
Bankenhauptstadt, Skyline, Flughafen – viel mehr verbinden die meisten von uns mit Frankfurt nicht. Dabei hat Hessens größte Stadt viel mehr zu bieten und kann vor allem mit kulturellen Highlights auftrumpfen. Für eine tollen Städtetrip muss man nicht bis München oder Berlin fahren; Chilly zeigt euch, wie man auch in der Finanzhauptstadt Frankfurt am Main ein paar tolle Tage erleben kann – und das direkt um die Ecke. Eins vorweg: Frankfurt am Main ist weder mit der pulsierenden Trendmetropole Berlin, noch mit der Glamourhauptstadt München zu vergleichen. Frankfurt am Main hat sein eigenes Flair, das irgendwo zwischen Finanzhochburg, Skyline, Flughafen, Fußball, Geschichte, hessischer Kultur und einer beeindruckenden Musemslandschaft liegt … aber das sollte am besten jeder selbst herausfinden. Vom Saarland aus geht das besonders schnell auf Schienen: mit der RE-Linie 3 erreicht man die Mainmetropole von Saarbrücken aus in 2 ¾ Stunden.
Am Frankfurter Hauptbahnhof angekommen, befindet man sich praktisch mitten im Herzen der Stadt, im berühmten Bankenviertel und nicht weit entfernt von Main, Museumsufer und der größten Fußgängerzone der Stadt. Auch wenn man eine fremde Stadt lieber auf eigene Faust erkunden möchte, sollte man mit Stadt- und U-/S-Bahn-Plan bewaffnet sein. Die bekommt man in der Touristeninformation, die praktischerweise auch im Hauptbahnhof zu finden ist.
Wer erst einmal mit professioneller Begleitung die Stadt entdecken will, ist hier ebenfalls richtig: die Touristeninformation bietet verschiedene Stadtrundgänge und –fahrten an, darunter auch Entdeckungstouren mit dem „Ebbelwei-Express“ oder Schiffsrundfahrten auf dem Main. Bewaffnet mit Stadtplan und einer groben Idee, was man alles sehen möchte, kann man die Stadt aber auch prima auf eigene Faust erkunden.
Einen ersten Überblick verschafft man sich am besten vom Maintower aus; vorausgesetzt, man ist schwindelfrei. Der Aussichtsturm ist mit seinen 200m zwar „nur“ der viertgrößte Turm der Frankfurter Skyline, bietet dafür den Besuchern aber einen einzigartigen Blick auf Frankfurt. Entgegen vieler Erwartungen ist der Eintrittspreis mit 3,50 für Schüler und Studenten recht gering und so sollte man sich den Blick über Frankfurt nicht entgehen lassen (S-Bahnhof Taunusanlage).
Mit Frankfurt ist es nicht anders als mit Berlin; um ein paar Sehenswürdigkeiten kommt kein Besucher herum. Und was für Berlin das Brandenburger Tor ist, ist für Frankfurt die Paulskirche. Bis ins Jahr 1944 war diese Kirche die Hauptkirche der evangelischen
Gemeinde
Frankfurts, Bekanntheit erlangte sie jedoch anders: in den Jahren 1848 und 1849 tagte hier mit der Frankfurter Nationalversammlung das erste demokratisch gewählte
Parlament
s Deutschland, das nach der Märzrevolution (der Deutschen Revolution von 1848/49) konstituiert wurde. Ursprünglich sollte diese Versammlung im Kaisersaal des Frankfurter Römers stattfinden, musste aus Gründen des Platzmangels jedoch „umziehen“. Durch ein paar Umbauten verlor der neue Versammlungsort in wenigen Tagen seine kirchlichen Züge; so konnte dort vier Tage lang ein Vor
Parlament
tagen, das die eigentliche Wahl zum neuen
Parlament
, der Nationalversammlung, vorbereitete. Ab dem 18. Mai 1848 schließlich tagen die 382
Parlament
sabgeordneten bis zum 30. Mai 1849 in der Frankfurter Paulskirche. Nachdem sie während des zweiten Weltkriegs zerbombt wurde und ausbrannte, ist die Paulskirche seit dem 18. Mai 1949 (dem hundertsten Nationalfeiertag) ein nationales Denkmal und wird für Veranstaltungen des öffentlichen Lebens genutzt; deshalb ist der Eintritt für Besucher kostenlos (U-Bahnhof Dom/Römer).
