Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

05.09.2019
Chilly im Interview mit KIKA LIVE-Moderatorin Jess Schöne

Von Sherina Wenzl

Chilly: Seit über neun Jahren arbeitest du nun schon bei KIKA LIVE. Was nimmst du aus dieser Zeit besonders für dich persönlich mit?

Jess: Wir erleben jede Woche so tolle Sachen. Wir treffen spannende, coole, lustige und interessante Menschen, lernen super viele Orte auf der Welt kennen und haben immer einen riesen Spaß dabei. Von daher nehme ich ganz viele besondere Momente mit, die ich für immer im Herzen tragen werde. Wir müssen uns oftmals überwinden, manchmal sind wir einfach nur geflasht von Talenten oder Naturgewalten..Es ist so unterschiedlich, was uns auf Dreh erwartet. Aber das Tollste ist, dass ich meinen besten Kumpel durch KiKA LIVE kennengelernt habe.

Chilly: Wie bereitest du dich auf  eine Sendung vor? Sprichst du dich dabei viel mit deinem Kollegen Ben ab?

Jess: Nach so vielen Jahren verstehen Ben und ich uns blind.. Manchmal sprechen wir ab, wer anfängt, aber das war es meistens auch schon. Wir schauen uns an und wissen, was der andere denkt und gleich sagt. Das ist verrückt! Aber das klappt super! Wir lesen uns beide in das Thema ein, lernen den Drehort oder den Protagonisten kennen und los geht’s! Wir haben sehr viele Freiheiten, was auch super wichtig ist, damit die Sendung authentisch ist und bleibt.

Chilly: Nach deiner Ausbildung zur Mediengestalterin hast du als Moderatorin bei Radio Saarbrücken gearbeitet. War dir ab diesem Zeitpunkt klar, dass du diesen Beruf weiterverfolgen möchtest oder war es schon immer dein Traum zu moderieren?

Ich habe tatsächlich bei SAAR TV angefangen. Das Radio kam nur für ein Jahr dazu, was auch eine spannende Erfahrung war. Aber ich bin mehr der Typ Fernsehen.

Chilly: Gab es eine Situation während einer live-Sendung, in der du überfordert warst und kaum mehr weiter wusstest? Wenn ja, wie hast du da reagiert?

Jess: Ich liebe LIVE Sendungen, weil man auf wirklich alles gefasst sein muss. Und das ist auch das Spannende daran! Wenn etwas nicht klappt, muss man improvisieren und das liebe ich. Das Einzige was ab und zu passieren kann ist, dass wir einen Lachflash bekommen und nicht mehr reden können. Dann fängt sich meistens Ben schneller als ich und macht weiter. Ansonsten haben wir auch bei LIVE Sendungen den sogenannten „Mann im Ohr“, d.h. zur Not wird uns dann geholfen. Kleine Anekdote: ich hatte einmal in einer Sendung einen Migräneanfall und musste mich übergeben.. das hat Ben gemerkt, hat sofort meine Moderation übernommen, ich bin dann schnell raus, als die Kamera auf ihn gerichtet war und bin dann kurze Zeit später zurück gekommen und keiner hat etwas bemerkt.

Chilly: Welcher ist dein wichtigster Tipp für Nachwuchsmoderatoren?

Jess: Puuuuuuh..Tipps sind immer schwierig, finde ich, weil es kein Geheimrezept gibt. Ich würde sagen, dass man einfach versuchen muss, man selbst zu sein. Ansonsten wirkt alles total künstlich. Ich versuche die ganzen Kameras auszublenden. Aber ja, das ist wahrscheinlich leichter gesagt als getan.

Chilly: Als Moderatorin führst du Interviews mit vielen Menschen aus allen möglichen Bereichen. Denkst du dir die Fragen dafür immer selbst aus oder gibt es Hilfestellung, z.B. von Assistenten beim Recherchieren?

