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04.12.2018
Saarbrückens besondere Seite Teil 1

Saarbrücken besitzt ganz besondere Seiten. Man hört viele Namen und Orte und nimmt sie als selbstverständlich hin. Doch was versteckt sich eigentlich hinter „Der unterbrochene Wald“, welche Bedeutung steckt hinter „Johannishof“ am Kletterzentrum in der Mainzer Straße? Verletzt man sich bei den „Stolpersteinen“ und findet man Gold bei der Goldenen Bremm und warum sind diese Orte besonders? Im Folgenden soll ein kleiner Überblick über diese ganz besonderen örtlichen Gegebenheiten geschaffen werden, um der Geschichte Saarbrückens ein wenig näher zu kommen.

Unter’m Dach des „Johannishof“ und Willi Graf

Dieses Jahr – also 2018 – feiert die Landeshauptstadt Saarbrücken ein Willi-Graf-Gedenkjahr zu seinem 100. Geburtstag. Warum aber ist Willi Graf so bedeutsam, dass ihm sogar ein Gedenkjahr gewidmet wird? Sogar ein Gymnasium und eine Realschule wurden nach ihm benannt: das Willi Graf-Gymnasium und die Willi Graf-Realschule.
Der am 2. Januar 1918 in Kuchenheim (Rheinland) geborene Willi Graf verbrachte seine Kindheit und Jugend seit 1922 mit seinen zwei Schwestern in einem katholisch dominierenden Elternhaus in Saarbrücken. Das heutige Kletterzentrum in der Mainzer Straße mit der Aufschrift „Johannishof“ bildet somit seine Heimat und einen historisch bedeutsamen Ort. Der Name des Hauses hat sich seither nicht verändert, was durch den Namen „Johannishof“ unverkennbar ist. Willi Grafs Vater Gerhard führte als Geschäftsleitung die ehemalige Weinhandlung „Johannishof“, die zugleich auch als Saalvermietung diente. Aufgrund dessen ist das heutige Kletterzentrum nicht nur eine wunderbare Attraktion für Sportler, sondern hält zudem eine historische Attraktion inne; die Geburtsstätte von Gedanken- und Handlungsgut eines Widerständlers des Nationalsozialismus, der zurecht am 12. Oktober 2003 zum Ehrenbürger der Stadt Saarbrücken ernannt wurde.

Willi Grafs christliche Überzeugung ließ sich nicht mit der NS-Ideologie vereinbaren, weshalb er seit seiner Jugend ein Gegner des Nationalsozialismus war und repräsentierte somit den Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Regime. Nachdem Jugendgruppen wie die katholische „Neudeutschland“-Gruppe , bei der er mit bereits neun Jahren teilnahm, oder aber der Jugendbund „Grauer Orden“, den er mit sechzehn Jahren betrat, von den Nationalsozialisten verboten wurden, wurde die Hitlerjugend 1936 obligatorisch, doch Willi Graf weigerte sich mit Erfolg dieser beizutreten. Kurz nach Beginn seines Medizinstudiums in Bonn 1938 wird er schließlich wegen seiner Mitgliedschaft im „Grauen Orden“ angeklagt und inhaftiert. Nachdem das Verfahren allerdings eingestellt wurde, musste Willi Graf zur Wehrmacht, wo er Zeuge der nationalistischen Verbrechen wurde. 1942 wurde er nach München im Rahmen seines Studiums versetzt und lernte dort Hans Scholl und Alexander Schmorell kennen. Er schloss sich schließlich der Widerstandsgruppe „Die weiße Rose“ an, die zunächst zum passiven und kurz darauf zum aktiven Widerstand und zum Sturz der Regierung mit Flugblättern und Parolen an Häusern aufforderte. Am 18. April 1943 wurde er verhaftet und schließlich zwei Monate darauf vom Volksgerichthof gemeinsam mit Alexander Schmorell und Professor Kurt Huber, der ein Flugblatt gegen das Regime formulierte, zum Tode verurteil. Durch das Fallbeil wurde Willi Graf am 12. Oktober im selben Jahr hingerichtet und starb als Held für die Menschenwürde und gegen die NS-Ideologie.