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07.12.2018
Saarbrückens besondere Seite Teil 4

Goldene Zeiten für eine Gedenkstätte

Einen wichtigen und bedeutsamen Ort in Saarbrücken bzw. an der Grenze zu Frankreich bildet die Neue Bremm. Mittlerweile hat es sich eingebürgert „Goldene Bremm“ zu sagen, aber um genau zu sein, gehört die Goldene Bremm „Brême d’Or“ zur französischen Seite zur Gemarkung von Spichern. Gold kann man hier nicht schöpfen, denn das „Gold“ bezieht sich auf den Besenginster, der goldgelbe Blüten trägt und in dieser Region besonders stark verbreitet ist. „Brimme“ aus dem Mittelhochdeutschen abgeleitet, bedeutet nichts anderes als Ginster, genau genommen Besenginster. Seine rutenähnlichen Zweige wurden früher für die Besenherstellung genutzt, weshalb in anglophonen Gebieten „broom“ nicht nur zum Ginster, sondern auch zum Besen gesagt wird.
Die „Neue Bremm“ hingegen, befindet sich auf deutscher Seite.

1943 und 1944 nutzte die Gestapo dieses Barackenlager als ein zusätzliches Gefängnis. 1943 wurde hier ein Frauenlager hinzugefügt, das durch den Alstinger Weg vom Männerlager getrennt war. In diesem Gestapo-Lager waren insgesamt 20.000 Häftlinge inhaftiert, worunter nicht nur Arbeitserziehungshäftlinge und politische Gefangene zählten, sondern auch Kriegsgefangene und aus „rassischen“ Gründen verfolgte sowie „Volksgenossen“ mit absehbaren Disziplinierungs- und Erziehungsstrafen. Man geht nach neueren Forschungsergebnissen davon aus, dass ca. 600-800 Häftlinge im Durchschnitt dort interniert wurden. Offiziell sind 82 Häftlinge im Gestapo-Lager Neue Bremm ermordet worden. Bereits seit dem 11. November 1947, initiiert vom französischen Militärgouverneur Gilbert Grandval und vom Architekten André Sive entworfen, steht dort eine Gedenkstätte „Neue Bremm“, welche allerdings nach und nach in Vergessenheit geraten ist. Mit „Initiative Neue Bremm“ wurde im Januar 2000 ein Wettbewerb für die Neugestaltung und Hervorhebung der Gedenkstätte ausgeschrieben. Die Architekten Ballhausen und Poppensieker gewannen mit ihrem Entwurf und Titel „Hotel der Erinnerung“, denn bereits seit den 70er Jahren befand sich auf der Seite des ehemaligen Frauenlagers ein Hotel, das heutige Mercure-Hotel. Es verleiht dem Ort eine besondere Bedeutung im Sinne von „gestern Lager, heute Hotel“. Die neugestaltete Gedenkstätte ist seit dem 8. Mai 2004 zu sehen.

Also, falls ihr das nächste Mal durch Saarbrücken flaniert, seid aufmerksam und schaut euch eure Umgebung einfach mal etwas genauer an. Es gibt noch viele andere Stellen und Orte, die so unscheinbar wirken, aber viel Geschichte beinhalten. Legt Euer Ohr auf die Schiene der Geschichte.

Foto: AnRo0002 / Wikipedia