Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

10.06.2015
In Deutschland spalten sich die Geister

familyDie saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sorgte in der Debatte um die gleichgeschlechtliche Ehe für Schlagzeilen. Sie lehnt eine Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule ab und äußerte der Saarbrücker Zeitung gegenüber: „Es stellt sich die Frage, ob wir grundlegende Definitionen unserer Gesellschaft verändern wollen, und zwar mit womöglich weitreichenden Folgen“. Weiterhin mahnte sie: „Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen“. Bundesweit löste diese Äußerung einen Sturm der Entrüstung aus. Aufgrund dieser umstrittenen Aussage stellte eine Berliner Juristin sogar Strafanzeige gegen die Ministerpräsidentin wegen Beleidigung und Volksverhetzung. „Diese Äußerung ist nicht mehr nur homophob, sondern menschenverachtend und in ihrem Gehalt gleichzusetzen mit den ähnlich verachtenden Äußerungen 1933 – 1945“. Mit diesen harten Worten begründete die Anwältin Sissy Kraus auf Facebook ihren Beschluss. Doch Annegret Kramp-Karrenbauer verteidigt sich und betonte nach einem Treffen der Spitzenvertreter der evangelischen Kirche, dass die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaftenabgebaut werden müsse. Unstimmigkeiten darüber, ob der Begriff der „Ehe“ für homosexuelle Paare geöffnet werde, gebe es sowohl in der großen Koalition als auch in der Saar-CDU. Sie habe lediglich darauf hingewiesen, dass eine Änderung des Grundgesetzes gut durchdacht werden muss. Aufgrund des vorherrschenden Dissenses im Saarland zwischen SPD und CDU, wird sich unser Bundesland am Freitag bei der Behandlung der Homo-Ehe im Bundesrat enthalten.
In Deutschland finden gleichgeschlechtliche Beziehungen eine konstant ansteigende Toleranz und scheinen weitestgehend in der Gesellschaft akzeptiert. Bislang gilt die sogenannte „Verpartnerung“, also der Eintritt in eine eingetragene Partnerschaft nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz, als Pendant zur traditionellen Ehe zwischen Mann und Frau. Eine Lebenspartnerschaft ist in Deutschland die einzige Möglichkeit, einer gleichgeschlechtlichen Beziehung einen rechtlichen Rahmen zu geben. Im allgemeinen Sprachgebrauch begegnet uns häufig der Begriff der „Homo-Ehe“. Ehen gleichgeschlechtlicher Liebespaare sind gegenwärtig in 18 Staaten legal: die Niederlande, Belgien, Spanien, Südafrika, Kanada, Norwegen, Schweden, Portugal, Island, Argentinien, Brasilien, Dänemark, Frankreich, Uruguay, Neuseeland, Luxemburg, Finnland und Irland. Innerhalb des Vereinigten Königreichs ist die gleichgeschlechtliche Ehe in England, Schottland und Wales möglich (nicht aber in Nordirland), und innerhalb der Vereinigten Staaten haben 37 von 50 Bundesstaaten sowie ein Bundesdistrikt die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert. Paradoxerweise sprach sich Irland für Homo-Ehen aus, wohingegen Abtreibungen in diesem Land weiterhin verboten sind.
Eine eingetragene Lebenspartnerschaft ist rechtlich gesehen nicht identisch mit einer Ehe, nichtsdestotrotz, bewirkt sie oftmals die gleichen Rechtsfolgen. So fällt die eingetragene Lebenspartnerschaft beispielsweise nicht unter den „Schutzbereich der Ehe“ nach Artikel 6 Absatz 1 des Grundgesetzes, in welchem es heißt: Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung […]. Es wird damit argumentiert, dass das wesentliche Merkmal, das die Ehe ausmacht, die Verschiedengeschlechtlichkeit der Partner impliziere. Auch hinsichtlich des Adoptionsrechts werden homosexuelle Paare diskriminiert. Bei diesem politischen Streitthema spalten sich bundesweit die Geister. „Ich bin mir sicher, das Kindeswohl hängt nicht davon ab, von welchem Geschlecht ein Kind erzogen wird, sondern das Kindeswohl hängt ausschließlich davon ab, unter welchen Rahmenbedingungen und mit welcher Liebe ein Kind aufwachsen kann“, sagte Sozialministerin Katrin Altpeter von der SPD und plädierte im baden-württembergischen Landtag für eine vollständige Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare. Doch mit dieser Äußerung stößt sie auf Widerstand bei der CDU. CDU-Oppositionsführer Guido Wolf vertritt die Meinung, dass die Schritte zur Gleichstellung nicht das Adoptionsrecht enthalten sollten. Er ist der Ansicht, „dass Kinder immer noch idealerweise bei Vater und Mutter aufwachsen“.
Laut unseres Grundgesetzes ist jeder Mensch gleich und genießt die gleichen Rechte. Es sollte sich also zunächst grundsätzlich die Frage gestellt werden, ob homosexuelle Paare in unserer Gesellschaft tatsächlich gleichberechtigt sind. Wir leben in einem Land, in dem stets Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Religionen und Menschen gepredigt wird, doch sind wir in der Tat schon so weit, dass wir frei von Vorurteilen sind und Hautfarbe oder sexuelle Orientierung kein Kriterium mehr sind um eine Person von einer anderen zu unterscheiden?

Bild: Emily Walker