Ungefähr ein Jahrhundert vor dem ersten Zusammentreffen der Nationalversammlung, nämlich am 28. August 1749, erblickte in Frankfurt einer der größten deutschen Dichter das Licht der Welt: Johann Wolfgang von Goethe. Geboren im „Großen Hirschgraben“, einer Straße in der Frankfurter Innenstadt, verbrachte der junge Goethe hier einen Großteil seiner Jugend, bevor es ihm mit 16 Jahren zum Studium nach Leipzig zog. Heutzutage kann man das Goethe-Haus besichtigen, das bis unter das Dach Schätze aus der Zeit des Dichters zu bieten hat. Angeschlossen ist ein Goethe-Museum, in dem zwar keine Literatur, dafür jedoch Kunstwerke aus der Zeit Goethes ausgestellt sind. Interessiert man sich für das Leben Goethes und seine Werke, sollte man genügend Zeit für den Besuch seines Geburtshauses einplanen. Es werden sogar Führungen angeboten, die am Wochenende einmal, von Montag bis Freitag sogar zweimal täglich stattfinden. Der Eintritt für Studenten kostet 2,50
Euro
, Schüler können sogar schon ab 1,50
Euro
in die Welt des Dichters eintauchen (U-Bahnhof Willy-Brandt-Platz / U- und S-Bahnhof Hauptwache).
Wer sich weniger für Literatur und Dichtkunst interessiert, fährt per U-oder S-Bahn in den Norden Frankfurts und besucht das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank, die ihren Hauptsitz in Frankfurt hat. Egal ob Student oder Schüler, hier können alle umsonst das einzige Geldmuseum Deutschlands besichtigen, was man auch unbedingt tun sollte. Mit Ausstellungsstücken, Videos und interaktiven Elementen wird versucht, Fragen rund um das Geld zu beantworten; dabei reicht die Palette vom Entstehen des Geldes über seine Wirkung bis hin zur Währungs- und Geldpolitik und den Aufgaben der Zentralbank. Außerdem werden verschiedene Themenführungen durch die Ausstellungsräume, sowie Museumsrallyes und sogar Museumsabende mit hochrangigen Vertretern der Bundesbank angeboten – alles kostenlos (U-Bahnhof Dornbusch).
Nach so viel kulturellem Input sollte man sich eine kleine Auszeit gönnen – am besten im Frankfurter Palmengarten. Er ist einer der beiden botanischen Gärten in Frankfurt und liegt in der Nähe des Unicampus Bockenheim. 1871 eröffnet, beheimatet er heute mehr als 13.000 subtropische und tropische Pflanzenarten, die auf Freiflächen, aber auch in Gewächshäusern wachsen. Aufgeteilt ist der riesige Garten in mehrere große Teile, unter anderem einen Rosengarten, eine Steppenwiese und sogar einen Bambushain; selbst Minigolfen und Rudern über einen großen Weiher ist möglich. Hier können täglich ab 9 Uhr 22 Hektar voller verschiedener Pflanzen- und einiger Tierarten besichtigt werden; und das für nur 5
Euro
. Wenn es geht, sollte man jedoch unter der Woche kommen, denn samstags und sonntags herrscht, besonders bei schönem Wetter, natürlich reger Betrieb (U-Bahnhof Bockenheimer Warte).
Weniger bekannt ist, dass Frankfurt am Main eins der größten Naturkundemuseen in Deutschland beheimatet, nämlich das Senckenberg Naturkundemuseum. Getragen von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, kann man hier auf drei Ebenen mehrere tausend Exponate besichtigen, die einem sämtliche Seiten des Lebens auf der Erde näher bringen. Dabei gibt es jedoch nicht nur Ausstellungen über die Entwicklung von Tier und Mensch, sondern auch über das Sonnensystem und seine Planeten, Geologisches wie Erdbeben, Vulkane und Gesteine, sowie über die Geschichte unserer Erde. Das wirkliche Highlight des Museums ist jedoch seine Sammlung von Dinosaurierfossilien, die 18 verschiedene Arten präsentiert und damit die größte Dinosaurier-Sammlung in Deutschland darstellt. Zusätzlich kann das Museum noch mit einigen Sonderausstellungen aufwarten, bis Anfang Juni dieses Jahres zum Beispiel mit „Faszination Spinnen“. Für diese Sonderausstellungen muss man keinen Aufpreis, sondern nur den regulären Eintrittspreis zahlen. Der beträgt für Schüler, Studenten, Auszubildende und Kinder 3,00
Euro
(U-Bahnhof Bockenheimer Warte).
