Neue "Chilly" erschienen!

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen Worten des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez möchten wir uns verabschieden und euch für die langjährige Treue danken. Ab sofort findet ihr die neue Ausgabe des Chilly Magazins an vielen weiterführenden Schulen sowie an ausgewählten Orten im Saarland!

22.07.2015
Keine teuren Klassenfahrten mehr

1024px-S431DT_der_RVMSchulausflüge bringen Schülerinnen und Schülern nicht nur eine Menge Spaß, sondern bilden auch. Doch während Schulklassen aus Hamburg oder Berlin hin und wieder mal in ein Flugzeug steigen und in ferne Länder reisen, müssen die Saarländer laut Erlass von Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) zu Hause bleiben. Höchstens ein Abstecher ins Nachbarland darf gemacht werden, allerdings auch nur in das angrenzende französische Département Moselle.

Der Bildungsminister begründet seine Entscheidung damit, dass er soziale Ausgrenzung abschaffen wolle, da sich ärmere Familien kostenintensive Ausflüge nicht leisten können. Zu den alleinigen Reisekosten kommt zudem auch noch das Taschengeld hinzu. Folglich werden teure Reisen in Schulen zwar nicht verboten, jedoch nur dann genehmigt, sofern der Preis für die Familien „angemessen“ ist. Doch Bildung sollte nicht von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängig sein und deswegen gibt es auch Zuschüsse für Klassenfahrten bei geringem Einkommen, sodass kein Kind auf dieses Privileg verzichten muss. Hierfür haben die meisten Bundesländer spezielle Fördertöpfe.

Hintergrund der Entscheidung des saarländischen Ministers ist wohl auch, dass Lehrer seit einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts im Jahr 2012 einen Anspruch darauf haben, dass ihre Reisekosten erstattet werden müssen. Eine Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen hatte geklagt und Recht bekommen. Bis zu diesem gerichtlichen Beschluss mussten Lehrer eine Verzichtserklärung unterschreiben, dass sie keine Ansprüche geltend machen. Ohne Verzichtserklärung wurde die Fahrt nicht genehmigt. Dies wurde durch das Urteil nun unterbunden. Saarländischen Lehrkräften sollen künftig 50 Euro erstattet werden, bei Sport-Fahrten oder Internationalen Begegnungen sogar 100 Euro, erklärte Commerçon. Diese Regelung kommt somit nicht nur den Eltern zugute, sondern ebenso den Landeskassen bei der mehr als knappen Finanzlage des Saarlandes.

Der Entschluss löste im Land heftige Debatten aus. So denkt der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Klaus Kessler, dass das Bundesland dadurch zu einer „Reiseprovinz verkommt“. In einer Pressemitteilung erklärt er weiterhin: „Wir halten die Neuregelungen für Klassenfahrten aus sozialen Gesichtspunkten und vor dem Hintergrund, dass das Saarland und das Département als Zielregion gestärkt werden sollen, für durchaus sinnvoll. Allerdings dürfen diese nicht dazu führen, dass Fahrten ins Ausland aus Kostengründen vom Ministerium nicht mehr genehmigt werden. Sprachreisen etwa bieten den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die Kulturen anderer Länder kennenzulernen und ihre Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen. Sportkurse, beispielsweise im Rahmen von Skifreizeiten, stärken das Selbstbewusstsein und fördern weitere wichtige Eigenschaften wie Teamfähigkeit. Somit erfüllen solche Sprachreisen ins Ausland und Klassenfahrten mit sportlichem Schwerpunkt einen wichtigen pädagogischen Zweck, der in der Diskussion keinesfalls vernachlässigt werden darf.“

Die Vorsitzende des saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, Lisa Brausch, äußerte dem Saarländischen Rundfunk gegenüber, dass größere Fahrten bestehen bleiben sollten, „wenn es der pädagogische Auftrag legitimiert“. Klassenfahrten in andere Länder, wie etwa nach Rom oder London seien zudem für viele Kinder „die einzige Gelegenheit, an solche Orte zu kommen“. Auch die Landesschülervertretung hält diese Entscheidung für „ungerecht“.

 

Bild: Magnus Manske / RVM SchnellBus S 431 DT

https://de.wikipedia.org/wiki/Omnibus#/media/File:S431DT_der_RVM.jpg