Letzte "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

28.09.2015
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wikipedia, Dr. Bernd Gross

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PEGIDA, fünf Buchstaben, die die Medien und deren Schlagzeilen Anfang des Jahres beherrschten. Mittlerweile ist der Rummel um die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ allerdings abgeflacht und Experten behaupten, dass die Vereinigung in nächster Zeit wieder von der Bildfläche verschwinden wird. Doch für was steht PEGIDA? Und was sind die Ziele und Beweggründe der Menschen, die sich hinter PEGIDA verbergen? Wir geben Euch im Folgenden einen Überblick.
Ende 2014 gründete Lutz Bachmann eine geschlossene Facebook-Gruppe „Friedliche Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, die anfänglich nur aus einer Kleingruppe von Facebook-Freunden bestand und in Dresden gegen die Islamisierung Europas und vor allem Deutschlands demonstrierte. Schnell entwickelten sich die Ideen der Anhänger zu einem Lauffeuer und brachten so gegen Anfang des Jahres 2015 mehr als 25.000 Anhänger auf die Straße.

Bundesweit kam es zu Abspaltungen der Gründerorganisation, die sich alle immer wieder deutschlandweit montagsabends zu Demonstrationen in den Straßen versammelten. Allerdings nahm die Anzahl der Demonstranten nach Fehltritten des Vorsitzenden des Vereins, Lutz Bachmann, ab. Dieser vermittelte durch ausländerfeindliche Aussagen und ein Bild, das ihn in Hitlerpose zeigt, den Eindruck einer rechtsextremen Vereinigung, die von vielen Anhängern jedoch nicht unterstützt wurde. Die Folge war eine Spaltung PEGIDAs, sowie ein Rückgang der Demonstranten auf 3000 Personen. Doch was bedeutet das? Sind die Sorgen und Überzeugungen der Menschen einfach verschwunden?
Eine Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung zeigt zwar kein umfassendes Bild von PEGIDA, da die Forscher erst mal das Vertrauen der PEGIDA-Anhänger in Dresden erreichen mussten und die Studie in kurzer Zeit durchgeführt wurde. Trotzdem zeichnet sich eine Tendenz ab:
Die große Mehrheit der Anhänger besteht aus Männern, die eine abgeschlossene Ausbildung haben und sich im Berufsleben befinden. Grundsätzlich stimmen sie der Demokratie als Staatsform zu, sind aber mit der Ausführung in Deutschland nicht zufrieden. Demonstriert wird hauptsächlich aufgrund von Plänen der Stadtverwaltung, Flüchtlingsheime in Nähe der Nachbarschaft errichten zu wollen. Ein weiterer Grund ist der Unmut über die von der Politik und den Medien geäußerte Kritik über die Demonstrationen. Auch die Angst vor der Ausbreitung des Islams und der, nach ihrer Ansicht, damit verbundenen Verdrängung der deutschen Kultur, zählen zu den Gründen sich PEGIDA anzuschließen.
Gerade die aktuellen Probleme der Flüchtlingskrise sorgen dafür, dass sich wieder mehr Menschen aus Angst vor Überfremdung der Organisation anschließen. So stieg die Teilnehmerzahl der PEGIDA-Demonstranten in Dresden erneut auf mehr als 5000 Personen an. Und auch PEGIDA-Chef Lutz Bachmann möchte die Gunst der Stunde nutzen und aus der anfänglichen Bürger- und Protestbewegung heraus eine neue Partei gründen, die den Einzug in die kommunalen Parlamente aber auch in die Landesparlamente und den Bundestag schaffen soll. Dabei zeigt sich die Organisation noch radikaler und asylfeindlicher als zu ihrer Anfangszeit: Politiker werden als „Deutschlandhasser“ und „Asyl-Mafia“ beschimpft, die jüngsten Grenzsicherungsmaßnahmen als „Opium fürs Volk“ bezeichnet.

Die Frage die sich jetzt stellt: Ist PEGIDA zurück? Darauf lässt sich wohl pauschal keine Antwort finden. Fest steht jedoch, dass die Flüchtlingskrise immer mehr Menschen aufgrund der vermeintlich wahrgenommenen Bedrohung in die Arme der Protestorganisation treiben wird.