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06.07.2018
Die Schauspieler Emma Bading, Janina Fautz und Emilio Sakraya im Interview

Von: Sandra Cavallaro

Chilly: Seht ihr „Meine teuflisch gute Freundin“ heute bei der Premiere zum ersten Mal, oder habt ihr
den Film schon gesehen?

Emilio: Ich habe ihn schon zwei Mal gesehen.

Janina: Ich sogar schon drei Mal.

Emma: Ich bin jetzt auch bei zwei Mal.

Chilly: Seht ihr ihn beim zweiten Schauen anders?

Emma: Beim ersten Sehen schaue ich oft auf mich selbst und frage mich: „Hast du das gut gespielt?
War das richtig? Wo sind die Pickel?“ Wenn ich ihn dann nochmal sehe, geht mein Augenmerk mehr
auf das Gesamtpaket und die Reaktionen der Zuschauer.

Janina: Ich schaue ehrlich gesagt beim ersten Mal auch hauptsächlich auf mich, zumindest bei den
Szenen, in denen ich mitspiele. Deswegen ist es schön ihn mehrmals zu sehen, damit man
sich dann auch einfach mal den Film insgesamt anschauen kann, ohne nur auf sich selbst fokussiert
zu sein.

Emilio: Dito

Chilly: Welche Botschaft hat der Film für euch und habt ihr diese schon beim Drehbuchlesen
erkannt?

Emma: Wenn ich das Drehbuch lese entstehen eigene Vorstellungen und Bilder, die sich im Kopf
zusammen spinnen und erst wenn man den Film dazu sieht bekommt alles eine richtige Reihenfolge
und nochmal eine andere Gesamtaussage als man es sich vielleicht beim Lesen gedacht hätte.
Die Message des Films ist, dass man gut und böse beides braucht, dass beide Extreme gleich schlecht
sind und man ein Zwischending als Lösung finden muss, woraus eine gute Freundschaft entstehen
kann, wie man hier sieht.

Janina: Ich finde auch ganz schön, dass der Film nicht den pädagogischen Zeigefinger hebt und sagt
Greta verhält sich richtig und Lilith muss gut werden, sondern dass man auch mal böse sein darf.

Chilly: Janina, denkst du durch die extreme Freundlichkeit, die deine Rolle zeigt, würde dir in deinem Leben immer weiterhelfen?

Janina: Ich glaube, wenn man immer so lieb ist wie Greta wird man verrückt. Sie achtet nie wirklich
auf sich selbst, sondern will es immer allen anderen recht machen und das würde mich irgendwann
wahnsinnig werden lassen.
So lieb wie Greta zu sein ist fast unmöglich, würde ich jetzt mal behaupten.
Emma: Wir sind ja alle Menschen und die haben, glaube ich, immer beides auf den Schultern sitzen,
Engelchen und Teufelchen.

Chilly: Emilio, siehst du deine Rolle Carlo zu Beginn des Films als typischen Aufreißer und wie war es für dich seinen Wandel darzustellen, sodass es glaubhaft rüberkommt, dass er wirklich verliebt ist?

Emilio: Ich glaube eigentlich gar nicht, dass Carlo ein Mädchen-Aufreißer ist, sondern, dass er sich
einfach nur noch nie verliebt hat und deswegen einfach das Gefühl nicht kennt, wenn man jemanden
so sehr mag, dass man jede Minute mit ihm verbringen möchte. Greta überrascht ihn dann total mit
ihrer Musikkenntnis und das schafft dann eine Gemeinsamkeit, die auf einmal mehr zulässt als Carlo
am Anfang gedacht hätte.

Chilly: Denkst du er möchte die ganze Aufmerksamkeit, die er bekommt eigentlich gar nicht?

Emilio: Das liegt an seiner Band „Pussy Deluxe“, demnach ist er als DJ bekannt auf der Schule. Ich glaube, das hat bestimmt auch etwas damit zu tun, dass man sich dann besonders cool fühlt, wenn alle einen so behandeln. Aber er lernt ja auch, dass es noch andere Werte und wichtigere Sachen gibt, dass es z.B. viel cooler ist, wenn man wie Greta eine Mum hat, die auf einmal in der Mode-Industrie ganz groß rauskommt, als wenn man einfach nichts zu sagen hat und damit ganz demütig umgeht.

Chilly: Janina, wie viel musstest du für den Dreh der Band/Tanzszene proben?

