Letzte "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

22.02.2016
Wie wir klammheimlich abhängig werden

von Joshua Dargel

Heute war es soweit, das kleine Paket mit dem Retour-Schein war da. Vor diesem Moment graute es mir schon länger …eine Zeit ohne Smartphone. Ach was, so schlimm kann das doch bestimmt nicht werden! Ich beschloss trotzdem, noch eine Nacht vor dem Versand meines Handys zu warten, um mich gebührend zu verabschieden. Schon dort merkte ich: „Man, das wird wohl doch härter als gedacht.“

Am Abend fing ich an, all meinen Kontakten, mit denen ich über diverse Möglichkeiten kommunizierte, wie zum Beispiel WhatsApp, bekanntzugeben, dass ich mein Handy nun für einen bestimmten Zeitraum, mehr oder weniger freiwillig, abgeben werde. Die Reaktion von vielen Freunden war erstaunend, jedoch auch etwas beängstigend. Zum einen musste ich leicht schmunzeln, da die ein oder andere Person doch schockiert war: „Was?? Wieso denn das? Du armer!“, aber mir wurde auch Mut zu gesprochen, „Ach, das packst du schon, die Tage gehen auch irgendwie vorbei!“ Zum anderen bekam ich Neid zu spüren – „Das muss doch ein schönes Gefühl sein!“ Und so seltsam es sich auch anhört, JA! Es ist ein befreiendes und schönes Gefühl, nicht ständig erreichbar zu sein, doch auch für mich war es ein langer Weg zu dieser Erkenntnis. Am ersten Morgen ohne Handy stellte sich mir bereits das erste Problem in den Weg: Verschlafen! Stimmt, na toll, da mein Handy mir stets treu zur Seite lag und mich morgens sanft mit einem Lied meiner Wahl weckte, bin ich diesen Morgen ohne mobilen Wecker nicht rechtzeitig wach geworden. Es konnte nicht lange dauern da bemerkte ich die nächste tragische Problematik. Hmm, Schulweg und das ohne Musik auf den Ohren? Naja, geht auch! Verblüffend, was man alles unter dem Druck der Ohrstöpsel nicht mitbekommt. Das Singen der Vögel an einem Frühlingsmorgen oder den monotonen jedoch beruhigenden Klang des Regens, der auf die Erde fällt. Vielleicht ja gar nicht so schlecht ohne Musik am Morgen?

Pause in der Schule, nach erneuten Trauermitteilungen von Freunden um die Handylosigkeit bemerkte ich erstaunt, wie oft ich mir heute schon in die Hosentasche

gefahren bin mit großen Erwartungen, welche jedoch nur mit einem leichten Seufzen entlohnt wurden. Mir fiel wieder ein, dass ich ja gar kein Handy hatte. Naja, was soll’s, dachte ich und sprach mir Mut zu. Verblüffend, wie frei man eigentlich nachdenken kann ohne ständigen Einfluss von Neuigkeiten über’s Internet oder die Suche nach dem besten Punkt mit dem schnellsten Internet.

Ein weiterer Gedanke, welcher mir in den Kopf schoss war: „Oh nein …jetzt bekomme ich ja gar nichts mehr mit“, jedoch bekam ich schon Neuigkeiten mit und vielleicht sogar die besseren! Schön und gut, vielleicht sehe ich nicht die neusten und lustigsten Bilder von Aktionen oder dem Essen meiner Freunde auf Instagram und Co, aber man bekommt mehr einen Blick für die kleineren Dinge und im Ernst, die sind doch schöner als das hochwertig modellierte Essen eines Bekannten.

