Letzte "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

25.05.2016
Ein Blick hinter die Kulissen

Prinz_PilotVon Sandra Cavallaro

Freitag, der 19. Februar 2016, 19:30 Uhr – langsam füllt sich die Congresshalle. Kurz vor Vorstellungsbeginn führte uns Nicole Ciroth hinter die Kulissen und stellte uns den Cast des Musicals „Der kleine Prinz“ vor. Immer wieder gab es Versuche, den magischen Stoff aus Antoine de Saint-Exupérys bekanntestem Werk auf die Bühne zu bringen, nachdem im letzten Jahr die Kinoverfilmung folgte. Die Geschichte des kleinen Prinzen, der von einem fernen Stern auf die Erde kommt, hat schon viele Kinder in eine traumhafte Welt entführt – eine Welt voller Fantasie.

Doch genauso richtet sich das Buch an Erwachsene, mit dem Ziel in ihre manchmal versteinerten Herzen einzudringen und sensibel für die wichtigen Dinge zu machen. „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“, lernt der kleine Prinz vom Fuchs, den er sich durch Zähmen vertraut und zum Freund macht. Seine Fragen nach dem Warum klingen zunächst wie ein Kinderspiel. Dabei wird vom Lebenssinn, von Verantwortung, von Freundschaft und Liebe erzählt. Und wie können große Gefühle noch unmittelbarer und eindringlicher die Herzen der Menschen erreichen? Die Antwort ist einfach: mit Musik.

Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit an der Neuinszenierung des Musicals „Phantom der Oper“ haben sich Deborah Sasson und Jochen Sautter erneut zusammengefunden, um die wunderbare Geschichte des kleinen Prinzen in ein Musical zu verwandeln. Dabei sind sie nah am philosophischen Inhalt eines der meistgelesenen Bücher der Welt geblieben. Der Musikstil wechselt zwischen klassisch und rockig. Namenhafte Musical-Darsteller aus Hamburg, Berlin, Wien und Zürich haben die Hauptrollen besetzt. Ari Gosh, ein bekannter Künstler, ist über das Schauspielern hinaus in einer eigenen Berliner Band aktiv und ist zudem Nachrichtenredakteur und -sprecher beim RBB. Seine sprachliche Virtuosität stellt er in diesem Musical als König unter Beweis, sein Text kommt wie aus einem Maschinengewehr. Der in Montreal geborene Opernsänger Benoit Pitre verleiht mit seinem unbestritten charmanten französischen Akzent dem Piloten die nötige Pariser Note.

„Der Pilot stellt die erwachsene Seele des kleinen Prinzen dar. Er ist wie alle Erwachsenen sehr auf den Verstand fixiert. Durch den Prinzen lernt der Pilot die Welt mehr mit dem Herzen zu sehen”, beschreibt er seine Rolle. „Nach Interpretation unseres Regisseurs stirbt der kleine Prinz am Ende. Saint-Exupéry hat offen gelassen, wie er auf seinen Planeten zurückkehrt. Ich habe das Buch zwar schon als Kind gelesen, musste zur Vorbereitung auf das Musical aber noch einmal in der Geschichte graben, um Gefühle zu finden, die ich für diese Rolle brauche.”

Ein Gegensatz zu dem warmherzigen Piloten stehen Charaktere wie der Geschäftsmann, gespielt von Daniel Hauser. „Der Geschäftsmann weiß, was er will und ist nur auf Macht und Profit aus. Mit seiner Gier steht er für eine große Personengruppe unserer Zeit. Jeder strebt nach Geld und will immer mehr haben. So eine ältere, taffe Rolle habe ich noch nie gespielt. Für mich ist es eine Herausforderung, so eine ernste Rolle zu spielen, weil ich eher ein vitaler, freundlicher Mensch bin und gerne lache.” Gerade die Rollen, mit denen sie sich am wenigsten identifizieren, reizen die Schauspieler am meisten.

„Mir gefällt an meiner Rolle, dass ich etwas ausleben kann, was ich im privaten Leben nicht bin“, erzählt Chadim, der als Eitler auf der Bühne seine Nase höher halten darf als sonst. Auch Pascal Jounais macht es Spaß, verschiedene Charaktereigenschaften darstellen zu dürfen. „Dadurch kann man unterschiedliche Seiten von sich zeigen kann, auch welche, die man selber gar nicht hat. Die muss man beim Probeprozess erst mal entdecken, damit man auf der Bühne glaubhaft ist”.

