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 Warum ein Schiffsbruch uns auch heute noch – nach hundert Jahren – beschäftigt
100 Jahre Titanic
Mathilda Kolb; (21. Juni 2012)
„Near, far, wherever you are…“. Das ist es sicherlich, woran man beim Wort Titanic als erstes denkt. Den langen, kitschigen und doch auch irgendwie schönen Film plus Soundtrack von Celine Dion.
 

Kate Winslet und Leonardo DiCaprio verlieben sich unsterblich ineinander, doch die Titanic sinkt und er stirbt, um sie zu retten.

1912 sticht die Titanic in Southampton, einer Hafenstadt im Süden Englands in See. Ihr Ziel ist New York, doch das wird sie niemals erreichen. Vor Neufundland kollidiert das Schiff mit einem Eisberg, zerbricht in zwei Teile und sinkt. Dieser Untergang gilt als eine der größeren Katastrophen in der Geschichte der Seefahrt, da viele Menschen starben. Doch es gab einige Unglücke mit erheblich mehr Opfern. Einmal von gekenterten Kriegsschiffen abgesehen, forderten andere Untergänge mehr Menschenleben als die Titanic. Oft wurde übertrieben. Zeitungsartikel, die unmittelbar nach Sinken des Schiffs veröffentlicht wurden, beruhten nicht selten auf Gerüchten oder waren sogar der Fantasie der Journalisten entsprungen.

Doch Flugzeugabstürze, Zugzusammenstöße, Autounfälle oder eben Schiffbrüche, egal wie groß oder klein, gab es viele seit 1912. Warum genau beschäftigt uns das Unglück der Titanic noch immer?

Zum einen ist das zerstörte Vertrauen in die Technik ein Grund. Die Menschen hielten die Titanic für unsinkbar und priesen das neue Schiff als Wunderwerk der Technik. Niemals hätten sie sich träumen lassen, dass dieses unglaubliche Schiff, dieser Titan der Meere, einmal sinken könnte. Der beste Kapitän, die neuste Technik, die massivste Bauweise – und dann geht alles schief! Der Gedanke, dass der Mensch die Natur nicht vollkommen beherrscht, beschäftigte die Menschen sehr. Deshalb wurde unglaublich viel in der Presse darüber geschrieben, wodurch die ganze Welt auf das Kentern aufmerksam wurde.

Dass die Titanic sank, löste eine riesige Welle von Protesten aus. Zur damaligen Zeit gab es wenige Rettungsboote an Bord -sie reichten gerade einmal für einen Bruchteil der Passagiere. Ein Beschluss musste her. Niemals wieder wollte man so viele Menschenleben in einer Schiffskatastrophe verlieren. Ein Jahr nach Kentern des Schiffs wurde die „internationale Konferenz zum Schutze des menschlichen Lebens auf See“ einberufen. Diese Konferenz beschloss unter anderem Richtlinien zur verpflichtenden Bauart, zum Beispiel für den Brandschutz, zu lebensrettenden Gegenständen wie Rettungsbooten und zur Verstauen von Fracht oder Gefahrgütern. Was 1913 beschlossen wurde, hat auch heute noch Relevanz im Schiffsverkehr. In den folgenden Jahren fanden weitere Konferenzen statt, die den Vertrag erweiterten. Vor sechs Jahren trat das 88. Ergänzungsprotokoll in Kraft.

Ein weiterer Grund für die Präsenz auch heute noch ist die Verarbeitung des Traumas in Kunst oder Literatur. In Sachbüchern, Romanen, Filmen, Musikstücken, Dokumentationen, Ausstellungen, Gemälden – die Tragödie bietet genug Stoff. Bereits im Unglücksjahr 1912 entstanden zwei Filme. Eine Überlebende des Untergangs besetzte die Hauptrolle. Im zweiten Weltkrieg geriet der Hype um die Titanic in den Hintergrund. Viel schlimmere Schiffsunglücke passierten. Doch acht Jahre nach Kriegsende eroberte die Katastrophe um die Titanic erneut die Kinoleinwände. Es gibt unzählige Filme über das Unglück, aber die meisten kennen nur den oben zitierten von James Cameron mit Leo und Kate in den Hauptrollen aus dem Jahr 1997. Dieser kam dieses Jahr erneut in die Kinos, diesmal aber in 3D.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Untergang der Titanic auch heute noch zum hundertjährigen Jubiläum in den Köpfen ist. Sicherlich wird man eine solche Katastrophe auch nicht so schnell vergessen, denn dazu ist sie zu präsent.

Bild: Wikipedia




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