Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

04.08.2016
Profi-Schwimmer Andreas Waschburger im Interview

Von Laura Meyer

www.andreas-waschburger.de 2Wir konnten Profi-Schwimmer Andreas Waschburger aus Saarbrücken einige Fragen zu sich selbst, seiner Disziplin und zum Leben als Schwimmer stellen.

Chilly: Seit wann schwimmen Sie?

Meinen ersten Wettkampf hatte ich mit sieben Jahren und seitdem schwimme ich.

Im Freiwasserschwimmen, was meine Hauptschwimmart ist, gibt es 5, 10 km und 25 km. Da bin ich 2003 das erste Mal 5 km geschwommen.

Wann haben Sie mit dem Profi-Schwimmen begonnen?

Ich habe das für mich selbst eigentlich schon immer professionell gemacht. Ich nahm immer an Wettkämpfen teil und habe auch immer viel trainiert, schon in jüngeren Jahren. Aber auf das Freiwasserschwimmen konzentriere ich mich etwa seit 2009. In diesem Jahr fand auch ein Trainerwechsel statt, diesen Trainer habe ich immer noch. Seit 2009 bin ich außerdem bei der Polizei, weil ich seit zwei Jahren fertig ausgebildeter Kommissar bin, konnte ich dann noch mehr trainieren. Die Polizei hat mich für das Training zeitweise freigestellt und seit zwei Jahren bin ich komplett dafür freigestellt.

Was mögen Sie besonders an Ihrem Sport?

Im Vergleich zum Beckenschwimmen finde ich es cool draußen zu schwimmen. Ich schwimme manchmal Wettkämpfe an Orten, wo viele hinfahren um Urlaub zu machen, zum Beispiel in Mexiko, wo das Wasser total klar ist. Letzte Woche war ich zum Beispiel beim Weltcup in Abu Dhabi, das war auch ganz cool, weil man da direkt vor der Skyline schwimmt, was man dann auch beim Schwimmen sieht. Das ist ganz anders als das Schwimmen im Becken. Man hat vor dem Wettkampf auch viel mehr Kontakt mit den Leuten aus anderen Nationen und ich denke, dass das beim Beckenschwimmen etwas anders ist, da die Schwimmer jedes Landes mehr für sich sind. Die haben zwar auch Kontakt, aber bei uns ist das etwas familiärer, würde ich sagen.

Was ist Ihre Motivation?

Meine Motivation sind die Ziele, die ich mir immer gesteckt habe und wenn ich diese erreicht habe, dann setzte ich mir neue Ziele. Damals war es eine internationale Qualifikation und 2010 durfte ich zum ersten Mal bei den Europameisterschaften schwimmen. 2011 konnte ich mich für die Weltmeisterschaft und dann sogar für die Olympischen Spiele qualifizieren. Mein Traum war es schon immer zu den Olympischen Spielen zu kommen, was ich dann 2012 erreicht habe. Mein nächstes Ziel ist es jetzt, mich noch einmal zu qualifizieren und dann schauen wir mal.

Welche Eigenschaften sollte man als Profischwimmer mitbringen?

Man sollte auf jeden Fall ehrgeizig sein. Talent ist an sich nicht alles, ich kenne talentierte Sportler, die es trotzdem nicht zu dem geschafft haben, was ich geschafft habe, weil bei ihnen der Ehrgeiz nicht so stark ausgeprägt war, obwohl sie viel talentierter waren als ich. Es gibt keinen Tag, an dem ich mal zu Hause bleiben würde und nicht ins Training gehen würde. Das gab es auch als Kind nicht, wenn ich mal keine Lust hatte. Ich bin immer ins Training gegangen.

Zielstrebigkeit ist als Profisportler auch sehr wichtig.

Wie sieht der Tagesablauf eines Profischwimmers aus?

Im Trainingslager habe ich meistens zwölf Trainingseinheiten pro Woche und wenn ich zu Hause Kilometer-Wochen habe (90-100km), dann sind es elf Einheiten. Ein Training dauert zwei bis zweieinhalb Stunden. Krafttraining habe ich fünfmal die Woche für etwa eineinhalb Stunden.

Ich stehe morgens um sechs Uhr auf, habe dann von sieben bis halb zehn Schwimmen und danach gehe ich in den Kraftraum. Anschließend habe ich Physio, dann gehe ich Mittagessen und lege mich noch etwas hin. Um 16:45 Uhr muss ich wieder in die Schwimmhalle, dort bin ich bis viertel nach sieben.

Wo trainieren Sie?