In „Der kleine Prinz” hat er eine Doppelrolle: „Neben einem Sekretär des Geschäftsmann bin ich auch als Pillenhändler zu sehen. Er steht für den heutigen Wunsch, seinen Lebensstandard durch Nahrungsergänzungsmittel zu verbessern. Man sucht immer wieder neue Wege, um etwas für seine Gesundheit zu tun, dabei ist halt die Frage, wie gesund und wirksam es wirklich ist. Ich habe eine sehr lustige Rolle und viel Spaß an dem spritzigen Lied.”

Eine lustige Rolle mit ernstem Hintergrund. Viele Figuren stellen verschiedene menschliche Schwächen dar. So auch der Säufer. In einer sehr kurzen Szene versucht Jonas Wichmann dem Publikum die Alkoholabhängigkeit greifbar zu machen. Symbolisiert wird diese durch ein Seil, an dem Flaschen hängen von denen der Säufer eingewickelt wird.  “Da gibt es diesen Teufelskreis, aus dem Alkoholabhängige nur schwer raus kommen. Der Säufer schämt sich, weil er trinkt und er trinkt, weil er sich schämt. Die Szene ist nicht sehr hoffnungsvoll, weil er den frustrierenden Kampf immer verliert. Er versucht sich vom Prinzen aus diesem Kreislauf raus ziehen zu lassen, aber es klappt nicht.“

Genauso beeindruckend wie der kleine Prinz selbst, ist sein Schauspieler. Moritz Bierbaum singt sich mit seinem hohen Tenor in die Herzen der Zuschauer. Er spielt die Hauptrolle mit solch einer kindlichen Frische, dass ihn keiner auf Anfang zwanzig schätzen würde. Der junge Musical-Darsteller hat seine Ausbildung gerade erst abgeschlossen. Der kleine Prinz ist seine erste bezahlte Rolle, für die er sich bei einem Casting beworben hat.

Pascal Jounais ist einer der Schauspieler, der schon als Kind wusste in welche Richtung sein beruflicher Weg gehen soll. „Als ich als kleines Kind zum ersten Mal im Theater war, wollte ich später unbedingt dasselbe machen wie die Leute auf der Bühne. Über Umwege bin ich tatsächlich zu diesem Kindheitstraum zurückgekommen.“ Vielleicht könnt ihr euch nicht vorstellen, wie ein Gesangsstudium aussieht. Nach der Aussage von Johanna Mucha, darf man sich das gar nicht viel anders vorstellen als andere Studiengänge. „Das Studium beinhaltet viele Fächer. Man hat ganz viel Musiktheorie und Musikgeschichte über die Entstehung von Operetten zum Beispiel.“

Die Liebe zur Musik haben alle Schauspieler schon früh entdeckt. Die meisten haben mit Tanz und Gesang begonnen, was sie schließlich zum Musical geführt hat.nAnna Friederike Wolf ist nicht die Einzige, die ihre Karriere auf der Ballettschule gestartet hat. „Neben der Schule habe ich jeden Tag trainiert, bis der Wunsch kam, das beruflich zu machen. Mit 16  habe ich dann parallel angefangen mich auch für das Musical zu interessieren.“

Nicole Ciroth hingegen hat in diesem Alter noch gar nicht gewusst, dass es eine Ausbildung zum Musical-Darsteller gibt. „Ich bin auf dem Land groß geworden, wo ich als Kind mit dem Voltigieren angefangen habe. Ansonsten habe ich Klavier gespielt und schon immer gerne gesungen. Meine Gesangsausbildung habe ich aber erst mit 18 begonnen. Hauptsächlich habe ich aber Musiktherapie studiert. Zum Musical bin ich eigentlich erst nach meinem Studium gekommen, wirklich sehr spät.“ In der Rolle der Schlange stechen Nicoles akrobatische Fähigkeiten heraus.

