Letzte "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

18.09.2015
Der Wandel eines Schönheitsideals

Es wird allmählich Sommer, die Temperaturen steigen und plötzlich wird einem bewusst, dass das neugewonnene Hüftgold vom letzten Winter dringend verschwinden muss. Doch irgendwie ist in letzter Zeit nicht die neueste Crashdiät der Renner, nein, plötzlich rennt jeder was das Zeug hält – im wahrsten Sinne des Wortes. Fitnessstudios sind überfüllt, auf einmal geht jeder „pumpen“ und das damit gemeinte Gewichte stemmen ist schon längst nicht mehr Jungssache. „Fit sein“ ist das neue Motto des Sommers und nicht „schlank um jeden Preis“.

Prinzipiell ein guter Vorsatz, die Zeiten in denen „size zero“ der letzte Schrei war, sind zum Glück vorbei und einen Salat ohne Dressing und Brot zu bestellen, ist jetzt ganz offiziell bekloppt. Dieser Trend ist vor allem für viele Jugendliche ein sprichwörtlicher Segen, denn als hätte man in der Pubertät nicht schon genug Probleme mit sich und sowieso allem und jedem, ist endlich dieser Druck von außen weg, perfekt schlank zu sein. Ein guter Anfang in die richtige Richtung, der auch langsam die Politik erreicht. So hat die französische Regierung kürzlich ein Gesetz verabschiedet, welches den Magerwahn auf den Laufstegen in Paris eindämmen soll. Dazu soll die französische Gesundheitsbehörde einen Body-Maß-Index (BMI) – eine Kennzahl für das Körpergewicht- festlegen, der von Models nicht unterschritten werden darf.

Doch der neue Trend fit zu sein anstatt abgemagert, hat dennoch seine Schwächen. Das Internet spielt natürlich bei dieser neuen Bewegung eine große Rolle, allen voran die Plattform „Instagram“. Auf dieser Seite sollen und werden in erster Linie Bilder gepostet, von allem, jedem, von dem was man gerade tut, was man gerne tun würde, Dinge die man gerne hätte, vom Laufband auf dem man gerade rennt oder dem Teller Spaghetti, den man gerade isst. Das bedeutet, dass die ganze Welt daran teilnimmt was man gerade tut, sofern man sie daran teilnehmen lässt. Und plötzlich werden ganz einfach Mädels von nebenan zu Internetstars, weil sie schöne Bilder von ihren frisch gekochten Gerichten hochladen, die Welt daran teilnehmen lassen, wie sie abnehmen oder einfach hübsch sind und tolle Schminktipps geben. Anfangs eine lustige Sache und durchaus hilfreich, doch mittlerweile haben große Konzerne längst ihre Chance erkannt. Sie schicken diesen „Internetstars“ gratis Pakete nach Hause, gefüllt mit tollen Sachen, über die die Mädels auf ihrer Seite berichten sollen und somit ganz automatisch alle, die sich diese Beiträge anschauen, zum Kauf anregen. Vor allem Fitness- und Ernährungsanbieter sind hierin ganz groß. Denn mit dem neuen Fitnesstrend geht auch einher, dass extrem viel Sport getrieben wird. Das bedeutet wöchentlich ein Minimum von drei- bis viermal Fitnessstudio. Es kommt einem so vor, als wäre fast jeder zweite Teenager mittlerweile dort angemeldet, zum Fußballtraining oder sonstigen Sportarten noch hinzu. Außerdem trinkt man jetzt nach jeder Trainingseinheit Eiweißshakes, die es in gefühlten 85647 Sorten gibt. Welche davon wirklich empfehlenswert und „suuuuper lecker“ sind, stellen die sogenannten „großen Accounts“ ja in Instagram vor. Und weil sich alle so schrecklich gerne haben, gibt’s direkt 10% Rabatt, wenn man noch am gleichen Abend sich sein Eiweißpulver nach Hause bestellt.

Die neue „Fitnesswelle“ steckt noch in ihren Kinderschuhen und hat noch die eine oder andere Hürde zu nehmen bis sie zur neuen Vorzeigeeinstellung wird. Doch prinzipiell ist es beruhigend zu sehen, dass es gerade für junge Mädchen völlig okay ist, wenn die Waage plötzlich 60kg oder gar mehr anzeigt und nicht eine Panikwelle ausbricht, weil man nicht so aussieht wie die Models auf den Plakaten. Der Trend,viel Sport zu machen und sich gesund zu ernähren anstatt nichts zu essen, ist definitiv ein besserer. Doch ob „fit sein“ auch bedeutet, Eiweißshakes zu trinken, Pulsuhren zu tragen und Vitaminkapseln vor dem Essen zu sich zunehmen, um seinen Stoffwechsel anzukurbeln, darüber sollte man dringend nochmal nachdenken.