Letzte "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

21.10.2015
60 Jahre Saar-Referendum
Journalistengespräch über die Saarfrage. Die Bundestagsabgeordneten Trittelvitz (SPD) und Eugen Gerstenmaier (CDU) stellten sich dem Kreuzfeuer von vier Journalisten.

Journalistengespräch über die Saarfrage. Die Bundestagsabgeordneten Trittelvitz (SPD) und Eugen Gerstenmaier (CDU) stellten sich dem Kreuzfeuer von vier Journalisten.

Im Jahr 1935 und 1955 lag das Schicksal des Saarlandes in den Händen seiner Bevölkerung und zweimal stimmten die Saarländer für die Zugehörigkeit zu Deutschland. Noch heute erinnern Straßennamen wie die „Straße des 13. Januars“ an diese Tage.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Saargebiet nach Ablösung der amerikanischen Besatzung am 10. Juli 1945 zur französischen Besatzungszone. Frankreich wollte, wie bereits nach dem Ersten Weltkrieg, das Industrierevier stärker an sich binden. Ende des Jahres 1946 schloss Frankreich die Grenze des Saarlandes zu Deutschland um die Entwicklung im französischen Sinne voranzutreiben. So wurden etwa ein Jahr später der Franc als Währung eingeführt und eine eigene Verfassung verabschiedet. In der Präambel der Verfassung war eine Wirtschafts- und Währungsunion mit Frankreich festgeschrieben. Johannes Hoffmann (Christliche Volkspartei des Saarlandes) wurde am 15. Dezember 1947 Ministerpräsident. Am 31. Dezember 1947 endete die Militärregierung im Saarland. Grandval war ab dem 1. Januar 1948 Hoher Kommissar Frankreichs für das Saarland, das ab diesem Datum ein autonomer Staat war. Außenpolitisch wurde das Saarland von Frankreich vertreten. Doch den Saarländern wurden wesentliche Freiheitsrechte vorenthalten, so wurden etwa Zeitungen oder Parteien verboten, die sich für die Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik einsetzten. Eine Parteien-, Presse- oder Meinungsfreiheit wurde den Saarländern ebenso wenig zugestanden. Erst mit der Unterschreibung der Pariser Verträge von 1954 wurden diese Rechte eingeführt. Hoffmanns Regierung wurde zunehmend kritisiert und ihm wurde vorgeworfen, einen scheindemokratischen Polizeistaat errichtet zu haben.

Nach den schrecklichen Ereignissen des Zweiten Weltkrieges, trat die Frage nach einem vereinten Europa schnell in den Vordergrund. Schon bald jedoch wurde deutlich, dass ohne die Lösung der Saarfrage, die angestrebte Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland und somit die gesamte westeuropäische Einigung gefährdet waren. Um die unter dem Zankapfel Saarland leidende deutsch-französische Verständigung in Gang zu bringen, einigten sich Bundeskanzler Konrad Adenauer, der französische Außenminister Robert Schuman und Johannes Hoffmann im März 1952 darauf, die Saarfrage im Zuge einer Europäisierung des Landes zu lösen. Dafür wurden mehrere Pläne vorgelegt (Columbia-District-Plan, Van-Naters-Plan), von denen aber zunächst, hauptsächlich wegen des Vetos der Franzosen, keiner ausgeführt wurde. Im Zuge der Pariser Verhandlungen 1954 einigten sich Deutschland und Frankreich über das Saar-Abkommen. Das zwischen Pierre Mendès-France und Konrad Adenauer ausgehandelte und am 23. Oktober unterzeichnete Saarstatut sah bis zum Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland die Unterstellung des Saarlandes unter einen Kommissar der Westeuropäischen Union vor, der das Land nach außen vertreten sollte. Die saarländische Regierung sollte weiter für die inneren Angelegenheiten zuständig und die wirtschaftliche Anbindung an Frankreich erhalten bleiben. Allerdings war auch eine engere wirtschaftliche Vernetzung mit der Bundesrepublik vorgesehen. Am 23. Oktober 1955 wurden die Menschen über die Annahme des Saar-Status befragt. Die Wahlbeteiligung lag bei 96,6 Prozent. 67,7 Prozent der gültigen Stimmen waren gegen die Annahme des Saarstatuts. 32,3 Prozent stimmten für die Annahme. Ministerpräsident Hoffmann trat in der Nacht nach Rücksprache mit Frankreichs Botschafter zurück.

An diesem Freitag feiern wir den 60. Jahrestag des Saarreferendums vom 23. Oktober 1955. Der europäische Leitgedanke zieht sich durch alle Elemente des Jubiläumsjahres 2015, das den Titel „Saarland. Eine europäische Geschichte“ trägt. Vor der offiziellen Eröffnung des Bürgerfestes beginnt am Freitag um 17:30 Uhr der Festakt vor geladenen Gästen anlässlich des 60. Jahrestages der Volksabstimmung.

Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer werden auch der frühere französische Premierminister, Jean-Marc Ayrault, sowie der Premierminister des Großherzogtums Luxemburg, Xavier Bettel, am Festakt im Staatstheater Saarbrücken teilnehmen. Das Bürgerfest wird dann um 19 Uhr durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer eröffnet.

Weitere Informationen zum Programm am 23. Und 24. Oktober findet ihr unter folgendem Link:

http://www.saarland.de/SID-4DEF062F-3E970F77/132989.htm

 

Bild: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung – Bundesarchiv