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08.02.2017
Eine-Welt-Laden Homburg

Von Laura Meyer

fachtage_grossAxel Stirn ist gelernter Diplom-Geograph und arbeitet seit April 2016 für den Eine-Welt-Laden in Homburg als Promoter. Er hält Vorträge, bietet Workshops an und macht Werbung für fairen Handel. Unsere Redakteurin Laura traf ihn auf der Zukunftstour in Saarbrücken.

Eine-Welt-Läden, auch Weltläden genannt, entstanden Ende der 1960er Jahre, als die Menschen in den Industrieländern immer mehr ein Bewusstsein für fairen Handel und Gerechtigkeit auf der ganzen Welt entwickelten. Sie wollen die Menschen über die angebotenen Produkte informieren und darüber hinaus auch für das Thema globale Gerechtigkeit sensibilisieren. Einer der ersten Läden, der auch heute noch existiert, entstand in Berlin.

Den Eine-Welt-Laden in Homburg gibt es seit 25 Jahren.

Chilly: Wie ist die Idee entstanden den Laden zu gründen?

Axel Stirn: Ich persönlich war da nicht dabei. Das waren ältere Damen, von denen viele so um die siebzig sind. Die Initiatorin damals war Abiturientin und sie hat sich mit Eine-Welt-Themen beschäftig. Schon seit den sechziger Jahren gibt es Eine-Welt-Laden-Initiativen, es wurden erste Läden eröffnet und der faire Handel unterstützt. Die Initiatorin trommelte ein paar Leute zusammen und konnte so den Laden in Homburg eröffnen. Das Ziel war damals schon, Werbung für fairen Handel zu machen und Produkte aus den damals noch so genannten „Dritte Welt-Ländern“ anzubieten.

Welche Schwierigkeiten gibt es, das Thema „Fairer Handel“ unter die Menschen zu bringen?

Eine der größten Schwierigkeiten ist die Erwartungshaltung der Menschen etwas zu bekommen, ohne etwas dafür zu geben oder dass sie überall das bekommen, was sie gerade wollen. Insofern ist die Voreingenommenheit der Menschen das Schwierigste. Wenn die Menschen unvoreingenommen sind, dann sind sie offener für Gespräche und auch für die Informationen. Ich bin überzeugt, dass das Wissen über die Problematik schon verbreitet ist. Die meisten wissen Bescheid, aber es fehlt noch, dass sie das verinnerlichen und mit dem eigenen Handeln in Verbindung bringen. Das ist ein kleiner psychologischer Effekt, der einfach erst stattfinden muss. Wenn die Leute und auch ich selbst erkennen, wo man etwas gegen Ungerechtigkeit auf der Welt tun kann, dann mache ich einen guten Job.

Welche Menschen kaufen konkret in dem Laden ein?

In erster Linie kaufen Frauen, vor allem ältere Damen bei uns ein. Ein kluger Mann hat mal gesagt, es mag sein, dass die Männer die Welt beherrschen, aber die Frauen verändern sie. Auch setzen sich Mädchen eher hierher an den Stand, die Jungs aber überhaupt nicht.

Warum denken Sie, dass gerade diese Personengruppe bei ihnen einkauft?

Sie kaufen dort ein, weil sie einen stärkeren Draht zu ihrem Gewissen haben und zu ihrem Gefühl, etwas Gutes zu tun. Etwas Gutes bedeutet, etwas Gerechtes zu tun, etwas Friedliches zu tun und nicht nur der eigenen Gier, der eigenen persönlichen Bedürfnisse direkt impulsiv nachzugehen.

Wie wählen Sie die Produkte im Eine-Welt-Laden aus? Auf was wird da geachtet?

Da wird schon geschaut, was die Leute interessiert und was sie brauchen. Es soll aber auch eine Bandbreite zeigen und repräsentativ sein, was es alles im Fairtrade-Bereich gibt. Wir haben von Kunsthandwerk bis zu alltäglichen Produkten wie Tee und Kaffee alles dabei.

Was kommt besonders gut bei den Menschen an?

Im Grunde kommt am besten an, dass die Produkte inzwischen auch lecker sind. Das waren sie vor 30 Jahren noch nicht.

Getrocknete Mangos schmecken zum Beispiel fantastisch. Außerdem kommt noch die ehrliche Haltung der Leute gut an, die dort engagiert sind und nicht einfach vorgeben, hier etwas Tolles zu machen. Alle die dort arbeiten, machen dies ehrenamtlich, weil sie davon überzeugt sind, dass das das Richtige ist.

Erfahren Sie auch manchmal negative Kritik von den Menschen, die in den Laden kommen?

Die negative Kritik ist im Grunde Eigenkritik, indem sie sagen „Ja, das bringt doch alles nichts,“ oder „Der Regenwald wird so oder so gerodet“ und „Faire Bezahlung ist gut und schön, aber die meisten machen es ja sowieso nicht, wieso soll ich es dann machen?“ Aber das ist ja keine Kritik an unserem Engagement, das ist Kritik am eigenen Verhalten. Allerdings ist es auch unklug, die Leute auf ihre Eigenkritik anzusprechen. Ich erzähle dann immer von mir, wie ich das sehe und hoffe, dass ich mit meinem Frohsinn die Leute inspirieren kann.

Im Netz: www.weltladenhomburg.de

Anmerkung: Der Artikel ist entstanden bei einer politikorange-Redaktion im Rahmen eines Projekts
der Jugendpresse Deutschland e.V.

 

Bildnachweise: (c) Weltladen-Dachverband/C. Krackhardt