Jess: Es gibt zu jeder Sendung einen sogenannten Buch-Autoren, d.h. eine fleißige Person, die so eine Art Drehbuch schreibt. Da stehen dann immer schon einige Fragen drin, damit wir wissen, was am Ende in der Sendung rüberkommen soll. Aber in den Gesprächen haben wir total viel Freiraum. Manchmal werden sogar nur die spontanen Fragen oder Aktionen reingeschnitten, die gar nicht geplant waren, weil es einfach netter war. Aber diese Drehbücher sind die Säule der Sendung. Wie schaffen es nicht allein, jede einzelne Sendung alleine zu recherchieren.

Chilly: Als Vertretung für Muschda Sherzada moderierst du auch den Tigerenten Club. Wie bereitest du dich auf diese Sendungen vor? Läuft die Vorbereitung ähnlich ab wie bei KIKA-Live oder gibt es  grundsätzliche Unterschiede?

Jess: Der Unterschied vom Tigerentenclub zu KiKA LIVE ist, dass der Tigerentenclub im Studio produziert wird. Das heißt, es gibt bestimmte Abläufe, an die wir uns halten müssen, damit es eine schöne Sendung wird. Die Sendung ist aber auch 60min lang und daher braucht es so ein Gerüst auch. Da gibt es auch ganz viele fleißige Autoren, die alles vorbereiten. Und ganz ehrlich: beides macht super viel Spaß!

Chilly: Welche deiner Moderationen stellten für dich bisher die größte Herausforderung dar?

Jess: Meine größte Herausforderung ist ganz sicher meine Angst. Ich traue mich oft nicht alles sofort…aber wenn ich es dann gemacht habe, will ich sofort nochmal. Also wenn ich auf einem 5m-Brett stehe und moderieren muss und vor allem runterspringen soll, kann das schon mal dauern. Ansonsten ist es immer schwierig, wenn Gesprächspartner außer „Ja“ und „Nein“ nichts sagen. Abgesehen davon ist alles machbar.

Chilly: Für deinen Job braucht man ja eine gehörige Portion Selbstbewusstsein? Ist dieses bei dir angeboren oder musstest du es dir erst erarbeiten? Wenn ja, hast du Tipps, wie man mehr Selbstbewusstsein erlangen kann?

Jess: Diese Frage wird sehr oft gestellt. Ich war tatsächlich immer diejenige in der Familie, die gerne gezeigt hat was sie alles kann. Mein Spruch war immer: „Ja, Papa, ich kann das schon!“ Von daher habe ich da so ein bisschen was mit den Genen mitbekommen. Aber den Rest hat meine Familie gemacht. Sie haben mir das Gefühl gegeben, als Person besonders zu sein und das hat mir Selbstbewusstsein gegeben, denke ich. Man muss nicht alles können, aber man kann alles probieren! Und es ist auch okay, etwas NICHT zu können. Wir sind ja keine Roboter. Steh einfach zu deiner Meinung und lass dich nicht von anderen zu etwas überreden, was du nicht möchtest.

Chilly: Wie frei bist du in deinen Handlungsmöglichkeiten während einer KIKA LIVE- Moderation und während einer Tigerenten Club-Moderation?

Jess: In beiden Sendungen bin ich sehr frei. Aber klar, dadurch, dass KiKA LIVE hauptsächlich aus Reportagen besteht, also aus unseren eigenen Erlebnissen vor Ort, lebt die Sendung durch Authentizität und dafür muss ich genug Freiheiten haben.

Chilly: Du hast ja viele Jahre im Saarland gelebt. Würdest du das Saarland als deine Heimat bezeichnen? Welche Orte besuchst du am liebsten, wenn du zu Besuch kommst?

Jess: Ja, ich habe die meiste Zeit meines Lebens im Saarland verbracht bisher und daher sehe ich das als meine Heimat. Mein Lieblingsort ist vor dem Kamin meiner Eltern. Ich liebe am meisten die Natur, die Saarschleife, die Wälder…Und ansonsten gibt es einen ganz besonderen Lieblingsort, den ich aber nicht nenne, sonst ist es ja nicht mehr mein Geheimplatz.

Chilly: Vielen Dank für das Gespräch!