Janina: Ich bin nicht besonders musikalisch, was ein Problem war, da Greta ja durch ihr super Gesangstalent hervorstechen soll, was bei mir nicht wirklich möglich war. Aber wir haben das ganz gut umschiffen können, dadurch, dass wir es im Tonstudio aufgenommen haben, wo man manchmal noch ein bisschen tricksen kann. Zudem singe ich nicht alleine, was dem einen oder anderen, der den Film sieht, vielleicht auffällt. Ich singe immer mit Amina zusammen, damit nicht so auffällt, dass ich nicht ganz so gut singe, wie Greta es eigentlich sollte.
Die Proben für die Tanzszenen waren sehr lustig. Wir haben uns vor dem Dreh schon getroffen und hatten eine Choreographin, die mit uns eine kleine Choreo eingeübt hat. Amina, Matilda und ich haben auch zu dritt nach dem Dreh noch oft geprobt.

Chilly: Emma, hattest du für manche Szenen Stunttraining, z.B. für den Kampf mit dem Straßenschild?

Emma: Genau, die Szene mit dem Straßenschild war die einzige mit einer Stuntchoreographie. Im Grunde war es aber mehr ein Tanz als ein Kampf. Da wurde mir vorab ein Video geschickt und ich hatte einen Stunttrainer. Aber den Haupt-Act machen ja meistens die, die auf den Schlag reagieren. Die zwei Jungs schlugen also fleißig Saltos und gingen k.o während ich sie ein Mal unabsichtlich wirklich mit dem Straßenschild getroffen habe.

Chilly: Bestand die Rollenvorbereitung für euch aus viel Textlernen, oder ist dieser größtenteils am Set neu entstanden?

Emma: Wir haben schon viel geprobt und dabei einiges verändert. Als Hauptrolle musste ich den Film ja mittragen und ich habe mit Marco, dem Regisseur, vorher auch viel über Lilith geredet, wie sie sich kleidet, sich bewegt und sich ausdrückt. Dadurch habe ich die Rolle schon sehr mitangezogen und zum Leben erweckt. Ich habe auch sehr viel am Text mitgearbeitet, damit sie für mich eins wurde.
Janina: Emma und ich haben viel zusammengeprobt und mit Emilio auch. Es ist natürlich super, wenn gemeinsame Proben vor Drehbeginn möglich sind, was leider nicht immer klappt. Aber das Zusammenspiel von Lilith und Greta muss einfach stimmen und das hat es dann auch sehr gut!
Emilio: Es wird nachher meistens nie so wie es im Drehbuch steht. Am Set sieht alles nochmal anders aus. Dann ist es auf einmal gar kein Handtuch mehr, was man werfen soll, da dort z.B. eine Banane anstatt einem Handtuch liegt, weil man im Wohnzimmer ist und nicht wie geplant im Badezimmer. Es verändert sich schon viel am Set und vor allem verändert sich eine Figur sehr mit ihrer Besetzung. Es gibt viele Momente, wo man, wenn man sich reinfühlt merkt, dass das die Rolle so nicht sagen würde.

Chilly: Emma und Janina, ihr kanntet euch ja schon von eurem vorherigen Dreh „1000 Arten Regen zu beschreiben“, habt ihr auch schonmal mit Emilio gedreht?

Janina: Ja, Emilio und ich haben vor ein paar Jahren schon einmal miteinander gedreht, genauso wie Amina, die Daria spielt, und ich. Ich finde es schön, wenn man mit Leuten, die man mag, wiederholt zusammen drehen darf.

Chilly: Ihr habt ja schon alle auch in Krimis oder Dramen mitgespielt, ist die Set-Stimmung bei einer Komödie anders?

Emilio: Lustig ist es eigentlich immer, es kommt immer darauf an was man für eine Szene dreht. Wenn man eine ganz emotionale Szene an dem Tag hat, komme ich z.B. ans Set und rede mit keinem. Das wirkt dann immer ganz komisch, aber ich brauche das einfach, um dann mit mir selbst zu sein. Und dann gibt es solche Tage, an denen man einfach nur Quatsch redet.
Janina: Ich hatte auch schon sehr lustige Drehs, obwohl am Ende der Film sehr ernst war, aber wie Emilio sagt, es kommt auf die Szene an. Es gibt Tage, an denen die Stimmung nicht so locker ist, weil man sich auf andere Sachen konzentrieren muss. Aber ansonsten ist es am Set eigentlich meistens sehr lustig, bei uns war es das auf jeden Fall.
Emma: Ich fand es manchmal aber auch sehr anstrengend. Es waren 33 Drehtage und ich war jeden Tag von früh bis spät am Set. Dreh ist Dreh ob Drama oder Komödie. Das ist dann irrelevant.

Chilly: Könntet ihr sagen was euch leichter fällt, sehr lustig zu sein, oder weinen zu müssen?

