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30.07.2018
Analyse von Google-Suchergebnissen dient der Sicherung der Meinungsvielfalt

Wer sieht was bei einer Google-Recherche zu politischen Themen? Inwieweit wird bei den gezeigten Ergebnissen personalisiert? Und spielt die Region, aus der die Suchanfragen kommen, eine Rolle? Die vielzitierte Filterblase ist geringer als angenommen – das ist zusammengefasst die Antwort auf diese Fragen, die aus dem heute veröffentlichten Abschlussbericht des Forschungsprojekts „#Datenspende: Google und die Bundestagswahl 2017“ hervorgeht.
Das Projekt wurde im Auftrag der Landesmedienanstalt Saarland (LMS) und fünf weiterer Landesmedienanstalten unter Federführung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) durchgeführt. Die Projektleitung lag bei der Informatik-Professorin Katharina Zweig von der Technischen Universität Kaiserslautern, die Datenanalyse erfolgte in Kooperation mit der gemeinnützigen Initiative für die Kontrolle algorithmischer Entscheidungsfindung AlgorithmWatch.
Sucht man mit Google nach den Namen von Parteien, zeigt die erste Suchergebnisseite vor allem Webseiten, deren Inhalte die Parteien selbst kontrollieren. Bei 34 Prozent der Treffer handelt es sich unmittelbar um Webseiten von Parteien, Parteiangehörigen oder Ortsverbänden. Weitere 17 Prozent der Suchergebnisse sind Social-Media-Profile der Parteien. Medienangebote machen demgegenüber 26 Prozent der Ergebnisse bei der Google-Suche nach Parteien aus.
Wenn die Ergebnisse Schlagzeilen enthalten, stammen sie zu 80 Prozent von den Webseiten deutscher Printmedienanbieter. Nachrichten von Anbietern, deren einziger Verbreitungsweg das Internet ist, machen 12 Prozent der Google-Schlagzeilen aus, Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Anstalten vier Prozent.
Sowohl bei der Recherche nach Politikern, als auch bei der Suche nach Parteien erhalten die Nutzer viele Übereinstimmungen in den Ergebnislisten. Die Ergebnisse nach Parteien weisen zwar – im Unterschied zu denen nach prominenten Politikern – zunächst etwas weniger Ähnlichkeiten auf. Berücksichtigt man jedoch die stärkere Regionalisierung der Ortsverbände der Parteien, bleibt hier ebenfalls eine große Übereinstimmung.
„Überraschend war, dass die Google-Suche nach Politikern allen Nutzern annähernd die gleichen Ergebnisse liefert. Das Forschungsprojekt misst also nur wenige Anzeichen für Personalisierung. Klar ist aber auch: Die Studie war eine Momentaufnahme. Bereits morgen können die Ergebnisse anders aussehen“, so das Fazit von BLM-Präsident Siegfried Schneider. Aus seiner Sicht dürfe es daher „keine generelle Entwarnung“ geben, man müsse vielmehr „erst einmal bei anderen Intermediären wie Facebook ähnliche Datenanalysen zum Einfluss von Algorithmen auf die öffentliche Meinung durchführen“.
LMS-Direktor Uwe Conradt: Die Sicherung der Meinungsvielfalt war immer ein zentrales Element der bisherigen Rundfunkregulierung. Mittlerweile sind aber auch Intermediäre wie Google oder Facebook zu zentralen Orten für Meinungsbildung und öffentliche Kommunikation geworden. Eine Weiterentwicklung der Medienregulierung muss deshalb Mindeststandards setzen für die Sicherung der Meinungsvielfalt, Transparenz und Diskriminierungsfreiheit. Das Projekt hat gezeigt, dass es mittels Datenanalyse möglich ist festzustellen, ob Algorithmen die politische Kommunikation verzerren oder sogar die Verbreitung von Falschmeldungen oder Hetze fördern.“
Die LMS hat ihre Aktivitäten zur Vielfaltssicherung bereits um eine strukturierte Beobachtung und Erfassung des digitalen Raumes ergänzt. „Mit dem Ziel der Unterrichtung von Politik und Öffentlichkeit erstellt die LMS seit wenigen Monaten den Social Media, App- und Web-Report. Dieser ist das zusammengefasste Ergebnis des Webmonitorings der LMS, in ihm werden globale Tendenzen der Plattformökonomie genauso abgebildet wie die Bedeutung von neuen Akteuren oder traditionellen Medienangeboten“, so Conradt.
Das Forschungsprojekt „#Datenspende: Google und die Bundestagswahl 2017“ wurde neben der BLM und der LMS durch die Landesmedienanstalten Berlin-Brandenburg (mabb), Hessen (LPR Hessen), Rheinland-Pfalz (LMK), und Sachsen (SLM) finanziert.
Den Abschlussbericht und den Social Media, App- und Web-Report ist hier zu finden:
https://www.lmsaar.de/service/publikationen/