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22.11.2016
Die Olympischen Spielen 2016

Von Jan Kronauer

 

foto-2Selten wurde vor einem großen Sportereignis so viel kritisiert und kommentiert wie vor den olympischen Sommerspielen 2016. Dabei ging es, ähnlich wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014, um die Lage der Bevölkerung und der daraus resultierenden Kriminalität. Viele kritisierten, dass das Geld am falschen Ende investiert wird – in große Stadien zur Unterhaltung der Reichen und nicht in die Unterstützung der Armen.

In den zwei Jahren zwischen Olympia und der Fußball WM ist aber noch mehr passiert. Der Ausbruch des Zika-Virus in Brasilien hielt nicht nur viele Zuschauer fern – auch einige Athleten begründeten ihre Absage mit dem Virus.

Das gesamte Turnier wurde aber vor allem durch eines geprägt: den Dopingskandal. Schon seit längerem hat man das Gefühl, dass es im Profisport nur darum geht wer am besten und unauffälligsten dopet. Diese Vorstellung ist nicht nur den ehrlichen Sportlern gegenüber unfair sondern eigentlich auch falsch. Nicht umsonst gibt es so viele, strenge Doping-Kontrollen, die für einen fairen Wettbewerb sorgen sollen. Umso schockierender waren die Offenbarungen der russischen Athletin Julia Stepanowa und ihrem Mann. Wenn ein ganzer Staat systematisch seine Sportler mit verbotenen, leistungssteigernden Mitteln versorgt um besser da zustehen geht nicht nur wieder viel Vertrauen in den Leistungssport verloren, sondern auch in eben jene „strengen“ Doping-Kontrollen. Dem Olympischen Komitee war es immer wichtig, dass Politik bei Olympia außen vor bleibt. Doch das ist nicht mehr der Fall, wenn ein Staat selbst Einfluss auf die Leistung seiner Athleten nimmt. Welche Auswirkung die Enthüllung auch für Stepanowa hatte wurde in einem Interview mit ihr klar: „Wenn uns etwas passiert, dann müssen Sie wissen, dass es kein Unfall war“.

Der auf die Enthüllung folgende Teilausschluss von russischen Athleten sorgte bei vielen nicht für Glücksgefühle. Olympia-Sieger Robert Harting sprach sogar davon, dass der Chef des IOC Thomas Bach Teil des Doping-Systems sei. Ein kompletter Ausschluss der russischen Sportler wäre in den Augen vieler besser gewesen. Teilweise auch für die Sportler selbst. So klagte die russische Schwimmerin Jefimowa über Mobbing und bat um Verständnis für ihre Situation. Sie kam über den juristischen Weg nach Rio – wie viele andere Sportler aus dem russischen Team auch. Ihnen wurde selten Sympathie entgegen gebracht.

Betrachtet man das alles, so könnte man meinen die olympischen Spiele wären ein Reinfall und man würde sie in Zukunft am besten gar nicht mehr austragen, weil ja sowieso alle betrügen wo es nur möglich ist. Diese Einstellung würde dem Großereignis Olympia nicht gerecht werden. So gab es auch in Rio viele tolle Geschichten und Erfolge, die es sich lohnt in Erinnerung zu behalten.

Zuallererst gebührt den Überathleten Micheal Phelps und Usian Bolt unsere Anerkennung. Es waren wohl die letzten Olympischen Spiele mit diesen beiden Ausnahmesportlern. Phelps gewann seit seinem Olympiadebut 2000 ganze 23 Goldmedaillen und ist damit der erfolgreichste Olympionike überhaupt.

Einen anderen Rekord stellte der schnellste Mann der Welt auf. Usian Bolt gelang es auch in seinen dritten Olympischen Spielen alle Rennen, an denen er teilnahm auch zu gewinnen. Neun Goldmedaillen aus neun Rennen gewann bisher noch niemand.

Für das Gastgeberland war das Fußball-Turnier von großer Wichtigkeit. Nach der Schmach von 2014 gelang den brasilianischen Fußballern um Superstar Neymar immerhin eine kleine Revanche im Finale gegen Deutschland. Unsere Mannschaft, unter Trainer Horst Hrubesch, verlor jedoch nicht Gold sondern gewann Silber – mit der Finalteilnahme war im Vorhinein nicht unbedingt gerechnet worden. Dennoch ein wenig Balsam für die immer noch tiefsitzenden wunden der Brasilianer.

Neben den Fußballern holte auch die deutsche Handballmannschaft eine Medaille. Zwar reichte das großartige Comeback im Halbfinale gegen Frankreich nicht für das Finale, doch im Spiel um die Bronze Medaille holte sich das Team von Trainer Dagur Sigurðsson den verdienten Lohn für ein starkes Turnier.

Mit Gold belohnte sich das deutsche Beachvolleyball Duo um Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, die nicht nur gegen die Gegner sondern auch gegen das Publikum spielen mussten. Sie besiegten sowohl im Halbfinale als auch im Finale die zwei brasilianischen Teams und sicherten sich den Platz an der Sonne.

Einen besonders schönen Abschied von der olympischen Bühne erlebte auch Fabian Hambüchen. Der Turner holte sich in seinem letzten internationalen Wettkampf die olympische Goldmedaille in seiner Paradedisziplin: dem Reck. Ein guter, runder Abschied für einen der besten deutschen Turner.

Sehr erfolgreich schnitten auch die deutschen Reiter ab. Mit 2 Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen war Deutschland das erfolgreichste Land.

Eine schöne Geschichte mit Schönheitsfehler gab es beim Diskuswerfen. Robert Harting, Olympia Sieger von 2012, verletzte sich schon in der Qualifikation und konnte nicht an der Finalrunde teilnehmen. Für die Sensation sorgte dann sein Bruder: Christoph Harting, der völlig überraschend die Goldmedaille holte – und fällt anschließend durch unangebrachtes Verhalten auf. Sein unangebrachtes Verhalten während der Nationalhymne entschuldigte er später. Er sei „endorphinübersteuert“ gewesen und konnte sein Glück kaum fassen. Außerdem ist Christoph Harting immer eher zurückhaltend gegenüber der Presse gewesen und verweist darauf, dass er noch viel zu lernen habe. Insbesondere in Bezug auf PR.

Die Olympischen Spiele in Rio waren zwar überlagert von vielen negativen Aspekten und Vorahnung, liefern aber eigentlich sehr gut über die Bühne. Man konnte wieder viele Geschichten erleben, die nur der Sport schreibt und hatte wieder die Möglichkeit auch kleinere Sportarten zu schauen. Der Medaillenspiegel hält nichts Außergewöhnliches bereit. Die ersten Fünf (USA, GB, China, Russland, Deutschland) variieren in den letzten Spielen immer nur untereinander und es kommt selten zu irgendwelchen Überraschungen. Die nächsten Spiele finden 2020 in Tokyo statt und wer weiß: vielleicht gibt es bis dahin eine gute Lösung für das Doping-Problem.

 

Bildnachweis: Agência Brasil Fotografias / wikipedia.de