Emma: Weinen ist ein ganz großes Thema, für mich zumindest ist es sehr schwer. Aber eigentlich ist lachen und weinen von der Technik her total ähnlich. Es ist total schwer künstlich zu lachen, wie ich es in diesem Film so oft machen muss, dieses Teufelslachen. Und weinen genauso. Natürlich gibt es dafür Hilfsmittel, aber es bleibt eine Herausforderung. Für mich persönlich ist aber Weinen eindeutig kniffliger.
Janina: Was ich tatsächlich bei Komödien echt schwierig finde ist, dass Timing so entscheidend ist und das ist wirklich schwer. Ich finde nicht, dass Komödie leichter ist als Drama, im Gegenteil! Eine wirklich lustige Szene zu kreieren, wo die Leute am Ende tatsächlich lachen, ist nicht so einfach. Man muss dafür seine Rolle total ernst nehmen und das ist, wenn es witzig sein soll, wirklich eine Herausforderung.
Emilio: Ich sehe das ganz genauso. Das schwierige bei Komödien sind auch solche Situationen, die ich es vorhin schonmal angesprochen hatte, in denen man nicht fühlt was die Rolle sagen soll, dass man denkt: „Der würde das so nicht sagen“. Dann muss man das Gefühl aber zurückstecken, damit der Witz nicht wegfällt, aber gleichzeitig muss man diese Ernsthaftigkeit rüberbringen und darf keinen Klamauk spielen. Also Komödien sind schon harter Tobak, das ist gar nicht so lustig und einfach wie man immer denkt. Und ich persönlich finde lachen auch schwieriger als weinen.
Janina: Ja, richtig ehrlich aus dem Herzen zu lachen ist super schwer.

Chilly: Ist es dir auch schwer gefallen diese ständige, herzliche Freundlichkeit von Greta zu spielen?

Janina: Manchmal schon. Das schwierige ist, man muss irgendwie verinnerlichen, dass Greta alles aus dem Herzen heraus macht. Die Szenen mit Dauergrinsen waren schon manchmal anstrengend, aber letztendlich macht es ja auch Spaß mal kein ganz normales Mädchen zu spielen und eine speziellere Rolle zu haben, was einem mehr Freiheiten und ein bisschen mehr zu spielen ermöglicht.

Chilly: Ihr Kleidungsstil ist ja auch sehr speziell und trägt die Message, dass man sich nicht über seine Kleidung identifizieren sollte. Wie wichtig ist das in eurem Beruf?

Janina: Kleidung ändert definitiv etwas am eigenen Auftreten und an der Wirkung nach außen. Das ist natürlich für unseren Beruf sehr hilfreich, da man durch Kostüm und Maske in die Rolle kommt und dadurch komplett andere Typen kreieren kann. Du kannst den gleichen Schauspieler in ein anderes Kostüm stecken und er erhält eine komplett andere Wirkung. Mir hilft das dabei, mich besser in meine Rolle versetzen zu können.
Emilio: Man läuft anders, man bewegt sich anders, wenn man einen Anzug anhat, wenn man flache oder hohe Schuhe anhat. Ich finde Kostüm super wichtig und genauso ist es im Privatleben. Es gibt typische Jogginghose-Tage, aber trotzdem kann man nicht immer so rumlaufen.

Chilly: Emma, musstest du dir deine Haare für die Rolle der Teufelstochter färben lassen?

Emma: Ja, meine blonden Haare wurden rot getönt und dann habe ich noch ein paar Haarteile bekommen. So ist diese Frisur entstanden und danach waren meine Haare kaputt. Man denkt immer: „Die Stars färben sich andauernd die Haare anders, das geht so einfach, warum funktioniert das bei mir nicht?“ Aber es ist wirklich nicht einfach, deswegen habe ich sie danach abrasiert und jetzt wachsen sie wieder gesund nach.

Chilly: Ist deine Kurzhaarfrisur jetzt nicht problematisch für den Dreh neuer Filme?

Emma: Ich dachte das wäre es, aber war es schlussendlich gar nicht. Dann kriegt man halt eine Perücke. Guten Regisseuren geht es auch nicht um die Haare, sondern um das Talent und wie man die Rolle interpretiert. Dann findet man für die Haare eben eine andere Lösung.

Chilly: Was sind denn eure neuen Projekte?

