Macht mit bei Chilly!

Journalistische Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Anmeldung unter post [at] chilly-magazin [dot] de, Telefon 0681/9681487 oder spontan vorbeikommen.

05.12.2018
Saarbrückens besondere Seite Teil 2

Stolpern und erinnern

Doch nicht nur das Kletterzentrum stellt einen besonderen Ort in Saarbrücken dar, sondern viele kleinere Orte oder Stellen auch, die sich in ganz Saarbrücken zwischen Pflastersteinen wiederfinden. Sie sind bestimmt jedem von uns einmal aufgefallen. Kleine, quadratisch-golden- oder silberartige „Stolpersteine“ beginnend mit den Worten „Hier wohnte…“. Dank des Künstlers Gunter Demnig findet man sein europaweites und somit dezentralisiertes Projekt „Stolpersteine“ in 1265 Kommunen Deutschlands und insgesamt in 21 europäischen Ländern. An fünfzehn Orten mit insgesamt 32 Stolpersteinen findet man diese in ganz Saarbrücken verteilt. Um die anfangs gestellte Frage zu beantworten: nein, weder fällt man hin noch verletzt man sich bei den Stolpersteinen. Dennoch „stolpert“ man gedanklich. Denn mit diesem Projekt versucht Gunter Demnig die Opfer des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und an das Schicksal dieser zu erinnern. So zitiert er aus dem Talmud „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ 2015 erinnerten bereits 55.000 Stolpersteine an insgesamt 1.600 Orten europaweit des Kölner Künstlers an die Millionen Opfer des Hitler-Regimes. 61.000 Steine hat Gunter Demnig in insgesamt 22 Ländern verlegt und er wird stets weitermachen, auch wenn er bereits 71 Jahre alt ist.

Der Initiator für die ersten Stolpersteine in Saarbrücken war der Vorsitzende der Synagogengemeinde Richard Bermann. Das Prinzip des Projekts funktioniert allerdings nur durch Spenden von Bürgerinnen und Bürgern in Höhe von 120 Euro pro Stein. Das heißt, dass allein die Erinnerung der Bewohnerinnen und Bewohner eines Ortes durch Spenden dieses Projekt am Leben erhalten, wodurch wir „mit dem Kopf und dem Herzen stolpern“, sodass wir uns stets an die Opfer, deren Schicksal dem NS-Regimes unterlag und damit ihr Leben bezahlten, erinnert werden.
Also, mit gesenktem Kopf auf euer Smartphone, lohnt es sich immer links und rechts vom Bildschirm auf den Boden zu schauen. Nehmt eure Umgebung aufmerksam wahr und lasst die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten.
Und falls ihr nicht alle Stolpersteine findet, gibt es hier eine alphabetische Auflistung aller Orte der Stolpersteine in Saarbrücken.

Am Staden 30, Leo Cah;
Bahnhofstraße 80, Johanna Kirchner;
Dudweilerstraße 26-30 Sophronie Herz;
Graf-Johann Straße 3, Hugo Kahn / Paul Kahn / Edith Ilse Kahn;
Großherzog-Friedrich-Straße 12, Hilde Itzkowitz / Sally Strauss;
Großherzog-Friedrich-Straße 61, Moritz Jakob Davidson / Wanda Davidson / Egon Otto Davidson / Vales Guenter Davidson;
Karcherstraße 11 , Max Heymann;
Karcherstraße 17, Max Hanau;
Loritzingstraße 18, Herbert Fürst / Olga Fürst;
Mainzerstraße 35, Herta Kaempfer / Evelyne Kaempfer / Marion Kaempfer / Georg Kaempfer; Nauwieserplatz 11-13, Heinz Henry Bonem / Lotte Bonem;
Rathausplatz 1, Fritz Dobisch / Peter Roth / Wendel Schorr;
Rathausplatz 7, Emilie Kaiser / Paul Loeb;
Riottestraße 14, Dilla Cahn;
Ursulinenstraße 24, Salomon Blum / Ida Blum / Ernst Peiser / Erna Peiser.