Ja, wir Praktikanten waren nur Deutsche, das Schiff ist auch unter deutscher Flagge gefahren. Das Führungspersonal, also die Offiziere und Ingenieure, waren auch alles Deutsche. Nur die Besatzung kam von den kiribatischen Inseln. Erzähl mal von deinem Reiseverlauf…
Simon: Direkt zu Beginn der Ferien sind wir nach Hongkong geflogen, hatten da den Abend und die Nacht im Hotel verbracht und sind dann am nächsten Tag im Hafen auf das Schiff gestiegen. Dann sind wir nach Südkorea, zurück wieder nach China, diesmal Shanghai. Dann ging’s nach Ningbo, das ist nur so ein kleiner Hafen und anschließend zum zweiten Mal nach Hongkong. Dann Singapur, Durban, da lagen wir eine Woche vor dem Hafen auf Anker, weil es wegen einem Sturm zu gefährlich war einzulaufen. Danach sind wir weiter nach Port Elisabeth und über den atlantischen Ozean nach Santos, das liegt südlich von Sao Paulo.
Also seid ihr auch an Somalia vorbeigefahren…
Simon: Ja, also das Piratengebiet breitet sich zurzeit immer weiter aus, die kommen immer weiter aufs offene Meer, deswegen sind wir auch eine Kurve gefahren. Aber wir waren schon in der Nähe. An der Reling haben wir Puppen aufgestellt, damit es so aussieht, als ob wir die ganze Zeit Ausschau halten würden. Dann wurden zum Beispiel auch Feuerwehrschläuche verlegt, um die Bordwand zu besprühen, damit es den Piraten schwerer fällt hochzuklettern. Das AIS wurde ausgeschaltet, das ist ein System, das über Radiowellen Schiffsdaten bis zu dreißig Seemeilen weit schickt, so dass eben unsere Position nicht bekannt wird. In der Zeit konnte meine Familie auch nicht im Internet schauen wo ich bin, wir waren sozusagen weg von der Landkarte.
Hattest du Angst vor den Piraten?
Simon: Nee, man fühlt sich ziemlich sicher. Nachts muss man zwar die Lichter abdecken, aber man rechnet eigentlich nicht mit einem Überfall, zumal wir ja auch einen Bogen drum herum gefahren sind.
Wie lebt man eigentlich auf so einem Schiff? Ist das nicht total eng und man ist mit zehn anderen in einer Koje?
Simon: Nein, für die normale Mannschaft gibt es Einzelkabinen, für uns Praktikanten Doppelzimmer. Es ist schon so, dass du nach Feierabend die Leute immer noch siehst, beim Essen, beim Sport, man kann sich auf einem Schiff nicht aus dem Weg gehen. Auch wenn du jemanden überhaupt nicht leiden kannst, musst du 24 Stunden am Tag mit ihm auskommen. Das regt halt manchmal ein bisschen auf. Der Kapitän sorgt dafür, dass die Stimmung auf dem Schiff nicht kippt, und ganz wichtig ist auch der Koch. Du freust dich halt so richtig auf die Mahlzeiten, wenn du hart arbeitest, und wenn dann das Essen nicht lecker ist, hat der Kapitän ein echtes Problem. Der Koch ist schon sauwichtig auf dem Schiff.
Wer ist denn außer dem Koch und dem Kapitän noch wichtig?
Simon: Der leitende Ingenieur, der ist der Herr über die Maschine. Nach dem Kapitän ist er der Zweitwichtigste.
Was musstet ihr Praktikanten denn arbeiten?
Simon: Wir haben so ziemlich alles gemacht, was man als Schiffsmechaniker auch macht, das ist ein Ausbildungsberuf. Es gibt zwei Wege: Man macht zuerst seine Ausbildung zum Schiffsmechaniker, dann kann man entweder Maschinenbau studieren oder Nautik. Je nachdem, ob man Schiffsingenieur oder Kapitän werden will. Aber der Schiffsmechaniker ist Ausgangspunkt für alle Berufe. An Bord teilt die Arbeit sich in drei Bereiche auf: Brücke, Deck und Maschine. Auf der Brücke muss man zum Beispiel Seewache halten, also das Meer beobachten und alles melden, was man sieht, Positionen in die analoge Seekarte aus Papier eintragen und Messungen wie Luftdruck oder Windgeschwindigkeit durchführen. An Deck musste man zum Beispiel mit Rostschutzfarbe arbeiten. In der Maschine mussten wir den Motor von innen säubern, danach waren wir von oben bis unten voller Öl. Ölbad bekommt da eine neue Bedeutung. Wir mussten auch in der Werkstatt Ersatzteile bauen.
Was habt ihr denn eigentlich transportiert?
Simon: So ziemlich alles. Aber man weiß nicht, was man da genau transportiert, nur bei Gefahrgütern, Explosivem oder Giftigem, wird der 1. Offizier, der für die Ladung zuständig ist, informiert. Das wird dann ganz vorne auf dem Schiff geladen, damit im Falle eines Feuers die Brücke nicht so nah ist.
Hast du dir auch mal gedacht: „ Was mache ich hier eigentlich mitten auf dem Meer? Ich will nach Hause!“
Simon: Ja, hab ich mir auch mal gedacht. Heimweh hatte ich zu Beginn der Reise, aber das hat sich dann mit der Arbeit gelegt. Wenn man beschäftigt ist, hat man auch gar nicht mehr die Zeit, über so etwas nachzudenken. Natürlich ist es mir manchmal schräg vorgekommen, dass ich jetzt gerade auf dem Indischen Ozean bin, aber in der Zeit ist die Welt ganz schön geschrumpft für mich. Das ist schon eine Erfahrung für mich gewesen, auf die ich nicht verzichten will.
Willst du mal auf einem Schiff arbeiten?
Simon: Es ist schon interessant, ich hatte tolle sechs Wochen, die ich auf dem Schiff gearbeitet hab. Aber es hat mich gestört, dass man immer die gleichen Gesichter sieht und kaum Privatsphäre hat. Das will ich nicht mein ganzes Berufsleben lang haben. Außerdem ist man total abgeschnitten von der Außenwelt: E-mails sind halt kein Ersatz für echte Gespräche mit den Menschen, die man auf dem Schiff nicht sieht.
Wem würdest du so ein Praktikum weiterempfehlen?
Simon: Jedem eigentlich. Man muss aber schon den Mut haben, dreckige Aufgaben zu machen. Zum Beispiel im Motor war es so richtig dreckig, der war noch warm, und wir mussten ihn bei 40 Grad säubern. So etwas darf dich nicht zu sehr stören. Aber insgesamt ist es eine tolle Erfahrung, man sieht sonst nie die Welt aus diesem Blickwinkel. Und man kommt natürlich echt viel rum.
Zum Abschluss noch eine lustige Anekdote?
Simon: (lacht) Ja, in Port Elisabeth sind wir einmal Taxi gefahren, und es liefen die ganze Zeit Techno-Remixe. Der Fahrer hat dann mit der Kupplung gespielt, so dass das Auto immer ein bisschen geruckelt hat. Das muss ganz schön lustig ausgesehen haben, wie die ganze Crew deswegen im Takt genickt hat.
Die Größenverhältnisse auf einem Containerschiff sind echt anders! PS.: Wer den Reiseverlauf sehen möchte, Simon hat ein Video mit allen interessanten Orten gemacht, an denen er war. Ihr findet es auf seinem Kanal, einfach v28234 eingeben, dann Westbound anklicken.
Foto: Das Containerschiff CMA CGM Christophe Colomb auf der Elbe bei Wedel/ Huhu Uet
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