Emma: Ende August kommt die Kinokomödie „Grüner wird`s nicht“ raus, aber die anderen darf ich noch nicht verraten, die sind noch ein bisschen geheim. Jetzt mache ich erstmal Pause!
Janina: Mit mir startet im August noch eine Komödie im Kino, „Safari – Match me if you can“ und im Herbst läuft ein Münchner Tatort. Anfang des Jahres habe ich schon eine Komödie für den ARD Mittwochsfilm abgedreht und bin jetzt gerade dabei ein Weihnachtsmärchen zu drehen und dafür geht es morgen wieder nach Hamburg für die letzten Drehtage. Danach habe ich auch erstmal Urlaub und beginne dann ab August noch ein größeres Projekt, worüber ich aber auch noch nichts erzählen darf.
Emilio: Ich drehe gerade auch in Hamburg, einen „Tatort Göttingen“ und im Januar 2019 kommt „Kalte Füße“ ins Kino, eine Komödie, die ich Anfang dieses Jahres gedreht habe, die wird sehr lustig, glaube ich.
Chilly: Noch eine Frage zu eurem Schauspielbeginn. Ihr habt ja alle schon während der Schulzeit gedreht. Wie konntet ihr das mit der Schule kombinieren?

Emilio: Bei mir hat es ganz gut geklappt, aber ich habe auch schon gehört, dass es bei anderen schwerer war, weil es Lehrer gibt, die das nicht so gut finden. Man hat ja auch eine Anwesenheitspflicht am Ende des Tages. Dennoch bin ich sehr froh, dass ich so früh mit dem Schauspiel angefangen habe. Ich habe das Gefühl, dass es viel schwerer für mich wäre jetzt erst damit zu beginnen.
Janina: Ich hatte Glück, ich wurde tatsächlich sehr oft freigestellt, auch für lange Zeiträume. Ich hatte eine sehr kulante Direktorin. Ich musste zwar über die Zeit, die ich verpasst habe, in allen Fächern Arbeiten schreiben, aber zum Glück habe ich das immer irgendwie hinbekommen.
Emilio: Kennt ihr noch die Zeiten, wo man sich vom Jugendamt und vom Arzt und von der Schule stempeln lassen musste?
Janina: Ja, aber das hat bei mir Gott sei Dank immer einwandfrei funktioniert.
Emma: Bei mir nicht so, ich habe dann irgendwann mit der Schule aufgehört.

Chilly: Deine Eltern sind ja auch Schauspieler, haben die das deswegen eher akzeptiert?

Emma: Naja, es war schon nicht leicht für sie. Ich glaube, sie haben es nur so gut verkraftet, weil ich zu der Zeit mein eigenes Geld verdient habe. Eltern machen sich halt Sorgen, dass man es nicht schafft. Jetzt ist das Ganze ja schon etwas her und sie haben gesehen, dass ich es gut hinbekomme und meinen eigenen Weg gehe. Da sind sie stolz und unterstützen mich.
Janina: Ich glaube, meine Eltern sind auch zufrieden damit, was ich mache. Ich habe mit acht Jahren angefangen, das heißt ich war in dem jungen Alter noch sehr auf meine Eltern angewiesen und ohne sie wäre es gar nicht gegangen. Ich wohne auf dem Dorf und musste für jedes Casting und jeden Dreh weit fahren. Da musste meine Mutter immer mit und ich glaube sie hätte sich schon manchmal gewünscht, dass ich eine unkompliziertere Leidenschaft habe, für die man nicht so viel durch ganz Deutschland fahren muss. Trotzdem haben mich meine Eltern zum Glück immer unterstützt. Mit elf Jahren war ich dann zum ersten Mal alleine bei einem Dreh, weil ich noch einen kleinen Bruder habe, der damals in die Schule gekommen ist und nicht mit beurlaubt werden konnte. Deswegen war ich alleine bei einem sechswöchigen Dreh, mit Kinderbetreuung. Das war großartig für mich, ich war elf, hatte mein eigenes Hotelzimmer und niemand hat kontrolliert, wann ich schlafen gegangen bin (lacht).

Chilly: Zum Abschluss muss ich noch Bezug auf das Saarland nehmen, weil das im Film ja auch ganz schön auf die Schippe genommen wird. Ward ihr selbst schonmal im Saarland oder habt einen Bezug dazu?

Janina: Ich habe schon im Saarland gedreht, „Die wilden Kerle 5“, aber das ist schon über 10 Jahre her. Aber wir sind, glaube ich, alle immer mal wieder; – oder waren zumindest schon; – auf dem Max Ophüls Festival.
Emilio: Ich war auf dem Max Ophüls Festival und habe einen Tatort im Saarland gedreht, mit Devid Striesow, dem Vater von Ludwig Simon, der in „Meine teuflisch gute Freundin“ mitspielt.
Emma: Ich habe das Saarland im Film ja noch am meisten verarscht, das tut mir total leid! Ich war leider noch nie dort, aber muss unbedingt mal hin, um es richtig kennenzulernen.

Chilly: Das wäre auf jeden Fall eine Reise wert. Viel Spaß euch heute, bei der Kölner Premiere und vielen Dank für das Interview!