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26.03.2016
Wie sinnvoll ist die Zeitumstellung?

Morgen am 27. März, in der NachPostkarte_zur_Einführung_der_Sommerzeit_in_Deutschland_am_30._April_1916t von Ostersonntag auf Ostermontag ist es wieder so weit: Die Digitaluhren machen einen Sprung von zwei auf drei Uhr! Das bedeutet, die Nacht ist etwas kürzer, dafür bleibt es abends länger hell. Aus diesem Grund wurde die Sommerzeit ursprünglich eingeführt. Zur Zeit der Ölkrise in den 1970er-Jahren wollten einige Staaten Energie sparen. Andere schlossen sich an, bis die Regelung schließlich vereinheitlicht wurde, damit es innerhalb der EU keine unterschiedlichen Zeitzonen gibt.
Umfragen ergaben, dass wir Deutsche eher ein ruheloses Volk sind. Uns fällt es schwer, abends einzuschlafen und morgens fühlen wir uns nicht richtig ausgeruht. Dass zwei Mal im Jahr an der Uhr gedreht wird, macht es nicht besser. Im Gegenteil. Ein neuer Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) zeigt: Die Sommerzeit beeinträchtigt den Schlaf-wach-Rhythmus der Menschen nachhaltig und hat angeblich weitere gesundheitliche Folgen für uns, wie z.B. vermehrte Herzinfarkte oder Verkehrunfälle am Montag danach.

Stimmen diese Aussagen überhaupt? Und welche Vor- und Nachteile hat die Sommerzeit wirklich?      

Nach der Auswertung verschiedener Gutachten stellen die TAB-Mitglieder fest, dass die Sommerzeit keinen nennenswerten positiven Effekt hat – weder ökonomisch noch gesundheitlich. Die Energieersparnis sei kaum der Rede wert.Bestätigt wurde aber, dass der Schlaf-wach-Rhythmus nicht nur ein paar Tage, sondern wahrscheinlich über die gesamte Sommerzeitperiode empfindlich gestört werde. Betroffen seien vor allem Menschen, die eher spät am Tag ihre aktivste Phase haben. Allerdings gibt es nicht mehr Herzinfarkte in den ersten Tagen nach der Umstellung, sie verteilen sich lediglich anders. Insgesamt müssten auch nicht mehr Menschen ins Krankenhaus als sonst. Ebenso ist die Unfallhypothese nicht mehr haltbar, da die Daten nur mit dem Montag der Vorwoche verglichen wurden. In diesen Fällen dürfte wohl der zunehmende Verkehr statt Übermüdung wegen der Zeitumstellung für die Unfälle verantwortlich gewesen sein. Eine Studie aus Finnland belegt aber, dass innerhalb von neun Jahren in den ersten beiden Tagen nach der Zeitumstellung mehr Personen von einem Schlaganfall betroffen waren als in den Vergleichswochen. Das Risiko war demnach um 8% erhöht. Deutlich häufiger betroffen waren krebskranke Menschen und über 65-Jährige, bei ihnen stieg das Risiko auf über 20%!

Dass die Sommerzeit für uns ernsthafte gesundheitliche Folgen hat, lässt sich aber bisher nicht nachweisen, heißt es in der Bilanz, dafür gibt es zu wenige Langzeitstudien. Aus diesem Grund wird die Zeitumstellung im März und Oktober auch weiterhin ein Teil unseres Lebens bleiben – Nicht weil die Sommerzeit-Relegung sinnvoll wäre, sondern weil es mehr als einen begründeten Verdacht braucht, um eine unbefristete EU-Richtlinie zu kippen!

Foto: Wikipedia, Grafj