Pauken in den Ferien, Land und Leute kennenlernen Oder Jugendspaßreise mit Alibi für die Eltern Ja, ich weiß, was ihr denkt, wenn ihr das lest: Lernen? In den FERIEN??? Nicht mit mir! Tja, das dachte ich zuerst auch. Dass eine Sprachreise nach Eastbourne ein weiterer Versuch meiner besorgten Eltern sein würde, meine Schulnoten zu verbessern. Ich meine: Vormittags Englischunterricht, nachmittags Freizeit, abends Party. Klingt ja ganz gut. Nur, was stört daran? Genau. Vormittags Schule! In den Ferien!!! Bestimmt nicht. Ich kann euch dazu nur sagen: Es ist ganz anders, als ihr erwartet. Meine erste Sprachreise nach Eastbourne: Erstmal zum „unerfreulichen“ Teil: Dem Unterricht. Angeboten werden: Standartschule und Minigruppen. Ich zum Beispiel war in einer Minigruppe, in der wir von englischen Lehrern bei ihnen zu Hause (in ihrem Wohnzimmer) unterrichtet wurden. In kleinen Gruppen von drei bis fünf Leuten haben wir da nicht nur trockene Grammatik oder so etwas gemacht – dazu ist ja die Schule da. Wir haben eher solche Sachen gemacht, wie: Wie lese ich am besten ein englisches Kuchenrezept und, noch viel wichtiger: Wie kriege ich es hin, dass am Ende etwas Genießbares dabei rauskommt? Mal ganz davon abgesehen, dass danach die Küche unserer Lehrerin wie ein Schlachtfeld aussah (ratet mal, wer das aufräumen durfte), war das ziemlich lustig. Jedenfalls wusste danach jeder von uns, was „self-rising flour“ war: Nämlich diese Art von Mehl, die danach auf dem ganzen Küchenboden verstreut war. Gleichzeitig wurde an der englischen Aussprache gefeilt. Was in der Schule eher nebensächlich war, stellte sich hier als ganz schöne Herausforderung heraus. Ich hatte einen Knoten in der Zunge, bis ich endlich „clothes“ richtig aussprechen konnte! Natürlich gibt es auch manchmal die ein oder andere grammatische Übung, aber, mal ehrlich: Ganz ohne Theorie kann es auch nicht gehen. Nachmittags ging es dann in die Stadt, um das Erlernte bei Starbuck´s, Primark und Co auszuprobieren. Die Innenstadt von Eastbourne ist toll. Viele Straßen gibt es dort nicht (Vorsicht – hier wird man von rechts überfahren!), aber viele kleine Fußgängerzonen inklusive riesigem Einkaufszentrum. Der schönste Ort von allem aber ist der Pier: Eine Art langer Steg mit vielen kleinen Läden darauf und der größten Disco Eastbournes, dem Atlantis, am Ende. Der Strand ist wunderschön und so lang, dass man weder Anfang, noch Ende erkennen kann. Leider ist es kein Sand-, sondern ein Kieselstrand. Dort ist auch Grillen erlaubt. Entweder mit der gesamten Reisegruppe oder mit ein paar Freunden. Aber bei meinem fast dreiwöchigen Aufenthalt machten wir nicht nur Eastbourne unsicher. Auch Hastings, Brighton und natürlich zwei Ausflüge nach London (mit Madame Tussauds!) standen noch auf unserer Liste! Typisch englisches Wetter? Typisch englisches Essen? Die Antwort darauf lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Vorurteil. Als wir das letzte Mal da waren, hatten wir zweieinhalb Wochen Sonne und das Essen war komplett normal. Gut, einige Eigenheiten haben die Engländer schon. Ich hätte mich zum Beispiel sonst nie dazu überreden lassen, heiße Schokolade mit Marshmallows zu probieren. Das war gar nicht so eklig, wie ich gedacht hatte – im Gegenteil! Was allerdings stimmt, ist, dass die Engländer wirklich viel Tee trinken. Und das ist ansteckend! Seit ich dort war, trinke ich immer schwarzen Tee mit Milch. Dass die meisten Engländer wirklich kein Deutsch können, stimmt. Die meisten können kaum andere Sprachen. Aber, wozu auch, wenn die eigene Muttersprache die Weltsprache ist? Ansonsten ist an den typischen England-Klischees nicht viel dran. Nun zu dem, was euch wirklich interessiert: Dem Spaßprogramm! Das Nachmittagsprogramm hat wirklich alles zu bieten: Roller Skating, Schwimmen, Minigolf, Bowling, und (meinen persönlichen Favoriten) Laserquest! Vorsicht: Bei letzterem sind weiße Klamotten nicht sonderlich zu empfehlen (Stichwort: Schwarzlicht). Abends ist dann Disco angesagt! Der Reiseveranstalter mietet die Discos immer für uns. Zwei bis dreimal die Woche ist dort Party. Auch ohne Alkohol kommt schnell gute Laune auf, vor allem bei den Mottopartys! Obwohl uns Außenstehende ohne weiteres für total betrunken hätten halten können, wenn sie uns im Schlafanzug oder in durchgeknallten Kostümen spätabends von einer Party kommen sahen. Zum Glück musste keiner nachts nach Hause laufen, weil wir dafür extra Busse hatten, die uns sicher zurückbrachten. Es ist so toll dort, dass ich diesen Sommer zum vierten Mal hinfahre! Eastbourne – I´ll be back!
Bild: Pixelio/ Kathi V
|