Auch andere erzählerische Figuren wie die Schlange und der Fuchs wurden tänzerisch umgesetzt. Viele Bewegungen auf der Bühne führten interaktive Videos weiter. Der dafür verantwortliche Daniel Stryjecki bindet die agierenden Darsteller in die stimmungsvollen Videoprojektionen ein.

Einen besonderen Effekt erzeugten Vögel, die sich für den kleinen Prinzen zu einem riesigen Paar Flügel formierten. Ein hübsches Detail war auch, als zu Beginn die berühmte Zeichnung von der Schlange, welche einen Elefanten verdaut, auf der Leinwand entstand. Als videoanimierter Hammer muss ich die Szene im Rosengarten bezeichnen – zauberhaft! Mit 3D-Projektionen auf eine transparente Leinwand wurde auf der einfachen Bühne der Congresshalle eine große Tiefenwirkung erzeugt.

Je nach Vorstellungsort muss das Team aus einer leeren Halle ein Theater bauen und das in nur  zwei Stunden. „Am Anfang haben wir noch länger gebraucht, aber jetzt sind wir ein eingespieltes Team. Es ist gar nicht so einfach im Dunkeln umzubauen. Und abbauen müssen wir in 45 Minuten“, erklärt Frank Litzinger, der Veranstaltungstechniker. Ohne seine Leitung läuft während der Show gar nichts. Vor jedem Tourstopp muss er klären, wie viel Material an den jeweiligen Orten geliehen werden muss. „Ein beladener LKW ist immer dabei. Alles ist in beschriftete Kisten verpackt, damit jeder Kollege weiß, was er zum Aufbauen braucht. Aber alles kann ich auch nicht dabei haben, also wird vor jeder Vorführung neu organisiert und hin und her transportiert.“

Sehr viel zu organisieren hat auch die Tourmanagerin Jutta Ott-Rapp ist hinter den Kulissen immer dabei. Einer ihrer zahlreichen Aufgaben ist es die Hotels zu buchen. „Wenn die Strecke zu lang ist, fahren wir manchmal gleich zur nächsten Halle und können nicht mehr vorher ins Hotel.“ Das Team hat einen engen Zeitplan, Abfahrtszeiten müssen eingehalten werden. Diese können sich manchmal ganz schön verzögern. Auf der letzten Fahrt kam es zu einem plötzlichen Schneesturm und der Bus konnte die letzten Kilometer nur noch im Schritttempo fahren. Trotzdem muss das Stück pünktlich anfangen. Ganz schön stressig! Sehr erfreut waren die Schauspieler über die Lage des Saarbrücker Hotels “Mercure”. „Wir kommen nur schlecht in die Stadt, weil die meisten Hotels im Industriegebiet liegen. Saarbrücken war da ein Gewinn im Lotto, das Hotel direkt neben der Halle und mitten in der Stadt”, schwärmt Nicole Ciroth. Die meiste Zeit verbringt sowohl das 12-köpfige Ensemble als auch das mitreisende Orchester im Tourbus. „Das Tourleben ist schon anstrengend. Es ist schwierig, sich mit Freunden und Familie zu treffen, höchstens an einem freien Tag kann man mal nach Hause fahren”, erzählt Moritz Bierbaum von seiner ersten großen Tour. Dass die Schauspieler einen “freien Tag” haben, an dem kein Auftritt stattfindet, kommt nur ca. alle drei Wochen vor. Und diese Zeit nutzen die meisten, um sich bei sogenannten Auditions schon für neue Rollen zu bewerben.

Johanna Mucha ist auch nach langer Bühnenerfahrung für jeden Job dankbar. “Es gehört nicht nur Talent, sondern auch viel Glück dazu. Es gibt so viele Schauspieler. Für Frauen ist es besonders schwer an einen Job zu kommen, da die Konkurrenz noch größer als bei Männern ist.” Seit Dezember 2015 sind die Künstler schon unterwegs und haben weite Strecken durch Norditalien, Österreich, die Schweiz und Deutschland zurückgelegt. Eine Woche müssen sie noch durchhalten.

Nächstes Jahr soll “Der kleine Prinz” erneut auf Tour gehen. Ich hoffe, die tolle Besetzung bleibt.

Bis dahin hat sich das Team eine Pause mehr als verdient!

 

Foto: Manfred Esser