Film. Was denkt ihr woran das liegt?
Emilio: Gute Frage. In Amerika gab es ja schon immer viele Filme zu dem Thema.
Lena: Eigentlich ist es ein sehr interessantes Thema, aber ich glaube auf einer Rennbahn zu drehen ist immer wahnsinnig schwierig. Unsere Aufnahmen haben wir tatsächlich bei dem großen Preis von Europa gedreht. Um das alles künstlich herzustellen, braucht man ja wahnsinnig viele Menschen, Pferde und tatsächliche Jockeys. Wenn man aber wie wir bei einem realen Pferderennen dreht, hat man ganz viele Menschen, die gar nichts mit dem Film zu tun haben, die die ganze Zeit durchs Bild rennen können. Es ist alles einfach sehr aufwändig und das kostet den Produzenten Geld. Ich hoffe, man sieht es auf der Leinwand.
Chilly: Dass Jana, obwohl sie noch nicht lange reitet, lediglich mit der Amateurprüfung an einem Rennen teilnehmen kann, wäre das realistisch? Es wird ja auch im Film gesagt, um ein Jockey zu sein muss man 50 Siege abgelegt haben.
Lena: Genau, deswegen macht Jana ja auch nur an einem Amateurrennen mit, sie ist kein richtiger Jockey. Aber das geht, soweit ich es mitgekriegt habe auch schon mit dieser einen Prüfung, die man im Film sieht.
Chilly: Ein zweites großes Thema in „Rock my heart“ ist ja eine Herzkrankheit. Heben eure beiden Figuren Jana und Sami denselben Herzfehler?
Emilio: Ja, sie haben einen Atrio-ventrikulären Septumdefekt. Bei diesem Defekt geht es darum, dass das Herz das Blut was es rein pumpt nicht so schnell wieder rauspumpen kann, d.h. der Puls darf nicht zu hochsteigen, weil man sonst zu viel Blut im Herz hat und dementsprechend das Herz platzt. Im Film haben den gleichen Herzfehler, aber wir gehen sehr unterschiedlich mit der Krankheit um.
Lena: Genau, Sami ist ein bisschen vorsichtiger und Lena hat keinen Bock sich davon einschränken zu lassen.
Chilly: Sami bezeichnet Lena ja auch als die mutigste Person, die er kennt. Trotzdem hat sie vor vielem Angst, am meisten vor einer OP…
Lena: Ich glaube sie rennt auch einfach davor weg, sie möchte sich damit nicht auseinandersetzen und macht riskante Aktionen, wie nachts im Wald, wo sie am Anfang des Films da gefunden wird mit einem Mofa und auch noch getrunken hat. All das macht sie einfach nur, um vor der Krankheit wegzurennen.
Chilly: Ist es dir schwergefallen, dich in diese Sturheit hineinzuversetzen?
Lena: Das war nicht so schwer für mich, weil ich auch ein sehr sturer Mensch bin und mir nicht gerne etwas sagen lasse.Aber natürlich ist es eine Situation, die man so nicht nachvollziehen kann, weil ich jetzt noch nicht in der Situation war zu sagen: „So eine OP entscheidet über mein Leben und meinen Tod.“
Chilly: Seid ihr denn in Kontakt getreten mit Menschen, die diese Krankheit haben?
Emilio: Ja, wir haben ein Mädchen und ihre Mutter getroffen.
Lena: Die war ungefähr in unserem Alter und der konnten wir einfach mal alle Fragen stellen, wie es ist mit so einem Herzfehler zu leben.
Chilly: Ein angeborener Herzfehler ist die häufigste angeborene Fehlbildung. Ist es Ziel des Films auf diese Krankheit aufmerksam zu machen, wurde sie vielleicht deswegen ausgesucht?
Emilio: Der Film zeigt auf jeden Fall, dass es diese Welt gibt und wie es diesen Menschen damit geht.
Chilly: Lena bekommt ja von ihrer Mutter häufig gesagt, dass sie anders ist als andere. Macht ihr das viel aus oder lässt sie prinzipiell niemanden an sich ran?
Lena: Anders fühlen wegen dem Herzfehler tut sie sich auf jeden Fall. Ich glaube auch, dass sie dadurch so unselbstständig ist, das geht ihr auf die Nerven. Gerade in dem Alter möchte man ja einfach nur sein eigenes Ding machen und wenn du immer deine Mutter dabeihaben musst oder dir konstant jemand sagt: „Das darfst du aber nicht!“, das schränkt einen glaube ich sehr ein.
Chilly: Sami ist ja der einzige, der ein bisschen an sie rankommt. Aber liebt Lena ihn wirklich? Sie erzählt ihm ja auch von dem Pferd mit dem riesigen Herz, was nur für sie schlägt. Das hört sich ein bisschen an, als wäre da kein Platz mehr für Sami…
Emilio: Doch, ich würde mal vermuten schon. Sami ist generell einfach positiver gestimmt, in so ziemlich allem. Er glaubt fest daran, dass es ihm nach der OP bessergehen wird. Er liebt Jana einfach unsterblich und deswegen setzt er auch Himmel und Höhle für sie in Bewegung. Ich glaube, dass man in dieser Situation, einen Anker braucht, an dem man sich festhalten kann. Sonst wäre es sehr schwierig und die Verführung aufzugeben sehr groß. Und diese Kraft gibt Jana Sami.
Lena: Jana möchte nur einfach diese Liebe nicht annehmen, weil sie denkt, es hat überhaupt gar keine Zukunft. Ich glaube, eigentlich mag sie Sami auch mehr als sie sich eingestehen möchte.
Chilly: Vielen Dank für das Interview und viel Spaß bei eurer Premiere!