Ich trainiere an der Herrmann-Neuberger Sportschule in der Schwimmhalle. Viele denken, dass ich öfters mal draußen trainiere, weil meine Wettkämpfe auch draußen stattfinden. Aber eigentlich trainieren alle Sportler meiner Disziplin immer in der Halle und gehen nur ab und zu mal raus. Aber das Training kann man in der Halle auch viel besser steuern und im See oder Meer würde ich alleine nur sinnlos hin und her schwimmen. Außerdem hat man draußen eigentlich keine Kontrolle, weil ich im Training immer Zeitvorgaben habe, die ich erreichen muss und das kann man in der Halle viel besser kontrollieren.

Wie viel Zeit bleibt dabei noch für Freunde, Familie und Hobbies?

Vielleicht bleibt ein bisschen weniger Zeit als bei anderen, aber ich habe viel Kontakt zu meinen Freunden. Abends oder am Wochenende sehe ich auch meine Familie, da ich in Saarbrücken geboren bin und nicht irgendwo hin wechseln musste und nicht von meiner Familie wegmusste.

Was war Ihr bisher größter Erfolg?

Auf jeden Fall, dass ich bei den Olympischen Spielen mitschwimmen durfte. Da wurde ich Achter. Nach den Olympischen Spielen kamen auch Europameisterschaften, da war ich in der 5 km und 10 km-Disziplin jeweils Vize-Europameister. Beim 5 km Teamevent, da schwimmen immer zwei Männer und eine Frau mit, haben wir den dritten Platz gewonnen. Was ich auch zu meinen Erfolgen zähle ist, dass ich zwei Weltcups gewonnen habe. Das war 2011 in Mexiko, was auch zu meiner WM-Qualifikation geführt hatte. Aufgrund meines zehnten Platzes habe ich mich dann für Olympia qualifiziert. Im Jahr 2014 habe ich dann den Weltcup in Kanada gewonnen.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um, falls etwas dann doch nicht klappt?

Bei den Weltmeisterschaften letztes Jahr war ich nur auf Platz 16 und habe die Olympia- Qualifikation verpasst. Jetzt habe ich noch eine Chance. Ich war danach erstmal traurig, aber es gibt noch eine Hoffnung und ich versuche umso härter zu trainieren, da wir auch einiges umgestellt haben. Ich kann aber sehr gut damit umgehen.

Wie bereiten Sie sich auf Olympia vor?

Viel anders als auf einen anderen wichtigen Wettkampf bereite ich mich nicht vor. Natürlich ist der Blick auf Rio gerichtet, aber wichtiger ist es erstmal sich zu qualifizieren und die Qualifikation ist kurz vor den Olympischen Spielen. Viel weniger Kilometer mache ich vor dem Wettkampf nicht. Wir achten mehr auf Schnelligkeit und trainieren auch über viele Kilometer. Damit man mal eine Vorstellung hat: In meinem Olympiajahr 2012 bin ich 3500 km im Jahr geschwommen und jetzt komme ich so auf schätzungsweise 3800 bis 3900 km. In der Woche sind das 70 bis 110 km. Vor so einem Wettkampf wie Olympia, also eine Woche davor, schwimme ich natürlich keine 100 km mehr, dann sind es vielleicht 70 bis 80 km. In der Wettkampfwoche sind es dann 40 bis 50 km. Also ein bisschen weniger.

Was möchten Sie jungen Sportlern, die in den Profibereich wollen, mit auf den Weg geben?

Auf jeden Fall, dass man nie die Hoffnung verlieren sollte. Ich war selbst nie der talentierteste und habe durch meinen Ehrgeiz viel erreicht. Früher hätte keiner geglaubt, dass ich so etwas erreichen kann. Mein alter Trainer meinte immer, wann ich denn endlich mal aufhören würde zu schwimmen. Ich meine, ich war einer seiner besten Athleten, aber er hat das gesagt. Ich hatte immer mal Niederlagen, wo ich mir Ziele gesteckt habe und diese nicht erreicht habe, aber ich habe trotzdem daran geglaubt und immer weiter gemacht. Das kann man jemandem eigentlich mit auf den Weg geben, dass man nicht aufgeben sollte, auch wenn es mal nicht so gut klappt.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

 

Infokasten: Freiwasserschwimmen (Open Water Swimming)

Die Disziplin Freiwasserschwimmen bezeichnet das Schwimmen in offenen Gewässern jeglicher Art, zum Beispiel in Flüssen, Seen oder Meere, unterschiedlicher Streckenlänge.

International anerkannt sind die Streckenlängen von 5, 10 und 25 km. Seit 2008 ist Freiwasserschwimmen über 10 km eine olympische Disziplin.

 

Bildnachweis: www.andreas-waschburger.de