Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

19.06.2015
Wo Wünsche wahr werden

Goldschmied_MarleneMuerzIhre Werkstücke begleiten uns oft ein Leben lang. Sie fertigen ganz persönliche Gegenstände, die wir eventuell jeden Tag an unserem Körper tragen. So gesehen, schmieden sie Bünde fürs Leben: die Goldschmiede.

Doch wie kommt man überhaupt zu diesem Beruf? Und wie kann man sich diese Arbeit überhaupt vorstellen? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, habe ich die Goldschmiede ´Bijouterie Goedert´ in der Luxemburger Altstadt besucht. In dem Kleinbetrieb, in dem sechs Künstler zusammen werken, werden bereits seit 2002 Schmuckstücke aus Edelmetallen und außergewöhnlichen Farbedelsteinen in liebevoller Handarbeit gefertigt. Gesprochen habe ich mit Franziska und Serge Goedert (abgk. F.G. und S.G.), den beiden Geschäftsführern der Goldschmiede.

Chilly: Wodurch wurde Ihr Interesse für die Goldschmiedekunst geweckt?
F.G.: „Bei mir war das so, dass ich gerne gemalt habe, gerne handwerklich was gemacht habe und ich dann einen Beruf gesucht habe, wo man diese kreative Ader umsetzten kann. Also von – jetzt in diesem Fall – einer Zeichnung bis hin zur Herstellung eines Stücks, um am Ende ein schönes Resultat zu haben. Etwas worüber sich jemand freut, der das dann kauft und womit man selber sein Geld verdienen kann. Und an der Schule, für die ich mich entschieden hatte – das war die Fachhochschule in Idar-Oberstein für Schmuck und Edelsteindesign – da war die Voraussetzung, dass man ein neunmonatiges Praktikum bei einem Goldschmied gemacht haben muss. Das hat mich dann auch überzeugt, dass ich sagte „okay, gut, dann weiß ich auch, auf was ich mich einlasse für so ein Studium.“

Also lernt man dann den Beruf des Goldschmiedes durch ein Studium oder eine Ausbildung?
F.G.: „Man kann in einem Meisterbetrieb eine Ausbildung machen. Das ist meistens mit 16 Jahren nach dem Realschulabschluss und man legt dann am Ende der Ausbildung seine Gesellenprüfung ab. Während der Ausbildung geht man aber auch noch zur Fachschule, wo man die Theorie lernt. In meinem Fall habe ich aber erst Abitur gemacht und dann eben dieses Praktikum, was fast über ein Jahr ging und erst dann bin ich zur Fachhochschule gegangen. Der Studiengang hieß „Edelstein- und Schmuckdesign“.

Wie viele Arbeiten machen Sie auf eigene Initiative? Oder machen Sie eher Auftragsarbeiten?
S.G.: „Ich würde sagen, dass wir 90 % von unseren Arbeiten ohne Auftrag anbieten und daraufhin Kunden diese bei uns im Fenster entdecken oder auf unserer Internetseite oder auf unserer Facebook-Seite sehen und anschließend zu uns in das Geschäft kommen. Die werden dann angeregt und denken sich: „Oh, dieser Ring gefällt mir richtig gut, aber ich hätte den gerne mit einem blauen anstatt einem grünen Stein und dementsprechend wird er dann auf Maß oder auf die richtige Ringgröße angefertigt.“

Also bleibt da schon noch Raum für Kreativität?
S.G.: „Ja, auf jeden Fall! Häufig gibt es Arbeiten, für die man im Team zusammen nach Lösungen sucht. Und daraus resultieren ganz oft auch neue Ideen für Schmuck, wo man dann sagt: „Guck mal, das und das, wäre das nichts? Würde das nicht in unsere Linie passen? Und das machen wir ganz oft! Auch kommt es vor, dass Mitarbeiter wirklich selber die Initiative ergreifen und sagen: „Hier schaut mal! Das würde noch ganz gut passen!“ Oder: „Das fehlt! Da fehlt noch ein Anhänger dazu! Sollen wir den so und so machen?“Das kommt auf jeden Fall oft vor!“

Welche Techniken setzten Sie ein? Verwenden Sie Maschinen oder Computerprogramme?
S.G.: „Wir sind an sich für eine Goldschmiedewerkstatt der heutigen Zeit recht klassisch ausgerüstet. Wir arbeiten jetzt zum Beispiel nicht mit 3D-Programmen, die das Schmuckstück plotten und quasi halbfertig ausspucken. Wir arbeiten fast wie der Goldschmied vor knapp hundert Jahren. Die grundsätzlichen Arbeitsschritte haben sich nämlich nicht großartig verändert. Natürlich ist die Elektrizität dazu gekommen. Es sind Werkzeuge dazugekommen, die einem sehr behilflich sind und es einem erlauben schneller, effektiver und vor allem körperschonender zu arbeiten. Aber grundsätzlich ist der Beruf des Goldschmieds immer noch sehr traditionell und es wird alles von Hand gearbeitet.“

Welche Voraussetzungen sollte ein Goldschmiedlehrling erfüllen?
F.G.: „Es muss eine Person sein, die handwerklich begabt ist, die auch kreativ ist und die die Fähigkeit besitzt, nach Lösungen zu suchen. So ein bisschen wie ein Tüftler-Typ.“
S.G.: „Und man muss ein Teamplayer sein, ganz wichtig! Man muss im Team arbeiten können, zusammen nach Lösungen suchen können! (…) Es ist an sich ein Arbeiten mit allen Sinnen. Man muss gut sehen und tasten können. Was auch wichtig ist, ist das Hören, weil man darüber schon merkt, in welchem Zustand sich das Metall befindet. Gut riechen können muss man manchmal auch. Also es kommt wirklich viel zusammen. Und dann braucht man natürlich körperliche Kraft.“

Meine letzte Frage ist: Wie war Ihre Ausbildung? Wie war bei Ihnen die Gewichtung von Theorie und Praxis?
S.G.: „Bei uns war sehr viel Praxis, was auch gut war, da man natürlich diese ganzen praktischen Fertigkeiten irgendwo und irgendwann lernen muss! Das war schon sehr gut! Wobei die Theorie natürlich auch nicht zu vernachlässigen ist! Ob das jetzt Metallogie oder Kunstgeschichte ist, man braucht einen gewissen Hintergrund. Wenn der Kunde von Anfang an mehr weiß, dann stehen wir schlecht da. Also, ob das jetzt in Chemie ist, mit der Zusammensetzung der Steine, ob das Physik ist, Metallbearbeitung oder Allgemeinwissen: Man muss da sehr polyvalent sein. Man kann nicht sagen, ich bin jetzt ganz gut in dem was ich hier auf meinem Werkbrett mache, wenn man es nicht verkaufen kann oder es nicht interessant genug verkaufen kann! Das ist nämlich auch wichtig! Man müsste an sich immer eine Geschichte zu seinem Schmuckstück erzählen können.“

Es war für mich ein sehr schöner und spannender Einblick in das Kunsthandwerk für den ich mich bei dem Team der Bijouterie Goedert herzlich bedanken möchte!

Text und Bild: Marlene Mürz