Letzte "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

08.11.2014
gestern und heute

Sport ist in Deutschland eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Allein im Deutschen Fußballbund sind fast sieben Millionen Menschen Mitglied. Da rechtes Gedankengut, wie viele Studien belegen – Experten gehen von zehn Prozent der Bevölkerung aus – fest in der Mitte unserer Gesellschaft verankert ist, liegt die Vermutung nahe, dass man rechtsextreme Tendenzen auch im Sport findet.

Schon die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler haben den Sport für ihre Zwecke missbraucht. Paradebeispiel hierfür sind die Olympischen Sommerspiele des Jahres 1936 in Berlin. Die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland (1933 bis 1945) präsentierte sich bei den Olympischen Spielen der Weltöffentlichkeit als ein modernes und tolerantes Land. Damit sollten die aufkommenden negativen Schlagzeilen der beginnenden Jugendverfolgung sowie der anderen Verbrechen der Diktatur relativiert werden. Zudem wurde Adolf Hitler als Diktator vor Millionen von Zuschauern positiv in Szene gesetzt. Die öffentliche Wahrnehmung von Deutschland auf internationaler Ebene hat sich durch die Spiele verbessert.

In der heutigen Zeit wird der Sport auch von Nazis immer noch für ihre Zwecke genutzt. Neben dem direkten zur Schau stellen der rechtsextremen Gesinnung im Stadion, beispielsweise durch Fußballspieler, Fangesänge oder Banner, versuchen Rechtsextreme zunehmend, Sportvereine zu unterwandern. Sie engagieren sich in Vorständen oder als Helfer und fassen so Fuß in den Vereinen. Dabei treten sie zunächst nicht als Rechtsextreme auf, sondern als normale und zuverlässige Bürgerinnen und Bürger, die sich selbstlos für andere einsetzen. Erst wenn sie im Verein verankert sind, mischen sie sich offen mit ihrer Meinung in Gespräche und Diskussionen ein. Dieses Phänomen hat auch der Deutsche Olympische Sportbund erkannt und für Vereine eine Broschüre mit dem Titel “Kein Raum und kein Platz für Antidemokraten – nicht auf dem Spielfeld, nicht auf den Zuschauerrängen, nicht in den Sporthallen und auch nicht in den Köpfen!” zu diesem Problem herausgegeben. Den Verbänden ging es insbesondere darum, ein unmissverständliches Zeichen gegen Rechtsextremismus im Sport zu setzen. Dies sollte sich explizit auf rechtsextremes Gedankengut in den Köpfen von Verantwortlichen in den Vereinen beziehen. Meist nehmen Verbände auch an den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ teil, um für das Thema zu sensibilisieren.

Aber der offene Umgang Rechtsradikaler mit ihrer Gesinnung ist ein Problem im Sport, ein Beispiel: Fußball ist bekanntlich die beliebteste Sportart der Deutschen und bringt jedes Wochenende Millionen von Menschen in die Stadien. Hier haben Rechtsextremisten also die Möglichkeit, ihre Ideen und Vorstellungen einem breiten Publikum zu präsentieren. Es kommt immer wieder vor, dass Rechtsextremisten dieses Forum auch aktiv nutzen. Dies kann beispielsweise durch verschmähende Sprechgesänge oder Verteilaktionen von Propaganda im Stadion geschehen. Viele Rechtsextremisten engagieren sich auch in der Fanszene, um für ihre Ideen oder gar neue Mitglieder für ihre Parteien oder Organisationen zu werben. Ein Fall aus dem Saarland ist dabei besonders prekär. Am 09. November 2013, also 75 Jahre nach der Reichspogromnacht (Zerstörung jüdischer Einrichtungen, wie z.B. Synagogen oder Geschäfte, durch Nazis), hat der 1. FC Saarbrücken ein Fanprojekt ausgezeichnet. Auf dem Bild der Geehrten war auch ein bekannter Rechtsextremer mit eindeutiger Bekleidung, die auf die Gesinnung hinweisen konnte, aus der saarländischen Szene zu sehen. Der 1. FC Saarbrücken reagierte sofort und machte die Ehrung wenige Tage später rückgängig. Auch das betroffene Fanprojekt schloss sein rechtsradikales Mitglied nach dem Vorfall aus. Es zeigt sich also, dass eine direkte Reaktion auf solche Vorfälle besser ist, als das Phänomen tot zu schweigen. Der Verfassungsschutz geht im Übrigen davon aus, dass es rund 30 Rechtsradikale in der gewaltbereiten saarländischen Fußballszene gibt, ein enormes Potential für ein solch kleines Bundesland. Weitere Probleme mit gewaltbereiten Fans aus dem rechtsextremen Lager haben nach Meinung vieler vor allem Fußballclubs aus Ostdeutschland. Beispielsweise sind Clubs wie Dynamo Dresden oder 1. FC Lok Leipzig davon betroffen. Dies ist für die Verantwortlichen in den Vereinen meist eine schwierige Situation, da das Ansehen darunter massiv leidet. Ein Gegensteuern gegen solche Tendenzen wirkt oft wie ein aussichtsloser Kampf. Unterschätzt werden sollten Rechtsradikale „Extremfans“ jedoch nicht, denn in der gewaltbereiten Fußballszene können sie andere mobilisieren und ihr Gedankengut ungestört verbreiten.

 

Wer sich zum Thema weiter informieren möchte, kann sich an das Fanprojekt des 1. FC Saarbrücken wenden:

Innwurf – Fankontaktstelle Saarbrücken

bei der Arbeiterwohlfahrt SPN Landesverband Saarland

Ziegelstraße 23

66113 Saarbrücken

Telefon 0681/9892725

www.innwurf.de

Bild: Bundesarchiv Bild 183-G00825, Berlin, Olympiade, Siegerehrung Fünfkampf von Stempka / wikipedia.de