Viele denken sich sicherlich: „Jaja, abhängig – ich doch nicht, ich kann auch ohne!“. Dies dachte ich auch, doch wie heißt es: aller Anfang ist schwer. Die Medien machen uns Tag für Tag mit neuen Dingen süchtiger und wir bekommen es nicht mal richtig mit. Wir gehen durch eine Stadt, unseren Heimatort, den Urlaub und sehen nicht mehr mit offenen Augen, sondern sind meist nur noch fixiert auf den kleinen Bildschirm mit Touchscreen in unserer Hand und warten sehnsüchtig auf die nächste Nachricht. Ehrlich gesagt finde ich es traurig, wie stark wir uns abhängig machen von Medien und der Technik, denn immerhin sollten wir doch in der Lage sein, selbständig und klar zu denken, oder?

Die nächsten Tage ohne Handy liefen nach demselben Schema wie die anderen ab. Trauerkundgebungen, Mitleid, Bewunderung und Gelächter über den Kerl ohne Smartphone, doch mir war es egal. Ja, ich wusste, dass ich früher oder später wieder ein Handy haben würde und ja ich wusste, dass sich mein Verhalten und Denken vielleicht dann wieder ändern würden, doch daran dachte ich momentan nicht. Erst jetzt merkte ich, wie nervig es doch ist, wenn man mit Freunden zusammen sitzt und alle nur am Handy sitzen und keine Konversation zustande kommt.

Eine weitere positive Sache, die mir auffiel, war, dass ich mir Zeit nahm für Dinge, die ich schon immer mal wieder seit Langem vor hatte. Sonst schob ich alles auf später, denn ich war wahrscheinlich mit Chatten oder Scrollen beschäftigt. Anstatt alleine mit dem Smartphone in der Hand und dem angeschalteten Fernseher in meinem Zimmer zu liegen, begann ich ohne Störung durch klingelnde Handys, Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen oder mehr Sport zu treiben.

Ironischerweise war das erste Angebot auf ein Ersatz-Handy – sehr mysteriös – von meinen Eltern. Ja klar, ich war nicht mehr durchgehend erreichbar, was für sie ein Problem darstellte, deshalb akzeptierte ich das Notfallhandy, ließ es jedoch ausgeschaltet in der Schublade liegen.

Ich denke jeder von uns, egal in welchem Alter, sollte sich mal etwas Auszeit von der Dauerversorgung von News und Nachrichten gönnen, auch wenn es nur mal für ein paar Stunden am Tag ist, in denen man sich sagt: „So, jetzt lese ich mal” oder „Ich ruhe mich aus, ohne dass mein persönlicher Bildschirm dauernd dabei ist und stört.“ Der Anfang wird vielleicht schwierig, doch man merkt direkt einen Unterschied zu vorher und wird viel entspannter.

Auch ich bin ein bekennender Technik-Fan und bin froh, wenn ich mein Smartphone wieder habe, um es liebevoll in meiner Hosentasche zu tragen, doch ich habe mir vorgenommen, das Handy nicht mehr über mich bestimmen zu lassen. Lasst die Technik nicht über euren Geist siegen, sondern gebt euch Zeit der Erholung und schaltet einfach mal ab! Ja, dies ist meine Meinung zu dem Thema und ich denke ja wir sind (fast) alle krank. Vergleichbar werden wir gar süchtig danach, fühlen uns schlecht, wenn wir ohne sie auskommen müssen und lassen unseren kompletten Alltag von ihnen bestimmen, wie von einer schweren Krankheit beispielsweise. Im Laufe der Zeit immer unselbstständiger und hilfloser ohne unsere technischen Freunde, welche uns bei jeder Kleinigkeit unterstützen. Denn schließlich ist es ja viel gemütlicher, vom Sofa aus auf dem Smartphone zu schauen, wie das Wetter wird, als sich selbst zum Fenster zu bewegen.

Wie schon ein unbekannter Autor sagte:

„Den Computer gibt es nicht, damit Leute weniger zu tun haben, sondern weil Leute besseres zu tun haben.“

Und das sollte auch unser Motto sein, was das Thema Handy und Technik betrifft. Es sind nette Erleichterungen des Lebens, jedoch sollten wir uns nicht das Leben durch sie rauben lassen. Wagt einen Sprung ins kalte Wasser und legt das Handy öfter einfach mal bei Seite.