Wer von Museen dann immer noch nicht genug hat, sollte einen Abstecher zum Museumsufer machen, einer Allee am Mainufer, auf der sich ein Museum an das andere reiht. Hier findet man beispielsweise das Museum für Kommunikation, das Deutsche Architekturmuseum und das Museum für Angewandte Kunst. Besonders hervorzuheben ist hier jedoch das Deutsche Filmmuseum. Es existiert bereits seit 1984, wurde 2011 jedoch nach einer zweijährigen Umbau- und Renovierungsphase neu eröffnet. Präsentiert werden hier viele Originalexponate, die sich vor allem mit Filmgeschichte, aber auch mit der Entstehung und der Wirkung von Filmen beschäftigen. Zum Museum gehört natürlich auch ein kleines Kino, in dem Dokumentationen und museumsbegleitende Filme gezeigt werden. Der Eintritt kostet hier für Schüler, Studenten und Auszubildende 2,50
Euro
, worin jedoch nicht der Eintritt zur Sonderausstellung und zum Kino enthalten ist. Öffentliche Führungen sind kostenlos und finden jeweils samstags und sonntags um 15 Uhr statt. Am Wochenende ist zwar mehr los im Deutschen Filmmuseum, dann hat man aber auch die Gelegenheit, sich in der museumspädagogischen Werkstatt auszutoben und dort auch das hauseigene Filmstudio zu nutzen, zu dem sonst nur Gruppen Zugang haben (U-Bahnhof Willy-Brandt-Platz / U-Bahnhof Schweizer Platz).
Auch wenn Frankfurt am Main mit einer besonderen Museumslandschaft aufwarten kann, sollte man seine Zeit in der hessischen Metropole natürlich nicht nur in Ausstellungsräumen verbringen – der Innenstadt sollte man ebenfalls einen Besuch abstatten! Ausgangspunkt für einen Streifzug durch das Herz von Frankfurt ist der Römer, besser gesagt, die bekannte Fassade des Haupthauses (denn „Römer“ bezeichnet eigentlich den gesamten Rathauskomplex). Nicht-Frankfurtern ist der Römer wahrscheinlich vor allem durch seinen Balkon bekannt, der mittlerweile einige Berühmtheit erlangt hat; da Frankfurt am Main der Sitz des Deutschen Fußballbundes ist, präsentieren sich hier nämlich die Nationalmannschaften der Männer und Frauen, wenn sie erfolgreich von einem internationalen Turnier zurückkehren (U-Bahnhof Dom/Römer).
Von hier aus gelangt man in wenigen Minuten zum Frankfurter Dom „Kaiserdom St. Bartholomäus“ (der man einen kleinen Besuch abstatten sollte, war sie doch früher mal der Ort, an dem römisch-deutsche Kaiser gewählt und gekrönt wurden) oder zur berühmtesten Einkaufsstraße Frankfurts, der „Zeil“ (U- und S-Bahnhof Hauptwache). Wer dann in Kauflaune gerät und an einem Samstag in Frankfurt ist, sollte auch noch den Flohmarkt besuchen, der jeden Samstag von 9 bis 14 Uhr stattfindet, immer im Wechsel am südlichen Mainufer und im Osthafen statt.
Ein besonderes Erlebnis ist der Flohmarkt vor allem, wenn er am „Schaumainkai“, am südlichen Mainufer, stattfindet – denn so kann man während dem Flohmarktbesuch die Frankfurter Skyline bewundern, was besonders bei tollem Wetter seinen ganz eigenen Charme hat. Wer dann noch einen Tag (oder auch einen Nachmittag) dranhängen kann, fährt mit der S-Bahn etwas raus aus der Stadt und zum Flughafen. Der Flughafen Frankfurt am Main ist der drittgrößte Flughafen
Euro
pas und bei verschiedenen (Themen-)Touren kann hier jeder einen oder mehrere Blicke hinter die Kulissen eines Flughafens werfen. Die Preise für die längeren Touren sind zwar nicht ganz billig, dafür bekommt man aber einiges geboten. Für eine Flughafenbesichtigung sollte man allerdings etwas mehr Zeit einplanen; die Fahrt von der Frankfurter Innenstadt bis zum Flughafen dauert mit der S-Bahn etwa eine Viertelstunde und die Strecke ist immer hochfrequentiert (S-Bahnhof Frankfurt am Main/Flughafen).
Fußballfreunde fahren jedoch gar nicht erst bis zum Regionalbahnhof des Flughafens, sondern steigen eine Station früher aus, nämlich am Stadion. Die Frankfurt Commerzbank-Arena ist die Spielstätte der Frankfurter Eintracht und kann natürlich auch besichtigt werden. Auch hier ist der Preis für eine öffentliche Führung mit 9,00
Euro
nicht ganz billig; dafür bekommt man jedoch vom VIP-Bereich bis zur Massagebank in der Spielerkabine alles gezeigt und kann hinterher umsonst das Eintracht Frankfurt Museum besuchen (Frankfurt am Main-Stadion). Wer also Lust hat auf einen Städtetrip mit allem Drum und Dran, jedoch nicht zu weit fahren möchte: „Mainhattan“, wie sie Stadt von Liebhabern genannt wird, liegt direkt um die Ecke!
Links: www.frankfurt.de